Text-Bild-Ansicht Band 318

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durch P1 zugeführte Pressluft in die Pfeife und den Glaskörper eintritt. Die Feder x hebt nach vollendeter Blasarbeit die Düse S wieder an. Dass die Zeitersparnis mit dieser Vorrichtung nicht erheblich sein kann, leuchtet ohne weiteres ein, da letztere im Grunde nichts weiter ist, als das vorher längst bekannte Formtretwerk, vereinigt mit der Pressluftzuführung. Man kann daher wohl sagen, dass diese Maschinenart erst praktisch brauchbar wurde, als der Amerikaner Owens 1894 sie für mehrfache Wirkung einrichtete (am. Pat. 534840). Wir übergehen die erste etwas primitive, aber schon alle wesentlichen Merkmale des Typus aufweisende Erscheinungsform dieser Maschine, da sie bald durch eine besser durchdachte desselben Erfinders ersetzt wurde, die auch in Deutschland Owens und Libbey geschützt wurde. (D. R.-P. 91512, am. Pat. 548588.) P (Fig. 2) sind die Glasbläserpfeifen, welche mit Glas beschickt in die Presluftdüsen Q3 eingesteckt werden, sodass das Külbel am unteren Pfeifenende von der zugehörigen Form J umschlossen werden kann. Dabei wird die Pfeife am Knauf 26 von einer Gabel am Arm N gehalten. Die Pressluft wird durch die Leitung t, den oberen hohlen Teil der Welle B und den Arm Q zur Düse Q3 geführt, Mehrere Sätze der bisher beschriebenen Teile, hier z.B. vier, sind an der sich drehenden Welle B so angeordnet, dass sie im Kreise umlaufen und dass die Arbeitsbewegungen der Blasevorrichtungen während des Kreislaufs selbstthätig erfolgen. Links wird die mit Glas beschickte Pfeife eingehängt, worauf eine exzentrische Anlaufschiene b2 das Schliessen der Form G veranlasst und eine Anlaufschiene T das Ventil U1 öffnet, welches den Durchgang der Pressluft von dem Arm Q nach Q3 beherrscht. Hierdurch erfolgt das Aufblasen des Glaskörpers, während die Form Vorrichtung den hinteren Halbkreis durchläuft, Gleichzeitig erfährt die Düse Q3, welche drehbar in der Muffe Q2 steckt, durch Abwälzen des Zahnrades oder der Reibungsrolle R an der Fläche S Umdrehung, sodass auch Pfeife und Glaskörper in der Form J gedreht werden. Rechts angekommen, wird die Form durch die Anlaufschiene n geöffnet. Der Formträger H, welcher bei d an der Achse B angelenkt ist und mit einer Rolle k auf der Bahn m läuft, gleitet nun auf einer Senkung von m so nieder, dass die Form J in den Wassertrog A eingetaucht und abgekühlt wird. Während dessen ist in den drei anderen Blasevorrichtungen der Reihe nach je ein Werkstück in Arbeit genommen.

Die Fertigblasemaschinen sind im späteren vielfach abgeändert und verbessert worden, und zwar in erster Linie durch die schon genannten Erfinder, denen sich neuerdings noch der Amerikaner Colburn mit einer Reihe neuer Konstruktionen angeschlossen hat. Die Verbesserungen beziehen sich einmal auf die Luftzuführung, welche man der Art des Blasens durch den Glasbläser feiner anzupassen sucht, indem man die Pressluft nicht in gleichmässigem Strom, sondern in abgestufter Weise zuführt, Ferner hat man die Vielzahl der Sätze von Blasevorrichtungen in verschiedener Weise zu einer mehrfachen Maschine zusammen geordnet, Originell ist eine neuere Konstruktion von Colburn (amerik. Patent 620642 von 1899, D. R.-P. 120423 von 1901), bei welcher alle einzelnen Arbeitsvorgänge aufs Genaueste der besonderen Art des herzustellenden Glasgegenstandes angepasst werden können.

Die Maschine (Fig. 3) ist auf einem fahrbaren Gestell aufgebaut, welches vom Motor a fortbewegt und dabei mit dem Handrad b gesteuert werden kann. Infolge der oblongen Gestalt des Gestells können mehrere Maschinen, ohne sich zu hindern, vor nebeneinanderliegenden Ofenplätzen aufgestellt werden. Das Ende, an welchem die Pfeife mit dem fertig bearbeiteten Külbel c eingehängt wird, ist dem Ofen zugekehrt, am äusseren Ende wird die fertige Flasche d entnommen. Ihre Fertigstellung vollzieht sich während der Fortbewegung der Blase- und Formmechanismen von c nach d. Es laufen nämlich auf endlosen Geleisen der Plattformen e und f Wagen g um, welche durch Stangen h paarweise verbunden und vom Motor a durch Seil triebe i, k in Umlauf versetzt werden. Die unteren Wagen g tragen rasch kreisende Schablonen v, welche zusammen mit dem Formboden w die Form des sich ausdehnenden Glaskörpers begrenzen; unter dem Einfluss einer den unteren Geleisen parallelen Anlaufschiene weichen sie auf der Fahrt von c nach d und während desKreisens vor dem sich allmählich aufblasenden Glaskörper zurück.

Von der sich drehenden Welle x aus. wird den oberen Wagen durch Schläuche l Pressluft und durch mit l verbundene Leiter elektrische Energie zugeführt. Die Pressluft wird den Muffen m zugeführt, welche das obere Ende der Pfeifen y aufnehmen; der Pressluftstrom wird durch ein bei c und d mittels Anschlags selbstthätig geöffnetes und geschlossenes Ventil beherrscht. Die elektrische Energie wird dem Motor n zugeführt, welcher die Pfeifenmuffe m unmittelbar und die Schablonen auf dem unteren Wagen durch die Achse o dreht. Längs des oberen Geleises laufen drei Anlaufschienen, von denen die eine p den Rheostaten q steuert und dadurch die Umdrehungsgeschwindigkeit des Motors, also auch des Glaskörpers und der Schablonen (gegensinnig zum Glaskörper kreisend) in geeigneter Weise während eines Blas Vorganges ändert. Die zweite Anlaufschiene hebt die Muffe m nebst Pfeife allmählich an, da der Glaskörper während des Blasens auch in der Länge wächst. Die dritte Anlaufschiene endlich steuert ein Entlastungsventil, welches einen bemessenen Teil der Pressluft aus der Muffe m zu entlassen gestattet, sodass der Druck der dem Glaskörper zuströmenden Pressluft geändert werden kann, in gleicher Weise, wie der mit dem Munde blasende Glasmacher in gewissen Fällen stossweise oder mit sonst abgestufter Kraft bläst. Alle Anlaufschienen sind leicht auszuwechseln, falls ein anderer Gegenstand geblasen werden soll, welcher abweichende Steuerungen erfordert. Die leeren Wagen durchlaufen einen Tunnel r, in welchem sie durch einen Wasserregen gekühlt weiden. Der Kühlwasserbehälter s wird durch eine Pumpe t fortlaufend aus dem Sumpf u gespeist.

Textabbildung Bd. 318, S. 106

Von Colburn rühren auch neuere Konstruktionen von Maschinen mit einfacher Wirkung her, sowie solche, bei denen mehrere Einzelmaschinen mit gemeinschaftlichem Antrieb, aber besonderer Ausrückung in Reihe zu einer mehrfachen Maschine zusammen geordnet sind, die also von je einem vor und hinter der Keine hin- und hergehenden Arbeiter beschickt bezw. entleert werden. Fig. 4 zeigt nach der Zeitschrift Scientific American (Jahrg. 1902) eine im Betriebe befindliche Maschine der in der Patentschrift 91512 beschriebenen Art. Aus dem Umstände, dass die englischen (und deutschen) Patente für die neueren Colburnschen Maschinen von einer englischen Gesellschaft, Automatic Glass Blowing Patents Syndicate in West Bromwich, genommen wurden, scheint hervorzugehen, dass auch in England die Einführung dieser Maschinen in die Praxis ins Werk gesetzt ist oder werden soll. In Deutschland scheint ein mehr als versuchsweiser Gebrauch nicht stattgefunden zu haben.