Text-Bild-Ansicht Band 318

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Yorks. Die Fig. 137 bis 137b zeigen drei verschiedene Anordnungen dieses patentierten Kessels. Bei den beiden ersten ist die Feuerbüchse aus einem kegelförmigen und einem zylindrischen Teile zusammengesetzt und oben durch einen gewölbten Boden abgeschlossen. Besondere Schwierigkeiten dürften hier bei der Herstellung kaum entstehen. Schon weniger zweckmässig ist die dritte Anordnung, bei welcher sich die Feuerbüchse aus kugelähnlichen Teilen zusammensetzt. Die Vorteile, welche die Kugelform gegenüber der Beanspruchung durch den Dampf aufweist, werden reichlich aufgewogen durch die schwierigere Herstellung und durch die Herabsetzung der Materialeigenschaften infolge der ungünstigsten Bearbeitungsweise.

Textabbildung Bd. 318, S. 20
Textabbildung Bd. 318, S. 20

Im Anschluss an die im Heft 50 Bd. 317 besprochenen Lokomobilkonstruktionen mögen hier noch zwei Ausführungen von Lokomobilkesseln nachträglich wiedergegeben werden.

Die erste in den Fig. 138 bis 138b dargestellte Konstruktion betrifft einen Lokomobilkessel der Firma Heinrich Lanz in Mannheim.

Der Kessel hat 104,6 qm Heizfläche, arbeitet mit 10 Atm. Ueberdruck und ist für eine 170pferdige Verbund-Dampfmaschine bestimmt. Die Feuerbüchse wird durch ein Wellrohr gebildet. Die Verwendung eines Wellrohres hat hier gegenüber den glatten zylindrischen Feuerbüchsen den Vorteil,dass die bei Lokomobilkesseln besonders wichtige direkte Heizfläche grösser ausfällt und dass verschieden starke Wärme-Ausdehnungen des Mantels einerseits und der Feuerrohren andererseits durch die Elastizität des Wellrohrs ausgeglichen werden, sodass die Befestigungsstellen der Siederöhren in den Rohrwänden weniger leicht leck werden.

Wie bedeutend die Temperaturunterschiede des Wassers beim Anheizen eines gewöhnlichen Lokomobilkessels ausfallen können, hat C. Bach durch seine Versuche1) nachgewiesen; 135 Minuten nach dem Beginn des Anheizens betrug der durchschnittliche Temperaturunterschied des Wassers oben und unten noch 141°. Dass hiernach in den Wandungen bedeutende Längen- und Spannungsunterschiede auftreten müssen, ist ohne weiteres klar. Werden die Heizgase auch noch unter den Kesselmantel hinweg geführt, so liegen die Verhältnisse etwas günstiger, weil sich dann eine Wasserbewegung im Kessel ausbildet, die den Temperaturausgleich bewirkt.

Der Lanzsche Lokomobilkessel ist ebenfalls mit ausziehbarem Röhrenbündel ausgeführt. Um den Ausbau zu erleichtern, sind unten am Kesselmantel mittels kurzer Eckwinkel zwei Flacheisengleitschienen 60.20 min hochkant angebracht, auf welche sich der untere Rand der hinteren Rohrwand abstützt.

Die vordere Stirnwand erhält zur Befestigung des Röhrensystems und der Feuerbüchse 68 Schrauben, die hintere Stirnwand 58 Schrauben von 1 ¼ Zoll Durchmesser.

Der Mantel des Kessels hat 1,89 m Durchmesser und 18,5 mm Blechstärke; er ist aus drei Schüssen gebildet, die in den Rundnähten zweireihig überlappt genietet sind. Die Längsnähte sind mit dopeplten Laschen von 15 mm Dicke versehen. Die innere Lasche ist breiter und zweireihig genietet; die äussere Lasche nur einreihig genietet.

Das Wellrohr hat einen Durchmesser von 1,3 und 1,4 m, eine Länge von 2,3 m und eine Wanddicke von 14,5 mm. Von den 114 Siederöhren sind 90 glatt eingesetzt, 24 mit Gewinde verankert. Die Lichtweite ist 70 mm, die Aussenweite 76 mm. Die Rohrwände haben 25 mm Stärke; ebenso die beiden Stirnwände des Kessels. Letztere sind in der Höhe des Dampfraumes noch durch zwei kräftige Flacheisenanker von 180 . 18 mm Querschnitt versteift. Die Anker sind durch Eckwinkel an den Stirnwänden befestigt und in der Mitte zweimal durch Flacheisen von 80 . 12 mm Querschnitt gegenseitig versteift.

Die Rauchkammer ist aus 6 mm Blech zusammengenietet, mit einer Reinigungsöffnung von 1,25 m Durchmesser und entsprechender Thür versehen; die Heizgase werden nach unten in den gemauerten Kanal geführt.

1)

Zeitschrift d. V. d. Ing. 1901 S. 22 u. f.