Text-Bild-Ansicht Band 318

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von Flaschenmustern, die mit der Maschine von Boutcher hergestellt werden.

Auch von den Flaschenblasemaschinen liegt eine Anzahl verschiedener Konstruktionen vor, die sich meist mit der besonders handlichen Anordnung der Formen, und mit der Einrichtung der die Kopfform abschliessenden Düse beschäftigen. Die Düse ist entweder in die Kopfform vorgezogen, sodass sie den Formkern für die Flaschenmündung bildet, und dann entweder durch ein Knopfventil oder einen zurückziehbaren Dorn (vergl. Fig. 18) verschlossen, oder der Dorn ist vorschiebbar, sodass er ein Loch in die Glasmasse einsticht (vergl. Fig. 12a und 12b). In letzterem Falle ist der Dorn entweder hohl, um die Pressluft durch sein Inneres zuzuführen (vergl. Am. P. 447452) oder wie bei der Groteschen Maschine so in der Düse gelagert, dass die Pressluft zwischen Düse und Dorn durchtritt. Die Fig. 20 und 21 zeigen die sinnreiche Grotesche Einrichtung (D. R. P. 123657). a ist die Vorform, b die Kopfform, welche mit der Nut c die (ev. zurückfedernde) Düsenmündung d festhält. Der Düsenkanal e ist rund, der Dorn f quadratisch, den Abschluss beider gegen das geschmolzene Glas besorgt ein irisblendenartiger Verschluss g, der sich unter Federwirkung zu schliessen bestrebt ist, aber den Dorn in die Glasmasse hindurchtreten lässt. Der Dorn wird während des Eindringens gedreht, seine kantige Gestalt ermöglicht, dass während des Drehens Pressluft sich längs der Dornflächen bewegt und das Glas um die Bohrung am. Zusammenschliessen hindert.

Textabbildung Bd. 318, S. 157

Der Gedanke, bei der Arbeit mit der Giess- und Blasemaschine einen der Motzarbeit entsprechenden Vorgang einzuschalten, ist von späteren Erfindern in der Richtung weiter ausgebildet worden, dass er noch ähnlicher der Handarbeit gestaltet wurde. So ist z.B. bei einer von Severin herrührenden Maschine (D. R. P. 127298) die Einrichtung so getroffen, dass nicht nur der Bodenteil des Külbels a (Fig. 22), sondern fast die ganze Umfläche in der Motze b unter Drehung bearbeitet werden kann. Die Kopfform c ist zu diesem Zweck in der Platte d drehbar gelagert. Die Platte d selbst kann um eine im Gestell e gehaltene Achse f schwingen. Bei jeder Lage der Platte d kann die Kopfform c durch die hohle Achse f Pressluft und von der Scheibe g aus unter Vermittelung der Kegelräder h, i, k Drehung erhalten. Wenn die Kopfform an die Giessform l anschliesst, wird das geschmolzene Glas in beide eingegossen, darauf l geöffnet und die Platte d um etwa 90° geschwungen. Nun folgt das Motzen unter Drehen der Kopfform, sowie unter wechselndem Neigen der Platte d und entsprechendem Heben und Senken der Motze b. Eine weitere Drehung der Platte d um etwa 90° bringt das Külbel in solche Lage, dass es in die Fertigförm m eingeschlossen und unter Drehung (wenneine „gedrehte Flasche“ gewünscht wird) aufgeblasen Werden kann.

Es scheint einleuchtend, dass diese weitere Annäherung an die Handarbeit eine Verbesserung der erzeugten Flaschen mit sich bringen wird. Nur dass sie sich von dem Hauptziel der ganzen Blasemaschinenentwicklung, Beschleunigung der Arbeit zu entfernen scheint. Dass die neueren Giess- und Blasemaschinen brauchbare Flaschen liefern können, ist nicht mehr zu bezweifeln; die weitere Entwicklung muss auf Erhöhung der zu leistenden Stückzahl gerichtet sein.

Grotesche Maschinen und deren Erzeugnis sind z.B. in Bayern im Gebrauch. Ueber ihre Leistung liegen Angaben von Fachmännern vor, welche sich allerdings auf eine andere, als die oben gezeigte Maschine beziehen. Bei dieser älteren Konstruktion sind zwei Maschinen gewissermassen zu einer Doppelmaschine vereinigt. Mit dieser Maschine liefern vier Mann, die keine gelernten Glasbläser zu sein brauchen, an einem Tag etwa 2200 ½ Literflaschen. In derselben Zeit liefern vier Glasbläser 1400 ½ Literflaschen. Dass die Flaschenblasemaschine ein reiches Feld der Betätigung findet, mag aus dem Umstand hervorgehen, dass die Flaschenerzeugung Deutschlands auf eine Milliarde, die der ganzen Welt auf fast 3 Milliarden geschätzt wird. Vielleicht ist ein kühn aussehender Vorschlag Severius (D. R. P. 136895) geeignet, eine Beschleunigung der Flaschenmaschinenarbeit herbeizuführen. Um die früher auseinandergesetzte ungleiche Wärmeverteilung im Külbel von vornherein möglichst zu unterdrücken, öffnet Severin bald nach dem Eingiessen des Glases, jedenfalls aber bevor die die Kopfform b (Fig. 23) tragende Welle c gedreht worden ist, die Giessform a, sodass das Külbel frei nach oben steht und bei der kurzen Berührung mit der heissen Giessform nur wenig von seiner Homogenität verloren hat. Durch seine eigene Schwere und durch Einlassen von Pressluft nimmt es Kugelgestalt an, welche beim Niederschwingen in die hängende Stellung in eine schlauchförmige zum Aufblasen in der Fertigform d sehr geeignete Gestalt übergeht. Vor- und Fertigform bleiben am Ort, dazwischen liegt die kippbare Kopfform.

Natürlich wird eine möglichst handliche Zusammenordnung der Maschinenteile die Arbeit sehr beschleunigen. Eine erhebliche Zahl von Konstruktionen beschäftigen sich denn auch mit dieser Frage. Dieselben sollen aber mit einer; Ausnahme Übergängen werden. Ein französicher Konstrukteur, J. B. Vernay, hat im Jahre 1897 (britische Patentschrift 20388 vom Jahre 1897) die gewiss kühne Idee gehabt, eine völlig automatische Flaschenblasemaschine zu bauen. Der Gedanke war um so kühner, als die glastechnische Seite des Problems um jene Zeit noch recht wenig untersucht war. Er hat jener ersten Maschine neuerdings eine ebenfalls völlig automatische folgen lassen (britische Patentschrift