Text-Bild-Ansicht Band 318

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dem Pumpengehäuse angeordneten, in die Saugleitung eingeschalteten Kondensator C.

Die zu jeder Pumpe gehörigen beiden Ausgleichzylinder LL sind auf dem die erstere mit den Dampfzylindern verbindenden Zwischenstück derart befestigt, dass sie der Bewegung des Kreuzkopfes entsprechende Schwingungen ausführen können. Die mit Wasser angefüllten Zylinder stehen durch hohle Zapfen und Rohre mit der Hauptleitung der Pumpe in Verbindung. Ihre Plungerkolben legen sich mit den äusseren kugelförmigen Enden gegen entsprechend ausgebildete Platten des Kreuzkopfes, womit eine Verzögerung der Hauptkolbenstange während der ersten und eine Beschleunigung derselben während der zweiten Hälfte ihres Hubes erreicht wird. Die Ausgleichzylinder nehmen einen Teil der bei der Einströmperiode des Dampfes entwickelten Energie auf, um denselben während der Expansionsperiode wieder abzugeben; sie bilden gewissermassen hydraulische Federn, und verrichten den Dienst eines Schwungrades mit dem Unterschiede, dass sie anstatt des hier in betracht kommenden Trägheitsvermögens einer bewegten Masse, die Spannung der in dem Windkessel eingeschlossenen Luft nutzbar machen.

Was die Pumpenkörper anbelangt, so liegen deren Saugkammern unter den mit ihnen aus einem Stück gegossenen Zylindern. Die beiden Saugkammern jeder Pumpe sind durch ein horizontales Rohr C, welches, wie schon bemerkt, gleichzeitig den Kondensator bildet, miteinander verbunden; dieses Rohr steht durch eine einzige Oeffnung mit der Saugleitung von 760 mm lichtem Durchmesser in Verbindung.

Die Druckkammern E sind auf dem oberen Teil der Wasserzylinder mittels Schraubenbolzen befestigt und unter sich durch ein Querrohr D verbunden, welches durch eine einzige Oeffnung mit der Druckleitung von 610 mm lichtem Durchmesser kommuniziert. Ueber dem Rohr D liegt der Druckwindkessel F, ähnlich demjenigen einer jeden gewöhnlichen Pumpe.

Die Wasserzylinder B sind mittels Zwischenwandungen, durch welche die Plunger treten, in je 2 Hälften geteilt. Zur Steuerung dienen federbelastete Kautschukventile von je 120 mm Durchmesser.

Der tägliche Bedarf des aus der Seine entnommenen Wassers beträgt etwa 45000 cbm. Da eine einzige Pumpe 500 l in der Sekunde liefert, ergiebt sich die theoretische Leistung derselben unter Vernachlässigung der Reibungsverluste in den Saug- und Druckrohren bei 20,5 m Höhenunterschied zwischen den beiden Wasserspiegeln zu

und für zwei Pumpen zu 273,2 PS.

Unter Berücksichtigung der verschiedenen Verluste würde die erforderliche Leistung etwa 300 PS betragen.

Nach den an gleichartigen Maschinen angestellten Versuchen lässt sich deren Gesamtwirkungsgrad zu 0,882 – hiervon 0,90 für die Dampfmaschine und 0,98 für die Pumpe – annehmen, woraus eine effektive Leistung von

resultiert.

Mit dem gewählten Durchmesser des Plungerkolbens von 0,660 m und 0,610 m Hub ergiebt sich die Kolbengeschwindigkeit bei der Förderung von 500 l/Sek., wenn noch der Lieferungsgrad der Pumpe zu 0,98 gesetzt wird, zu

in der Minute, entsprechend einer Anzahl Doppelhübe der Pumpe von

in der Minute

Diese Geschwindigkeit lässt sich nach Belieben erheblich erhöhen oder vermindern, wobei zufolge des als Schwungrad dienenden Ausgleichwerkes der Füllungsgrad der Dampfmaschine stets derselbe bleibt.

Der Dampfverbrauch der Maschine soll ausschliesslich des Heizdampfes für die Zylindermäntel etwa 7 kg für 1 PS/Std. – gemessen in gehobenem Wasser – betragen.

In dem neben dem Maschinenraum gelegenen Kesselhaus waren 4 Dampfkessel, Type Babcock und Wilcox, aufgestellt, die stündlich 5000 kg Dampf von 11 Atm. Spannung liefern. Die nachfolgenden Beschreibungen einiger anderer bemerkenswerter Pumpen der Pariser Weltausstellung 1900 sind der 6. Lieferung des Werkes „La Mécanique à l'Exposition de 1900“ entnommen.

Zunächst verdient eine von Audemar-Guyon erfundene, mit 4 Ventilkolben arbeitende Pumpe Erwähnung. Dieselbe besteht, wie Fig. 26 und 27 erkennen lassen, aus einem mit zwei Bohrungen für die Pumpenkolben versehenen Gehäuse, welches einerseits mit dem Saugrohr, andererseits mit dem Druckrohr in Verbindung steht. Die gewölbten Deckel des Gehäuses gestatten den Durchgang der Flüssigkeit von einem Pumpenzylinder nach dem anderen.

Textabbildung Bd. 318, S. 23

Die gleichzeitig zur Steuerung dienenden und zu dem Zwecke mit rostartig durchbrochenen Ventilen ausgerüsteten Kolben sind zu je zwei auf gemeinsamer Stange befestigt. Beide, mit ihren rückwärtigen Verlängerungen in Lagern des Pumpenrahmens geführte Stangen sind an einen Kreuzkopf angeschlossen, der durch die Lenkstange einer mittels Riemen betriebenen Kurbelwelle bewegt wird.

Die Ventile des einen Pumpenzylinders (Saugseite) öffnen sich nach aussen, diejenigen des anderen Pumpenzylinders (Druckseite) nach innen.

Bewegen die Pumpenkolben sich, in der Fig. 27 ersichtlichen Stellung, nach links, so wird das vor dem geschlossenen Ventil 2 stehende Wasser durch das geöffnete Ventil 3 in das Druckrohr gefördert, gleichzeitig durch das geöffnete Ventil 1 Wasser in die Höhlung des hinteren Gehäusedeckels eingesaugt. Bei der entgegengesetzten Kolbenbewegung finden ähnliche Vorgänge statt. Das Wasser bleibt auf dem Wege vom Saugraum nach dem Druckraum in stetiger Bewegung. Da ferner jede Pumpe mit einem stehenden Windkessel ausgerüstet ist, so findet ein regelmässiger Wasserauswurf statt.

Es waren zwei derartige Pumpen verschiedener Grösse mit nachstehend gegebenen Hauptabmessuungen ausgestellt.

Grösse Pumpe Kleine Pumpe
Durchmesser der Kolben 300 mm 105 mm
Hub 200 „ 40 „
Durchmesser der Saug- und
Druckrohre

255 „

60 „
Minutliche Umdrehungszahl 55 135
Stündliche Fördermenge 170 cbm 10 cbm
Abmessungen 2,40 × 1,06 m 0,7 × 0,27 m
Gewicht 2400 kg 135 kg

Die mittlere Förderhöhe ist ungefähr 25 m.