Text-Bild-Ansicht Band 318

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Kartoffeltrocken-Apparate erstattete, angenommen wird, dass durch das Trocknen alle Lagerverluste ausgeschlossen werden und damit jährlich unter Zugrundelegung der Erzeugung des Jahres 1901 mit rd. 48 Mill. Tonnen etwa 4,5 Mill. Tonnen erhalten bleiben, so wird diese Rechnung allerdings eine Einschränkung erfahren müssen. Erstens wird das Trocknen mehrere Monate in Anspruch nehmen, so dass eine Lagerung, wenn auch von kürzerer Dauer als sonst, doch stattfinden muss, und zweitens werden die Verluste vermutlich zum Teil durch natürliches Trocknen entstehen.

Das ganze Verfahren der Kartoffeltrocknung ist noch neu, erst die Ueberproduktion der letzten Jahre gab die Veranlassung dazu. Um so überraschender ist die grosse Zahl von Apparaten, die schon für diesen Zweck gebaut worden sind. Auf das im Jahre 1902 von verschiedenen Korporationen gemeinsam erlassene Preisausschreiben wurden 40 Apparate angemeldet, von denen im Verlauf der Vorarbeiten zu den Prüfungen 22 ausgeschieden wurden, so dass noch 18 verblieben.

Das Trocken-Verfahren besteht darin, dass die Kartoffeln auf einer besonders dafür eingerichteten Maschine oder bei einfachen Anlagen auch auf einem gewöhnlichen Rübenschneider geschnitten werden, und dass diese Schnitzel dann einer mehr oder weniger hohen Temperatur ausgesetzt werden.

Die wesentlichen Unterschiede der verschiedenen Apparate bestehen in der Art der Erhitzung der Kartoffeln, die entweder eine unmittelbare sein kann, indem man die Feuergase durch den Trockenraum hindurch leitet, oder eine mittelbare, bei welcher die Trockenluft durch Heizapparate erwärmt wird. Diese Heizapparate können wieder entweder durch Dampf oder durch die Feuergase selbst erhitzt werden.

Als Beispiel eines Trockenapparates, welcher mit unmittelbarer Einwirkung der Feuergase arbeitet, diene der in Fig. 7 dargestellte Trockenapparat von Venuleth & Ellenberger in Darmstadt. Der Trockenraum enthält eine Anzahl von übereinander liegenden, aus je 15 Mulden gebildeten Etagen, in welchen die Kartoffelschnitzel von dem Einschüttrumpf aus durch Schnecken im Gegenzuge weiter befördert werden, die dabei von jedem Kartoffelstück durchlaufene Weglänge beträgt ungefähr 15 in. Die Anzahl der Etagen richtet sich nach der geforderten Leistung, da jede Etage unabhängig von den anderen eine Menge von etwa 250 kg trocknen kann. Dadurch lässt sich der Apparat für Klein- und Grossbetriebe bemessen. Ueber die Mulden hinweg streichen die Feuergase, die in der rechts befindlichen Feuerung erzeugt, durch mehrfache Ablenkung von gröberen Verunreinigungen befreit undzwecks Wärmeregelung mit kalter Luft gemischt werden. Das Absaugen erfolgt durch den links angeordneten Ventilator. Während des Anheizens wird der über der Feuerung stehende Schornstein geöffnet, sodass die Feuergase unmittelbar ins Freie entweichen.

Ebenfalls mit direkter Heizung arbeiten die Apparate von Knauer in Calbe, von Wüstenhagen in Hecklingen und von Büttner & Meyer. Erstere beiden arbeiten mit rotierenden Trommeln, in welchen sich die Kartoffeln fortbewegen, und sind nur für den Grossbetrieb brauchbar, der letzte ist als zweietagige Darre ausgebildet, deren Fläche dem Umfang des Betriebes angepasst werden kann.

Die Trocknung mit direkter Heizung hat den Vorteil günstiger Wärmeausnützung und dementsprechend geringer Betriebskosten, sodass sie für den Grossbetrieb wohl ausschliesslich und für den Kleinbetrieb überwiegend in Betracht kommen wird. Bei mangelnder Aufmerksamkeit des Heizers liegt allerdings die Gefahr nahe, dass die Kartoffeln überhitzt und verbrannt werden können. In dieser Hinsicht ist die mittelbare Beheizung durch Dampf vorteilhafter, bei welcher eine sehr gute und gleichmässige Trocken wäre erhalten wird. Mit Dampfheizung arbeitet z.B. der Apparat der Anhaltischen Zündwarenfabrik Heintz & Bischof in Coswig i. A., bei welchem die Kartoffelschnitzel auf Horden getrocknet werden. Wo aber nicht Abdampf zum Beheizen verwendet werden kann, werden die Betriebskosten recht hoch.

Bei der Prüfung der Apparate war vorgeschrieben worden, dass Anlagen für den Grossbetrieb mindestens 200 Zentner, für den Kleinbetrieb mindestens 50 Zentner Kartoffeln in 12 Stunden verarbeiten müssen. Im Grossbetrieb sollten die Trockenkosten nicht über 20 Pfg. für den Zentner Rohkartoffeln betragen. Die Kosten beliefen sich für den Zentner Rohkartoffeln bei dem Apparat von Knauer, der in 12 Stunden 675 Zentner trocknete, auf 14,64 Pfg.; bei demjenigen von Wüstenhagen auf 22,13 Pfg.; bei Venuleth & Ellenberger auf 16,40 Pfg.; bei Büttner & Meyer auf 23,6 Pfg. Da die Apparate auch zum Trocknen anderer Substanzen (Rübenschnitzel, Rübenblätter, auch Getreide) dienen können, tritt durch Ausnutzung für diese Zwecke noch eine Verbilligung der Trockenkosten ein.

Auf Grund der Prüfung wurden folgende Preise verteilt: Für Grossbetriebe Knauer und Venuleth & Ellenberger je 10000 M., Büttner & Meyer 5000 M. Für Kleinbetriebe Venuleth & Ellenberger und Büttner & Meyer je 2500 M. Ausserdem erhielten Wüstenhagen und Heintz & Bischof ehrenvolle Anerkennungen.

Die elektrische Gewinnung von Stickstoffverbindungen aus der atmosphärischen Luft.

Von Oberingenieur Ewald Rasch, Potsdam.

„Die Möglichkeit, Stickstoff und Sauerstoff im elektrischen Funken zu vereinigen, ist für die zukünftige Entwicklung der technisch verwertbaren Methoden elektrochemischer Gasreaktionen von der allergrössten Bedeutung.“

„Es ist sehr auffallend und auf keine Weise zu erklären“, meint Askenasy,1) „weshalb dieser Angelegenheit bisher eine nur geringe Beachtung geschenkt wurde.“

Die Erklärung für diese Tatsache dürfte darin zu suchen sein, dass die deutsche Elektrotechnik2) schon seit Längerem gressen Aufgaben prinzipieller Natur anscheinend aus dem Gefühl kaufmännischer oder technischer Unsicherheit heraus aus dem Wege zu gehen pflegt und sich statt dessen aufdem Boden der überproduktiven Fabrikation sicher zu fühlen glaubt.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Problems, Stickstoffverbindungen (Salpetersäure, Nitrate, Düngemittel etc.) aus der atmosphärischen Luft auf elektrischem Wege herzustellen, bedarf wohl kaum besonders hervorgehoben werden. Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese Aufgabe zu den bedeutsamsten gehört, welche der modernen Elektrotechnik bezw. der Elektrochemie zu lösen bleiben.

Für Deutschland hat diese Frage noch ein besonderes nationalökonomisches Interesse, insofern, als sämtliche Verbraucher für Salpeter bis jetzt auf das Ausland, auf den Chilisalpeter, angewiesen sind.

Bereits die – rein theoretische Ziele verfolgenden – experimentellen Arbeiten von Crookes,3) Losanitsch,4) Lepel5)

1)

Jahrbuch d. Elektrochemie, Bd. VIII, S. 420.

2)

Für die Amerikaner gilt dieser Vorwurf von Askenasy nicht, denn sie haben dieses Problem mit grosser Energie und weitschauendem Blick seit Längerem aufgenommen. Die mit einem Aktienkapital von 1000000 Dollar gegründete „Atmospheric Products Co.“ in Jersey City N. J. U. S. hat die Aufgabe, die experimentellen Vorarbeiten für eine derartige Fabrik an den Niagarafällen zu erledigen.

3)

Chem. News, 65; 301.

4)

Jahrb. d. Elektrochemie, Bd. 4; 385.

5)

Jahrb. d. Elektrochemie, Bd. 4; 412; Pogg. Annal.(2) 46 p. 319.