Text-Bild-Ansicht Band 318

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Als ein sehr wesentlicher Nachteil ist die schwierige und komplizierte Seilführung und die damit zusammenhängende rasche Abnutzung der Seile zu bezeichnen. Dass das Seil in verschiedenen Richtungen gebogen wird, lässt sich schon bei der allereinfachsten Anordnung nicht vermeiden. Kompliziert wird die Seilführung in den meisten Fällen dadurch, dass die Winde unterhalb der Katzenfahrbahn steht, die Seile also nur mit Hilfe verschiedener Leitrollen nach oben geführt werden können. Die Anwendung von Ketten verbietet sich ohne weiteres, weil dieselben zu schwer sind und wegen der fehlenden Elastizität den plötzlich auftretenden Beschleunigungswiderständen gegenüber nicht die nötige Sicherheit bieten. Dieser Umstand fällt namentlich dann ins Gewicht, wenn mit Selbstgreifer gearbeitet werden soll. Deshalb lassen sich, wie es scheint, die meisten amerikanischen Firmen auf die Konstruktion von Verladebrücken mit Greiferbetrieb nur ungern ein. Die deutschen Ausführungen dieser Art, die den Greifer durch ein Seil bethätigen, weisen dagegen, soweit ich näheres in Erfahrung bringen konnte, einen sehr hohen Seilverschleiss auf. Häufig müssen die Seile nach je 3–4 Wochen Betriebszeit ausgewechselt werden, volle Beschäftigung des Kranes vorausgesetzt. Auch dadurch wird die Verwendung von G reifern erschwert, dass die Einführung eines besonderen Oeffnungsseiles die Anordnung wieder komplizierter machen würde, so dass man sich in der Regel mit einseiligen Greifern begnügt, die nur in bestimmter Höhe entleert werden können.

Natürlich ist es nicht möglich, dass der Führer die Last von seinem Standpunkt aus ebenso gut verfolgt, wie wenn er die Katze begleitet. Die Verständigung mit dem Bedienungspersonal wird schwieriger und macht unter Umständen einen Signalmann notwendig, der die Vorgänge im Schiff beobachtet und den Maschinisten verständigt, ganz ähnlich, wie es bei Bergwerksfördermaschinen üblich ist. Ist das Personal gut eingearbeitet, so geht der Betrieb in dieser Weise mit völliger Sicherheit vor sich. Dem Deutschen, der an ein solches automatenhaftes Ineinandergreifen menschlicher Thätigkeit nicht gewöhnt ist, fällt es allerdings etwas schwer, sich damit anzufreunden. Zu berücksichtigen ist auch, dass die grösste Anspannung von Körper- und Geisteskräften dazu gehört, um die Arbeit mit der erforderlichen Schnelligkeit durchzuführen. Bei dem Lohnsystem, wie es bei uns üblich ist, lassen sich aber nicht solche Leistungen von dem Personal erwarten, wie sie die amerikanische, ziemlich hohe Akkordzahlung hervorbringt.

Nach Berichten aus Amerika hat man mit Förderkübeln von ca. 1000 kg Inhalt die grössten Leistungen erzielt, doch dürfen die dortigen Erfahrungen aus den eben berührten Gründen nicht ohne weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragen werden, da die Leistungsfähigkeit der Bedienungsmannschaft eine zu bedeutende Rolle spielt. Bei so geringen Einzellasten sind natürlich grosse Arbeitsgeschwindigkeiten nötig, die sich mit diesen Kranen, wie schon hervorgehoben wurde, verhältnismässig leicht erreichen lassen.

Einzelne der hier aufgeführten Hauptgesichtspunkte werden bei Gelegenheit noch nähere Besprechung finden, zunächst soll eine Zusammenstellung der wichtigsten Systeme nach schematischen Skizzen gegeben werden.1)

Die Aufgabe, eine Last von einer festen Winde aus durch Seile oder Ketten zu heben und zu verfahren ist schon früher bei den Einmotorenlaufkranen, Giessereikranen, Ueberladekranen mit Handbetrieb u.s.w. aufgetreten und hat ihre Lösung gefunden durch die in Fig. 125 skizzierte allbekannte Anordnung. Das Hubseil ist an einem Ende des Auslegers befestigt und trägt die Last in loser Rolle, erfährt somit keine Verlängerung oder Verkürzung, wenn die Katze durch das Fahrseil verschobenwird. Bei dieser Anordnung wird der Fahr wider stand durch die Biegungswiderstände des Hubseils beträchtlich erhöht, was bei dem geringen Katzenweg der genannten Krane schon unvorteilhaft erschien, sich aber bei grosser Fahrgeschwindigkeit in ganz anderem Masse geltend macht. Dazu kommt der Umstand, dass das Hubseil durch das andauernde Biegen beim Fahren ebenso stark mitgenommen wird, wie wenn es selbst in Thätigkeit wäre. Die Anordnung nach Fig. 125 ist daher für Hochbahnkrane mit grösserer Fahrbahnlänge nicht zweckmässig. Bei kurzem Katzenweg erscheint dagegen ihre Verwendung nicht ausgeschlossen.

Textabbildung Bd. 318, S. 73

Sehr viel günstiger gestalten sich dagegen die Verhältnisse, wenn die hochgezogene Last, wie in Fig. 125 punktiert angedeutet, in die Hochbahnkatze eingehängt und so beim Fahren das Hubseil entlastet wird. Damit werden Verschleiss und Fahr wider stände bedeutend herabgesetzt, so dass diese Anordnung zu weiter Verbreitung gekommen ist. Allerdings erfordert die Laufkatze eine besondere Einrichtung, die es ermöglicht, die Unterflasche einzuhängen und durch Anziehen des Tragseiles beliebig wieder zu lösen.

Für den Betrieb ist das feste Einhängen insofern von Vorteil, als es schnelles Anfahren gestattet, ohne dass die Last allzusehr pendelt. Dagegen ist nachteilig, dass die Hubbewegung vollendet sein muss, ehe die Fahrbewegung beginnt, und dass das Einhängen sowie Auslösen immer etwas Zeit in Anspruch nehmen. Dies macht sich namentlich geltend, wenn Kohle transportiert wird, die keinen Sturz verträgt, denn man hat nur die Wahl, entweder das Material von oben fallen zu lassen, oder durch Ausklinken, Senken, Heben und Wiedereinriegeln der Last Zeit zu verlieren und die Förderleistung zu verringern. Nach Beobachtungen an einem derartigen Kran nehmen Ein- und Aushängen je 5–10 Sekunden in Anspruch, was bei dem Schnellbetrieb, auf den die Konstruktion zugeschnitten ist, einen nicht unwesentlichen Verlust bedeutet.

Textabbildung Bd. 318, S. 73

Die genannten Uebelstände vermeidet die Anordnung Fig. 126, bei der Fahrseil und Hubseil den gleichen Zug erhalten. Die beiden Trommeln sind auf den durch Stirnräder verbundenen Wellen lose laufend gedacht und können durch Reibkuppelungen einzeln oder gleichzeitig eingerückt

1)

Vergl. Kammerer, Die Lastenförderung unter dem Einfluss der Elektrotechnik. Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 1902, S. 1423 ff. Dort finden sich u.a. für die meisten der im folgenden besprochenen Anordnungen die Fahrwiderstandsdiagramme für die Katzenbewegung.