Text-Bild-Ansicht Band 318

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an Zähigkeit den oberen Seitenwandungen gleich wird und sich in der Fertigform gleichmässig ausdehnt. Boucher giebt seinem Werkzeug die Gestalt einer topfartigen Form a (Fig. 13) mit kugligem Boden, welche so an der Maschine angeordnet ist, dass sie von unten gegen das Külbel c angehoben werden kann, aber bei kleineren Ausführungen auch mit der Hand gehalten und bewegt werden kann. Grote wendet einen halbkugeligen Löffel b an (Fig. 14), der mit der

Hand gehalten und um den Boden des Külbels bewegt wird. Beiden ist es sonach möglich, nicht wie Ashley nur den Boden, sondern auch die seitlichen Teile der unteren Külbelwölbung zu bearbeiten, bis dahin, wo die schon durch die Vorform abgekühlte Külbelwand beginnt.

Textabbildung Bd. 318, S. 156
Textabbildung Bd. 318, S. 156

Boucher hat Zweck und Wirkung seiner Erfindung besonders klar in der Patentschrift auseinandergesetzt. Er vergleicht den Zweck seines Werkzeuges sehr treffend mit dem der Motze bei der Handbläserei. Hier wie dort ist der Zweck der rohen, in Temperatur und Zähigkeit ihrer Wandung noch ungleichmässigen Glaskugel, eine zum gleichmassigen Ausblasen geeignete Beschaffenheit und Gestalt zu geben. Auch bei der Motze wird die Wärmeentziehung an den zu heissen oder zu dünnen Stellen eine Rolle spielen, wenn auch in geringerem Grade, als bei der Zwischenbearbeitung des Maschinenkülbels. Denn bei diesem muss, wie schon auseinandergesetzt, die Werteilung der Wärme und Zähigkeit eine ganz andere und ungleichmässigere sein, wie bei dem durch Mundblasen hergestellten. Dass der Gedanke, der Glasblasemaschine ein der Motz entsprechendes Glied anzufügen, ein glücklicher war, dafür spricht schon der Umstand, dass sich alle in gleicher Richtung arbeitenden Erfinder beeilt haben, ihn aufzunehmen, so dass sich von den Griess- und Blasemaschinen eine, jüngste Familie abgezweigt hat, welche man die der Motz- und Blasemaschinen nennen könnte. Es konnte nun vielleicht scheinen, als ob für einen Glastechniker, der bei der Arbeit mit der Flaschenblasemaschine aut die oben dargelegten Schwierigkeiten stiess, der Gedanke, zu der ihm so bekannten Motze zu greifen, so nahe lag, dass von einer besonderen technischen Leistung nicht die Rede sein kann. Indessen giebt hierbei die Thatsache zu denken, dass die Schwierigkeit einer guten Külbelbildung zwar bereits 1887 oder sogar 1876 auftauchte, alter das Mittel zur Abhilfe erst 1898 gefunden wurde, und dass es auch von Boucher undGrote, wie gezeigt, erst nach längerem Suchen gefunden wurde, obgleich beide mitten im Glashüttenbetriebe stehen. Es dürfte eben auch hier die klare Erkenntnis von der Natur des zu bekämpfenden Uebels erst aus dem als wirksam befundenen Mittel entsprungen sein. Denjenigen aber, denen diese keineswegs leicht zu gewinnende Erkenntnis noch fehlte, dürfte das wirksame Mittel keineswegs so nahe gelegen haben wie es uns scheinen mag, denen die Erkenntnis zugleich mit dem Mittel gebracht wird.

Textabbildung Bd. 318, S. 156

Fig. 15 giebt eine schematische Darstellung, die Fig. 16 und 17 Abbildungen nach der Natur der neuesten Form der Groteschen Glasblasemaschine. Sie zeigt den Typus der Giess- und Blasemaschine in einer durch Vervollkommnung im einzelnen fortgeschrittenen Form. Fig. 16 zeigt die Anfangsstellung der Maschine, in welcher die Kopfform a, (Fig. 15) Körperform b (deren Hälften an Armen c hängen) und der Dorn d durch Drehen der Scheibe e um 180° in einer Lage stehen, umgekehrt wie in Fig. 15. Das Glas wird in dieser Stellung über d eingegossen, sodass dass es in die Form und zwar auch in die Kopfform hinabfliesst. Darauf wird der Dorn in die Glasmasse emporgestossen, dabei ein wenig Luft eingeblasen (welche durch einen bei g aufzusteckenden Schlauch zugeführt wird) und nun die Scheibe e in die Stellung Fig. 15 gedreht. Dann wird der Vorformverschluss geöffnet, wobei die Vorformhälften b unter Federwirkung so weit hochklappen (Fig. 17 S. 158), dass sie die weitere Arbeit nicht behindern. Zur Vermeidung des Klemmens der Vorformhälften an der geschlossen bleibenden Kopfform sind die Sitzflächen nach aussen geschrägt (bei i, Fig. 15). Die Achsen, um welche die Kopfformhälften schwingen, sind derart schräg gestellt, dass sich diese Hälften beim Oeffnen etwas aufwärts bewegen. Darauf wird der Boden des frei an der Kopfform hängenden Külbels mit dem Löffel (Fig. 14) bearbeitet, die Fertigformhälften h (punktierte Zeichnung) darumgelegt und das Blasen beendet. Wird nun auch die Kopfform geöffnet, so schnellt das Düsenende, welches bis dahin von der Kopfform mittels Wulst und Nut niedergehalten war, unter Federwirkung so weit nach oben, dass die fertige Flasche y in der Fertigform stehend durch Drehen des Tisches n nach der Hinterseite der Maschine befördert werden und dort abgenommen werden kann, während eine zweite Fertigform h1 nach vorn kommt. Die Fertigform hat ein auswechselbares Futter und einen einstellbaren Boden, so dass die Maschine leicht den verschiedensten Flaschengrössen angepasst werden kann.

Auch die Maschine von Boucher (vergl. Fig. 13 und Fig. 18) ist eine Giess- und Blasemaschine und im engeren Sinne eine Motz- und Blasemaschine. Im Anfang der Arbeit steht der Träger b, welcher sich um die hohle Achse d dreht, umgekehrt wie in der Figur 13. Die Hälften e der Vorform werden geschlossen und das Glas von oben eingegeben, welches bis in die die Halsform unten abschliessende Kopfform f (Fig. 18) hinabläuft und dort die endgiltige Gestalt des Flaschenmundstücks annimmt. Die Mündung von f, durch welche später die durch die Achse d (Fig. 13) zugeführte Pressluft eintreten soll, ist noch durch den Dorn g verschlossen, welcher aber beim Umkehren der Vor form um 180° durch den Exzenter h (Fig. 13) so weit zurückgezogen wird, dass nach Oeffnen eines Hahnes die Pressluft ein vorläufiges Aufblasen des Külbels c bewirken kann. Dann folgt die Bearbeitung von c mit der motzenähnlichen Halbform a, das Einschliessen des Külbels in der Fertigform l (deren Hälften um Achse h schwingen), das Anheben der Bodenform i und das Fertigblasen. Nötigenfalls kann noch mit dem Sticher k der Flaschenboden eingestülpt werden. Fig. 19 zeigt eine auf der Pariser Weltausstellung aufgestellt gewesene Sammlung