Text-Bild-Ansicht Band 318

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gut unterschiedene Arten ergeben haben: die Fertigblasemaschine, die Press- und Blasemaschine und die Giess- und Blasemaschine, diese mit der Unterart der (Giess-) Motz- und Blasemaschinen. Wir erinnern uns, dass die zweite Art für weithalsige Gefässe (z.B. Einmachegläser) die dritte für enghalsige (Flaschen) besonders leistungsfähig ist.

Textabbildung Bd. 318, S. 159
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Aus Wurzeln, die nicht zu dem eben verfolgten technologischen Stammbaum gehören, ist neuerdings ein weiteres mechanisches Glasblaseverfahren hervorgegangen, nämlich das Sievertsche, auf welches wir bereits früher hingewiesen haben (s. D. p. J., 1901, 316, S. 261) und dessen besonderer Wirkungsbereich die Herstellung solcher Gefässe ist, dieeine im Verhältnis zur Höhe sehr weite Mündung haben (Schalen, Becher, Wannen u.s.w.).

Kleinere Mitteilungen.

Parsons Dampfturbine

führt sich nach dem „Schiffbau“ jetzt auch in Frankreich ein. Die französische Marine hat der Firma Normand in Havre ein Torpedoboot I. Klasse von 90 t Deplacement in Auftrag gegeben, das Parsonschen Turbinenantrieb haben soll, und zwar sollen drei Turbinen drei Wellen antreiben und noch eine besondere Turbine für kleine Geschwindigkeit eingebaut werden.

Zur allgemeinen Ausnutzung des Parsonschen Patents ist in Frankreich eine Gesellschaft gegründet worden.

Kohlensäure als Schutz- und Löschmittel.

Zur Beseitigung der Explosionsgefahr von Kohlenladungen in Seeschiffen sind neuerdings mit Kohlensäure erfolgreiche Versuche und praktische, gute Erfahrungen gemacht. Im Hamburger Hafen ist in Gegenwart zahlreicher Interessenten und Vertreter der Hamburger und Altonaer Feuerwehr eine aus etwa 65 Tonnen bestehende Kohlenladung in einein Leichterfährzeug unter Zuhilfenahme von Holz und Petroleum in Brand gesetzt worden. Schon nach 2 Stunden begann das Pech in der Kalfaterung des Decks flüssig zu werden und die aussere Schiffswand eine Temperatur von 50–60° C, aufzuweisen. Nachdem dann die Hitze so gestiegen war, dass der vordere Kontaktthermometer 177, der hintere 130° C. anzeigte, wurden die Luken fest geschlossen und 24 Flaschen Kohlensäure zu je 20 kg Inhalt (25% vom Luftraum) in das Schiffsinnere eingelassen. Die Abnahme der Temperatur war bereits nach dem Einlassen der ersten Kohlensäureflaschen auffällig und schon nach 3 Stunden auf vorne 31°, hinten 28° C. gesunken. Nach 22 Stunden wurden dann die Luken geöffnet und beim Umschaufeln der Ladung nicht eine Spur von Glut entdeckt, obgleich besonders die unten liegenden Kohlen stark ausgeglüht und in Kokes verwandelt waren, zum Teil auch kompakte Massen von Schlacke bildeten.

Die deutsche Feuerlöschgesellschaft hat mit diesem Versuch den Beweis erbracht, dass den häufigen und äusserst gefahrlichenKohlenbränden an Bord der Schiffe durch dieses Löschsystem des Chemikers H. Gronwald (Berlin) zweckmässig begegnet werden kann.

Gute Erfahrungen auch in Beziehung auf die Wirtschaftlichkeit des Gronwaldschen Systems hat das Bremer Vollschiff „Nesaia“ gemacht. Das Schilf brachte eine Ladung westfälischer Fettkohle von Bremen nach Tsingtau, und der Kapitän hat durch frühzeitiges Einlassen von Kohlensäure in den Baum erreicht, dass jede Temperaturerhöhung in der Ladung vermieden ist. Da für die Ladung 1 ¼ % geringere Versicherungsprämie bewilligt worden ist, weil das Schilf mit den Gronwaldschen Apparaten ausgerüstet war, ergab sich schon bei der zweiten Reise ein Ueberschuss gegenüber den Anlagekosten dos Löschsystems.

Unser neues Linienschiff „Braunschweig“.

Als erstes der 5 Schiffe der „H“ – Klasse ist am 20. Dezember des vergangenen Jahres das Linienschiff „Braunschweig“ auf der Germania-Werft in Kiel glücklich vom Stapel gelaufen. Es stellt gegenüber der zuletzt erbauten Wittelsbach-Klasse einen grossen Fortschritt dar. „Braunschweig“ hat ein 1500 Tonnen grösseres Deplacement als die „Wittelsbach“. Dieses Mehr kommt in erster Linie Artillerie, Panzerung und Kohlenvorrat zu gut. Die schwere Artillere ist von 24 auf 28 cm, ihr Panzerschutz von 250 auf 280 mm erhöht, die Mittelartillerie durchweg auf das Kaliber 17 cm mit einer Panzerung von 170/150 mm (gegen 15 cm mit 150/140 mm Panzerung der Wittelsbach-Klasse) und der Panzerschutz der Kommandotürme von 250 auf 300 mm gebracht.

Als besonderer Vorzug der Konstruktion des neuen Schiffstyps ist der von 28 cm zu 28 cm-Turm reichende, ununterbrochen durchgehende Panzerschutz der Kasematte für die Mittelartillerie und die Anordnung der Artillerie anzusehen, die selbst in England solchen Beifall gefunden hat, dass für die beiden neuen Schiffe der englischen New Zealand-Klasse die gleiche Geschützaufstellung gewählt worden ist.