Text-Bild-Ansicht Band 317

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und ganz besonders gewissenhafter Ausführung, so dass sie in Deutschland nur wenig, in Berlin z.B. noch gar nicht ausgeführt ist. In der Schweiz hat sie jedoch eine grössere Anzahl von Ausführungen zu verzeichnen, aber doch auch dort in letzter Zeit, anlässlich eines grösseren Bauunfalles, zu erneuerten Erwägungen über ihre Sicherheit Veranlassung gegeben. Ihr ähnlich sind die in Frankreich gebräuchlichen Systeme Bernard und Cottacin.

Die Möller'sche Trägerdecke (Fig. 89) hat ebenfalls Träger, die wesentlich aus Beton bestehen, und zwar in Fischbauchform. Ihre zu Tage liegenden eisernen, aus Flacheisen bestehenden Zuguntergurte sind durch kurze aufgenietete Quer--Eisen mit ihnen verankert. Wegen ihrer unvorteilhaften Unteransicht finden sie im Hochbau nur wenig Verwendung. Die ganze Anordnung ähnelt der bereits besprochenen Konstruktion nach Golding, welch letztere aber wohl den Vorzug zu verdienen scheint. Beide haben aber jedenfalls den Nachteil, dass das die Querträger zusammenhaltende Eisen offen daliegt.

Textabbildung Bd. 317, S. 209

Die Deckenkonstruktion nach Deumling (D. R. P. Nr. 82931), auch Hängedecke genannt (Fig. 90), besteht aus zwei oder mehreren übereinander ausgespannten Drahtnetzen, die durch Aussteifungsglieder in gleichen Abständen voneinander gehalten und schliesslich mit Beton umgössen sind. Es wird indessen bei dieser Konstruktion ein ziemlicher Zug auf die Umfassungswände ausgeübt werden, so dass die Ausführung wohl nur in bestimmten Fällen rätlich sein wird.

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Decken aus Wellblech (Fig. 91), die das Wellblech unten frei zeigen, oben aber mit Beton ausgegossen sind, trifft man häufig an. Da indessen das Blech in seiner ganzen Fläche frei liegt, so könnte im Ernstfalle nur die Betonkonstruktion allein tragfähig bleiben, was indessen um so weniger zu erwarten ist, als man sie einmal mit Rücksicht auf das Wellblech natürlich recht schwach nimmt, und da zweitens auch noch in diesen Fällen die Unterflanschen der ⌶-Träger unverkleidet zu bleiben pflegen. Das Gleiche, wie von den geraden gilt auch von den bombierten Wellblechdecken (Fig. 92).

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Dagegen vermeidet die in Amerika übliche Konstruktion nach Baley (Fig. 93) den Uebelstand der gewöhnlichen Wellblechdecken, indem sie Stahlblech mit schwalbenschwanzförmiger Faltung benutzt, so dass auch der unten anzubringende Putz einen genügenden Halt findet, und das Blech der Einwirkung des Feuers entzogen wird.

Gleichfalls amerikanischen Ursprungs ist das Streckmetall nach Golding (Fig. 94 bis 96), das neuerdings aber auch in Deutschland in grossen Mengen hergestellt wird, und zwar nach D. R. P. Nr. 84345. Fig. 94 zeigt ein Stück dieses Streckmetalls. Die Anfertigung geschieht in der Weise, dass eine Blechtafel gleichzeitig mit Schlitzen versehen und auseinander gezerrt wird, ohne jedoch dabei an Breite einzubüssen. Hierdurch kann man aus einer Blechtafel eine bedeutend grössere Länge an Streckmetall herstellen. Da dessen Oberfläche keine Ebene mehr bildet, sondern etwa treppenförmig gebrochen ist, so bietet es für den Verputz von Decken, für Wandkonstruktionen u.s.w. einen sehr guten Halt. Fig. 95 und 96 zeigen zwei mit diesem Metall hergestellte Deckenkonstruktionen, deren sich noch eine ganze Reihe aufführen liessen.

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Ein Zwischending zwischen diesem und dem gewöhnlichen Wellblech ist das sogen. gezerrte Wellblech (Fig. 97 und 98), das als Träger von Betonkonstruktionen jedenfalls vor dem gewöhnlichen Wellblech seine Vorzüge hat.

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Die Konstruktion, die unter dem Namen Terrast bekannt ist (D. R. P. Nr. 100914 und 100730) (Fig. 99), besteht in ihrer hier interessierenden Ausführungsform aus einem über die Träger mit ein Zehntel Durchhängung gespannten, verzinkten Drahtgewebe von grösserer Maschenweite, über das man festes Papier legt. Hierauf wird Beton aufgebracht. Die Eigentümlichkeit dieses Verfahrens liegt in der Anwendung des Papiers, das dazu dient, den Beton vor dem Durchfallen durch das Drahtnetz zu sichern, ihm aber die Bildung von Ausbuckelungen zu gestatten, wodurch eine Verschiebung verhindert wird. Das Drahtnetz wird auf diese Weise die Zugspannungen aufnehmen. Die Decke kann durch diese Herstellungsweise ohne Verschalung aufgebracht werden. Unter die Träger wird dann noch eine beliebige andere feuersichere Decke, etwa ein verputztes Drahtnetz, untergebracht.

Textabbildung Bd. 317, S. 209
Textabbildung Bd. 317, S. 209

Selbstverständlich ist gerade bei allen Konstruktionen aus Eisen und Beton eine durchaus sorgfältige Herstellung Hauptbedingung für ihre Haltbarkeit, Tragfähigkeit und Feuersicherheit. Lässt man sie ohne genügende Aufsicht durch irgend einen beliebigen Maurermeister oder Unternehmer herstellen, so ist es nicht zu verwundern, wenn man nicht mit ihnen zufrieden ist. Auch hier heisst es, dass nichts geschehen soll, nur damit etwas geschehen sei, sondern nur, um einen bestimmten Zweck auch wirklich zu erreichen.

(Schluss folgt.)

Kleinere Mitteilungen.

Mechanische Heizvorrichtung für Lokomotiven.

Bekanntlich können bei Dampfkesselfeuerungen mechanische Vorrichtungen zum Beschicken des Rostes, was die Regelmässigkeit der Brennstoffzuführung und die Wirtschaftlichkeit des Verbrauches anbelangt, von grossem Werte sein, namentlich dort, wo es sich um eine stetig gleichbleibende Dampferzeugung handelt. Weniger günstig erweist sich natürlich die Anwendung mechanischer Beschickungsvorrichtungen für solche Kesselanlagen, welche ungleich in Anspruch genommen sind. Zuvörderst wohl deshalb, zum Teile aber auch wegen der beengten Raumverhältnisse hat man bisher wenig darauf geachtet, derartige Anordnungen