Text-Bild-Ansicht Band 318

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Wegen der niederen Arbeitslöhne dürfte der in Deutschland bestenfalls mögliche Gewinn kein so beträchtlicher werden wie in Amerika. Dies hängt mit dem Wesen der Fertigblasemaschinen eng zusammen, dass sie eben nur den letzten und kürzeren Teil der Blasearbeit übernehmen können.

Textabbildung Bd. 318, S. 107

Anders bei der zweiten Gruppe von Maschinen, den Press- und Blasemaschinen, welche den Glaskörper aus der geschmolzenen, noch formlosen Glasmasse unmittelbar herstellen, allerdings in einer von der Mundbläserei weit abweichenden Weise. Die gesamte Handarbeit bis zur Gewinnung des zum Aufblasen fertigen Külbels wird durch einen Pressvorgang ersetzt; das gepresste Külbel, wenn man diese Bezeichnung auf den Zwischenkörper anwenden darf, wird an der Mündung durch einen Deckel, Stempel oder dergl. mit Pressluftzuführung abgeschlossen und nun das gepresste Külbel in die durch eine Fertigform vorgestellte vollendete Gestalt aufgeblasen. Dies der G rundgedanke aller Press- und Blasemaschinen, welcher sich, wie man sieht, aus einer älteren Arbeitsweise, dem Glaspressen entwickelt hat. Einer der frühes ten, wenn nicht der erste in der Litteratur niedergelegte Versuch einer solchen Maschine ist die in der amerikanischen Patentschrift 139993 von 1873 beschriebene Maschine der Amerikaner James S. und Thomas B. Atterbury in Pittsburg, der man die Abstammung von der Glaspresse noch anzusehen vermeint. Fig. 5 zeigt die Anordnung für Herstellung eines Kruges mit Henkel. In die Fertigform A wird ein falscher Boden B von unten eingeschoben, welcher den Halsteil der Form unten abschliesst. In den so gebildeten Raum wird geschmolzenes Glas x eingebracht, der übliche Pressring C aufgesetzt und durch dessen Oeffnung der Pressstempel D niedergeführt, sodass Hals und Henkel des Kruges gebildet und das überschüssige Glas an dem Zwischenkörper einen dicken Boden bildet. Darauf wird der Boden B entfernt und jener Glasboden in der Form A zum Bauch des Kruges ausgeblasen, was aber, wie noch später begreiflich werden wird, praktisch nur schwierig auszuführen ist.

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Einen Schritt weiter thut Arbogast, ebenfalls in Pittsburg 1881 (amerik. Patent 260819), indem er das Pressen in derForm A vornimmt (vergl. Fig. 6), danach diese Form und den Pressstempel C entfernt und den nunmehr frei in der Halsform B hängenden Zwischenkörper mit einer besonderen Fertigform umschliesst, auf die obere Mündung einen Blasestempel aufsetzt und mit der durch letzteren zugeführten Pressluft den Zwischenkörper aufbläst. Der Fortschritt liegt darin, dass der Glaskörper durch den Press Vorgang bereits seiner ganzen endgiltigen Erstreckung nach so weit vorgebildet wird, dass die durch Blasen zu bewirkende Volumenzunahme eine möglichst geringe und nach allen drei Richtungen möglichst gleiche ist oder sich in der Hauptsache auf die ausladenden Teile des fertigen Glasgefässes beschränken kann. Da die Pressluft auf alle Teile der durch Pressen hergestellten Külbel w a n d mit gleicher Kraft wirkt, wird die an jeder Stelle erzielte Ausdehnung von dem Zähigkeits- bezw. Temperaturgrade der Glaswandung abhängen. Es ist klar, dass eine gleichmässige Wärmeverteilung um so leichter eintreten wird, je geringer und je gleichmässiger die durch Pressen hergestellte Dicke der Glaswandung ist und dass eine ungleichmässige Ausdehnung umsoweniger zur Entstehung dünner Wandstellen in dem die Fertigform ausfüllenden Glaskörper führen kann, je geringer der Betrag der Ausdehnung beim Blasen überhaupt ist. Zu beachten ist bei dem Arbogastschen Vorschlag noch die Trennung von Kopf- und Körperform, welche für eine grosse Anzahl späterer Konstruktionen typisch geworden ist. An der Kopfform wird der Zwischenkörper während des Austausches der Körperformen gehalten. Diese Anordnung einer besonderen Kopfform führt immerhin zu Mehrarbeit bei der Bedienung, und bei rasch arbeitenden Maschinen mit mehrfacher Wirkung zu einer Verwickelung des Baues, indem ausser der Press- und Blaseform noch eine dritte, nötigenfalls in vielfacher Anzahl an einer Maschine anzuordnen, fortzubewegen, zu öffnen und zu schliessen ist u.s.f.

Eine Unzahl von Varianten beziehen sich auf die möglichst zweckmässige und handliche Zusammenordnung dieser drei Formen mit Press- und Blasewerkzeugen. Aber gerade die verbreitetsten Systeme weisen eine andere, von dem Engländer Windmill (brit. Patentschrift 8526 v. J. 1886) vorgeschlagene Einrichtung auf (Fig. 7). Die Pressform a ist von unten in die Fertigform b eingeschoben, deren oberer Rand in einer Nut l2 den Kopf des entstehenden Glaskörpers aufnimmt. Nachdem die Pressform von oben mit geschmolzenem Glase beschickt, durch Niederdrücken des Stempels k die Pressung vollzogen und der Stempel wieder entfernt ist, wird die Pressform durch den Handhebel d nach unten aus der Fertigform herausbewegt, in welcher nun der gepresste Glassack