Text-Bild-Ansicht Band 318

Bild:
<< vorherige Seite

die neueren mit etwas verstärkten Abmessungen, grösserem Führerhaus, Zugklappe auf dem Kamin u.s.w. Es hat sich gezeigt, dass die englischen Lokomotiven bedeutend stärker sind, als die gewöhnlichen der belgischen Staatsbahn, welche bereits beschrieben worden sind (D. p. J. 1902 Bd. 317 S. 650). Es folgt hier die Abbildung dieser neuen Lokomotive (Fig. 53b).

Textabbildung Bd. 318, S. 197

9. Die Schnellzuglokomotive der englischen Ostbahn (G. E. R.) erbaut 1900 in den Bahnwerkstätten zu Stratford nach den Plänen des Oberingenieurs J. Holden, war in Paris im selben Jahre ausgestellt. Die Merkwürdigkeiten der Maschine sind: vor allem die Oelfeuerung, dann der Abdampfinjektor, die pneumatische Umsteuerung und Wasserschöpfvorrichtung, im übrigen zeigt dieselbe die gleiche Bauart wie die vorige Lokomotive: innere Rahmen, innere geneigte Zylinder mit darunter liegenden Schieberkästen von derselben Neigung aufwärts, hochliegender (2515 mm über S. O.) Kessel von hoher Verdampfungsfähigkeit (274 Messingrohre von 3680 mm Länge).

Textabbildung Bd. 318, S. 197

Die Feuerbüchse, über der Hinterachse liegend, besitzt ein langes Feuergewölbe, welches sich an eine steinerne Schutzmauer für die vordere Wand anschliesst, sowie einen sehr tiefen Aschfall als Luftfang. Sämtliche Stehbolzen sind gelenkig, System Stone. Bei reiner Oelfeuerung dient als Unterlage des Feuers eine glühende Schicht von Chamottebrocken, durch welche zugleich die Verbrennungsluft vorgewärmt wird; bei gemischter Feuerung ist eine Kohlenschicht die Unterlage. Mit Hilfe des verstellbaren Blasrohres von Mc'Allan wird im ersten Fall der Zug gemässigt, im zweiten Fall verstärkt.

Textabbildung Bd. 318, S. 197

Der Oelbehälter (Oelrückstände, Teer) von 3,3 t Inhalt hängt im Kohlenraum des Tenders. Der dickflüssige Teer wird durch eine mit Kesseldampf betriebene Heizschlange verflüssigt und vor dem Eintritt in die Zerstäuber noch durch den Abdampf der Westinghouse pumpe nachgeheizt. In den Zerstäubern wird durch konzentrische dreifache Düsen eine innige Mischung von Teer, heisser Luft und Kesseldampf herbeigeführt, und diese Mischung in einem Strahl in die Feuerbüchse geworfen. Die Zerstäubung wird durch einen konzentrisch um die Auswurfdüse vor der Einwurföffnung (kurzer Kupferrohrstutzen) liegenden Ringbläser bewirkt, welcher mit Kesseldampf arbeitet und zugleich injektorartig Luft mit ansaugt. Die heisse Luft für den Zerstäuber wird in der Rauchkammer gewonnen; unter der Thüre derselben liegt nämlich, nach vorn offen, ein Trichterrohr, welches unter der Ejektorwirkung der Zerstäuber, frische Luft in eine imInnern der Rauchkammer konzentrisch an der Wand herumlaufende doppelte Heizschlange einsaugt, sodass dieselbe stark erhitzt und in diesem Zustand dem Zerstäuber zugeführt wird.

Diese nach jeder Seite hin genial ausgedachte Anordnung, Patent Holden, hat sich von allen als beste erwiesen; natürlich ist der Dampfverbrauch ein ziemlich hoher, da Frischdampf dreimal gebraucht wird; jedoch kann darunter die Leistungsfähigkeit des Kessels nicht leiden, denn die Verdampfungsziffer des Petroleums ist rund doppelt so hoch, als diejenige der Steinkohle, und für die Wasserstationen kommt der Verbrauch ebenfalls nicht in Frage, denn die Bahn arbeitet mit Wasser trögen; der dreiachsige Tender besitzt eine Pressluftvorrichtung zur Betätigung des Schöpfers. In praktischer Weise ist übrigens der grosse gusseiserne Tenderzugkasten als Hauptluftbehälter ausgebildet. (Fig. 54).

(Genaueres möge man in der „Zeitschrift d. Ver. d. I.“, 1902 S. 317 ff. bei Brückmann „Die Lokomotiven der Pariser Weltausstellung 1900“ nachlesen, wo eine sehr eingehende Beschreibung dieser Lokomotive mit Skizzen etc. zu finden ist.)

Es kann wiederholt werden, dass man es hier mit einer Schnellzuglokomotive zu tun hat, deren Hauptfähigkeit es ist, Fahrzeit zu halten unter allen Umständen, wozu einerseits das Petroleum als Brennstoff selbst, andererseits die Entlastung des Heizers von schwerer Arbeit beiträgt. „The punctual Great Eastern“ ist ein stehender Ausdruck geworden. Das Zugsgewicht beträgt 240 bis 330 t h. T. auf Strecken mit Steigungen bis 1/85, wie sie zwischen London und Cromer, York und Harwich vorkommen.

10. Die Schnellzuglokomotive der englischen Südwestbahn, erbaut 1899 in den Bahnwerkstätten Nine-Elms nach den Plänen des Oberingenieurs Drummond, ist ebenfalls eine beachtenswerte Erscheinung, welche mit der Aussicht auf künftigen Wegfall des Vorspanns ins Leben gerufen worden ist. Der durch das geringe englische Normalprofil begrenzten Grösse des Kessels soll hier auf eigenartigem Wege nachgeholfen werden: durch 2 Bündel von Stahlrohren von 51 mm Durchmesser und 3 mm Wandstärke, welche quer den oberen Teil der Feuerbüchse mit Gefäll durchziehen. Das vordere Bündel enthält 36, das hintere 25 Rohre, und die Neigungen beider Bündel sind einander entgegengesetzt, sodass der Wasserumlauf noch verbessert wird. Die Bündel sind von aussen zugänglich, indem über die Mündungen Verschlusskappen des Feuerbüchsmantels gelegt sind. Diese Kappen sind gegenseitig durch lange Stehbolzen, welche die Rohre