Text-Bild-Ansicht Band 318

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Um den Rücklauf genügend schnell einzuleiten, ist eine ziemlich starke Neigung des Trägers im Verhältnis von etwa 1 : 4, nötig, da das ganze Seil mitgeschleppt werden muss. Wenn die Verhältnisse eine solche Neigung unmöglich machen, – und dass wird bei grosser Fahrbahnlänge meistens der Fall sein – wird zur Beschleunigung des Rücklaufs ein an einem Flaschenzug aufgehängtes Gegengewicht benutzt, wie in Fig. 129 angedeutet.

Weniger praktisch im Gebrauch, aber einfacher in Konstruktion und Handhabung, wird diese Anordnung, wenn man an der Stelle der Fahrbahn, wo das Hakengeschirr von der Katze gelöst werden soll, einen Anschlag anbringt, Durch den Anprall beim Gegenfahren wird das Hebelwerk der Katze so verschoben, dass die Last frei wird und gleichzeitig der Anschlagbügel die Katze am Rücklauf hindert. Wird dann die Last wieder hochgezogen, so führt der Anstoss des Hakens die Hebel in ihre ursprüngliche Stellung zurück, sodass die Last festhängt und die Katze frei wird. Die Konstruktion leidet an dem Uebelstande, dass der Maschinist die Katze nicht an beliebiger Stelle festhalten kann und das Versetzen des Anschlags etwas umständlich ist.

Eine dritte Möglichkeit ist die, die Katze in ein endloses Seil einzuhängen, das über eine Bremstrommel geführt wird, und sie damit an beliebiger Stelle festzuhalten. Diese Ausführung ähnelt dem auf S. 10 d. Bd. beschriebenen Drehkran von Bleichert (vgl. auch die folgende Skizze).

Die allereinfachste Anordnung eines Hochbahnkranes, die z.B. von J. Pohlig für seinen Huntschen Elevator benutzt wird, stellt Fig. 130 dar. Der Haken ist an einer losen Rolle aufgehängt und die Fahrbahn unter etwa 30° geneigt, sodass dem in Richtung der Bahn wirkenden Seilzug ½ Q eine gleich grosse Lastkomponente entgegenwirkt, die Aufwärtsfahren der Katze verhindert. Neigt man die Bahn noch ein wenig stärker, so ist die Katze vielmehr bestrebt, bergab zu laufen. Man muss sie daher durch einen Anschlag auf der Bahn feststellen. Solange die Last gesenkt und gehoben wird, bleibt die Katze stehen und wird erst mitgenommen, wenn das Hakengeschirr beim Hochziehen darunter stösst und die Winde weiterläuft. Gesenkt werden kann die Last nur dann, wenn die Katze sich gegen den Anschlag stützt. Diese Stellung ist in der Figur gezeichnet.

Einen Träger von grösserer Länge unter der Neigung von 30° zu verlegen, wird natürlich nur in den seltensten Fällen möglich sein, und Pohlig benutzt daher den Elevator in der Regel nur dazu, die Kohle aus dem Schiff ans Ufer zu fördern und in einen Füllrumpf zu schütten, von wo automatische Bahnen oder andere Transportmittel die Weiterbeförderung übernehmen.

Ihre ausserordentliche Einfachheit hat der Konstruktion grosse Verbreitung verschafft. Bei Verladung von Kohle auf Lagerplätze ist indessen die Umladung und vor allem der Sturz von dem Wagen der automatischen Bahn auf den Lagerplatz dem Material schädlich, sofern es sich um stückige Kohle handelt, in anderen Fällen kann die Staubentwickelung unangenehm sein. Für solche Fälle empfiehlt deshalb Pohlig seine nach Fig. 127 angeordnete Verladebrücke.

Textabbildung Bd. 318, S. 75
Textabbildung Bd. 318, S. 75

Wenn man mit einfachem Seil, ohne lose Rolle, arbeiten will, wie es bei Greiferbetrieb erwünscht sein kann, so lässt sich das Seil nicht mehr parallel der Bahn führen. Setzt man die Winde jetzt etwa in den Punkt A (Fig. 131), so ergiebt sich aus der Bedingung, dass sich die Komponenten in Richtung der Bahn aufheben, oder was dasselbe heisst, die Resultierende senkrecht zur Bahn stehen soll, eine Kurve bestimmter Form. Wie aus Fig. 131 leicht ersichtlich, ist dies eine Parabel mit A als Brennpunkt. Wegen der grösseren Steigung verwendet Pohlig indessen diesen parabolischen Ausleger nur in seltenen Fällen.

Falls bei der Anordnung Fig. 130 die Möglichkeit gegeben werden soll, die Katze an beliebiger Stelle festzuhalten, so kann dies, wie punktiert angedeutet, durch Einschalten eines über eine Bremstrommel geführten endlosen Seiles geschehen.

(Fortsetzung folgt.)

Zusammenhang zwischen der kinetischen und der Vibrations-Theorie der Gase.

Von Rudolf Mewes, Ingenieur und Physiker.

(Fortsetzung und Schluss von S. 45 d. Bd.)

III.

Am eingehendsten und genauesten ist die kinetische Gastheorie an der Hand der Versuche über die Reibung der Gase geprüft worden, so dass gerade bei dieser Frage die kinetische und die Vibrationstheorie der Gase sich besonders scharf einander gegenüberstellen und abgrenzen lassen. Da jedoch die Versuche, welche von Ingenieuren wie Weisbach, Hagen u.a. über die Reibung angestellt worden sind, nicht nach ausreichend genauen Messmethoden ausgeführt sind, so können für den vorliegenden Zweck in erster Linie nur die rein physikalischen Versuche von Maxwell, O. E. Meyer, Kundt und Warburg über die Reibung der Gase benutzt werden.

Bei der Reibung hat man es ausser mit den äusseren Druckkräften, welche auf zwei sich aneinander vorbei bewegende Flüssigkeitsschichten pressen, noch mit den inneren Zugkräften zu thun, welche von der Adhäsion undKohäsion herrühren, d.h. also mit den subtilen Aeusserungen der zwischen den kleinsten Körperteilchen wirksamen Molekularkräfte. Will man daher einen sicheren und klaren Aufschluss über das Wesen der Reibung erhalten, so muss man vor allen Dingen eingehend über die Gesetze der Molekularphysik unterrichtet sein. Bevor ich jedoch von diesem Standpunkte aus die Reibungsgesetze darzulegen versuche, möchte ich nach dem oben angeführten Buche von O. E. Meyer die übliche Auffassung über das Wesen der inneren und äusseren Reibung kennzeichnen.

„Mit dem Namen der inneren Reibung hat Newton (Philosophiae naturalis principia mathematica, 1687, Liber II, sectio IX) eine Eigenschaft der flüssigen Medien bezeichnet, welche auch Viscosität oder Zähigkeit genannt wird. Diese Eigenschaft äussert sich in Erscheinungen, welche man – und zwar bei tropfbaren Flüssigkeiten vielleicht nicht mit