Text-Bild-Ansicht Band 318

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der Form ganz oder teilweise entfernt werden und nach dem Einfüllen des Glases in die untere Hälfte wieder aufgesetzt werden muss, dabei aber fugenlos anschliessen soll.

Textabbildung Bd. 318, S. 155
Textabbildung Bd. 318, S. 155
Textabbildung Bd. 318, S. 155

Dieser Uebelstand wurde durch einen glücklichen Gedanken der Engländer Arnall und Ashley (britische Patentschrift, 8677 v. J. 1886) überwunden, indem sie die Webersche Anordnung auf den Kopf stellten, a (Fig. 11) ist eine auf dem Kopf stehende Flaschenform, h die Pressluftdüse, verschlossen durch ein Knopfventil g, d ein Stempel. Das in die Form eingefüllte zähe Glas wird mit dem Stempel ä in den den Kopfteil der Flasche bildenden Raum zwischen h und a eingedrückt und dann durch die bei h eingeführte Pressluft aufgeblasen, wobei der Stempel d wieder emporgetrieben wird und den Boden der Fertigform bildet. Ashley, der sich von 1886 ab, wie zahlreiche Patente beweisen, lebhaft mit der Flaschenblasemaschine beschäftigte, fügte 1889 der neu entstandenen Maschinenart jenes Glied hinzu, welches Arbogast für die Press- und Blasemaschine einführte, nämlich die von der Fertigblaseform getrennte Vor form, in der Weise, dass beide Formen an eine getrennte Kopfform anschliessen, an welcher der Glaskörper während des Austausches der Körperformen hängt. Hierdurch wurden die schon früher auseinandergesetzten Vorteile, auch der Flaschenblasemaschine, wenigstens soweit gesichert, als es die enge Halsöffnung des Glaskörpers erlaubte. Diese Ashleysche Maschine ist in Fig. 12a und b, in einer einfachen Ausführung mit einfacher Wirkung dargestellt, doch machte Ashley gleichzeitig (britische Patentschrift 3673 v. J. 1889, deutsche Patentschrift 52208 von 1890) sehr eingehende Vorschläge für eine Maschine mit motorischem Antrieb, mit mehreren abwechselnd zu benützenden Formsätzen. Um eine hohle wagerechte Achse a ist derFormhalter b drehbar, an welchem in Schlitzführungen die Hälften (c) der geteilten Kopfform und der geteilten Vorform m verschiebbar befestigt sind. In dem die Kopfform abschliessenden Futter e ist ein hohler Dorn f verschiebbar, durch den Pressluft in die Form eingeblasen werden kann. In der Stellung 12 a wird Glas in die Form m eingegeben, darauf von Hand der Dorn f emporgestossen und unter Einlass von ein wenig Luft wieder zurückgezogen, so dass in dem schon ein wenig zäh gewordenen Glase ein innerer Kanal zurückbleibt. Nun werden der Formträger b um 180 gedreht, und die Vorformhälften auseinander geschoben, so dass an der Kopfform ein Glaskörper von der in Fig. 12b mit x bezeichneten Gestalt, das Külbel, frei hängt. Man lässt es unter seinem eignen Gewicht sich etwas in die Länge ziehen, wobei bereits ein wenig Pressluft eingelassen werden kann, und schliesst, wenn das Külbel zum Ausblasen geeignet erscheint, die durch den Tritthebel g angehobene Fertigform mit dem Handhebel h um das Külbel, worauf es durch Einblasen von Pressluft zur Gestalt von aufgeblasen wird. Die eben beschriebene Maschine hat ausser der bereits erwähnten noch eine in der weiteren Entwickelung der Flaschenblasemaschine beibehaltene Eigentümlichkeit, bestehend in dem in die Glasmasse vorschiebbaren Dorn, an Stelle der bei den ersten Versuchen angewendeten, un verschiebbar in die Kopfform hineinragenden Düse.

Die Ashleysche Flaschenblasemaschine ist für alle späteren vorbildlich geworden. Die Pressarbeit ist bei ihnen nebensächlich, sie bezweckt nur das Eindrücken des Glases in die enge Kopfform, wird aber meist ganz weg gelassen, und das Glas, welches natürlich genügend dünnflüssig sein muss, in die Vorform eingegossen. Man könnte also diese Maschinen, bei denen das Glas in eine umgekehrte Vorform eingegossen wird und in einer an die Vorform anschliessenden Kopfform mit darin liegender Düse oder Dorn von geringem Durchmesser die Gestalt eines Flaschenkopfes mit innerer Höhlung annimmt, an welchem die übrige Glasmasse aufgehängt und in einer Fertigform aufgeblasen wird, als Giess- und Blasemaschinen, im Gegensatz zu den Press- und Blasemaschinen, zusammenfassen. In Ansehung ihres Anwendungsgebietes sind sie als Flaschenblasemaschinen, genauer als Maschinen zum Blasen engmundiger Hohlgefässe zu bezeichnen.

Die Versuche mit diesen ersten Maschinen zeigten aber, dass ihnen noch ein erheblicher Mangel innewohnte, der aus dem Umstand entspringt, dass das in der Vorform erhaltene Külbel zu dickwandig ist und daher in dem Augenblick, wo es in der Fertigform aufgeblasen werden soll, noch zu ungleich in der Temperatur und Zähigkeit ist, um eine brauchbare Flasche zu liefern. Das Glas im Innern des Külbels ist mit den abkühlenden Wänden der Vorform nicht in Berührung gekommen und ist noch erheblich weicher, als die äusseren seitlichen Schichten. Beim Blasen dringt deshalb die Pressluft in der Längsachse des Külbels so rasch vor, dass der Boden der fertigen Flasche entweder zu dünn wird oder ganz durchgeblasen wird. Ashley versucht diesem Uebelstande dadurch zu begegnen (britische Patentschrift 11288 v. J. 1889, deutsche Patentschrift 61149), dass er gegen das frei an der Kopfform hängende Külbel von unten her eine wagerechte Platte andrückt unter gleichzeitigem Einblasen von etwas Pressluft. Er sucht hierdurch die Ausdehnung nach unten zu begrenzen und die nach der Seite zu fördern. Aber auch hierbei findet die Pressluft noch einen unerwünschten Weg, indem sie das weiche Glas zwischen den steiferen Seitenwänden des Külbels und der Platte rascher vor sich hertreibt, als nach anderen Richtungen. Auch die Glastechniker Boucher in Cognac und Grote in London, welche einige Jahre später sich um die Flaschenblasemaschine bemühen, kommen in ihren ersten Patenten (14258 v. J. 1897 und 12392 v. J. 1897) über die Ashley sehe Platte nicht hinaus. Erst im Jahre 1898 machen Grote und Boucher anscheinend fast gleichzeitig (das betreffende britische Patent Grote s, 14 539 v. J. 1898, ist am 1. VII., dasjenige Boucher s, 27 062 v. J. 1898 am 22. XII. angemeldet) einen neuen brauchbareren Vorschlag, indem sie den Boden des hängenden Külbels nach oder unter teilweisem Aufblasen mit einer konkaven, kuglig oder ähnlich gekrümmten Fläche, in Berührung bringen. Dadurch entziehen sie dem unteren Teil des Külbels, in welchem, besonders im Augenblick des Aufblasens, das weiche Glas aus dem Innern zu Tage tritt, soviel Wärme, dass es