Text-Bild-Ansicht Band 318

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Ausbeute lediglich der Grössenordnung nach vorausbestimmen; jedoch wird durch sie ein neuer Weg vorgezeichnet, auf dem voraussichtlich eine wirtschaftliche Lösung des vorliegenden Problems zu erwarten ist.

Als überaus erwünscht würde ich es bezeichnen, dass die Gleichgewichtskonstante K der Stickstoffoxydation, deren Wert vor der Hand als wenig sicher angesehen werden muss, einer Neubestimmung unterworfen werde.

Für diesen Zweck wird man vorteilhaft als Reaktionsherd einen Glühkörper aus Leitern zweiter Klasse verwenden. Die Temperatur desselben lässt sich in relativ sehr genauer Weise durch die neueren optisch photometrischenMethoden (Pyrometer Wanner25), Holborn und Kurlbaum26) oder dergl.) bestimmen und durch Vorschaltwiderstande bequem regulieren.

Eine derartige Untersuchung würde nicht nur eine wichtige Frage der theoretischen Chemie beantworten, sondern auch die Unterlagen für weitere technische Arbeiten von hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung bilden.

Moderne Lade- und Transporteinrichtungen für Kohle, Erze und Koks.

Von Georg v. Hanffstengel, Ingenieur in Stuttgart.

(Fortsetzung von S. 138 d. Bd.)

Amerikanische Ausführungen von Hochbahnkranen.

Für die Entwicklung von Schiffsentladevorrichtungen, namentlich für Erz bieten die Vereinigten Staaten ein ungleich günstigeres Feld als Deutschland, weil man drüben bei dem Massenverkehr an den grossen Seen in der Lage ist, den gesamten Transport einheitlich zu behandeln, und nicht nur die Krane den Schiffen, sondern gleichzeitig diese den Ausladern anzupassen. Bei uns begegnet die Anwendung der amerikanischen Konstruktionen einigen Schwierigkeiten, die hauptsächlich in der ungünstigen und wechselnden Bauart der Schiffe begründet liegen.

Textabbildung Bd. 318, S. 267

Fig. 169 gibt eine normale Schiffsentladebrücke für Kohle von der Brown Hoisting Machinery Co., Cleveland, wieder, wie sie für den Hafen von Genua projektiert ist.1) Die Brücken sind so schmal gebaut, dass sie zu dreien oder vieren gleichzeitig an ein Schiff gestellt werden und jede aus einer oder zwei Luken arbeiten können. Dadurch kann die Entladezeit aufs äusserste beschränkt und das Schiff möglichst günstig ausgenutzt werden. Der Uebergang von einer Luke zur andern wird dadurch sehr erleichtert, dass die Brücke auf ihren beiden Tragpfeilern beweglich abgestützt ist, so dass der wasserseitige Fass allein verfahren werden kann, während der hintere feststeht. Die Brücke lässt sich also im Grundriss um einen bestimmten Winkel schräg stellen, bei dessen Ueberschreitung die Fahrvorrichtung selbsttätig ausgeschaltet wird. Im vorliegenden Falle ist das Maschinen- und Führerhaus im vorderen Turm auf der Wasserseite untergebracht, häufig findet man auch die umgekehrte Anordnung. Da der Führer dann das Schiff nichtübersehen kann, ist ein Mann am Kai notwendig, der ihn durch Signale verständigt.

Der vordere Auslegerarm ist der Schiffsmasten wegen aufziehbar. Der landseitige Ausleger kann, wenn gewünscht, zunächst fortgelassen und event. später bei Vergrösserung des Lagerplatzes angefügt werden, wie Fig. 169 punktiert andeutet.

Der Kran arbeitet mit einem Greifer von 1,7 cbm Inhalt. Für Kohle bevorzugt die Firma überhaupt Greiferbetrieb, während Erze noch immer mit Kübeln gefördert werden müssen. In einem Schutzhause auf der Brücke ist eine Wage untergebracht, mit der jede Ladung einzeln gewogen werden kann. Ob diese Einrichtung grossen praktischen Wert hat. ist fraglich, da der Rauminhalt der Schiffe ohnehin bekannt ist und das Verwiegen einen nicht unerheblichen Zeitverlust mit sich bringen dürfte.

Die Kohle kann entweder unmittelbar in die Eisenbahnwagen oder zunächst nach einem Hochbehälter geschafft werden, aus dem sie in die Wagen abgelassen wird. Ausserdem bedient der Kran zwei offene Lagerplätze.

Das erste deutsche Werk, das seine Erzverlagerung ganz nach amerikanischem Muster eingerichtet hat, ist das Kruppsche Hüttenwerk in Rheinhausen bei Duisburg, das den grössten Teil seiner Erze von auswärts bezieht und zum Entladen der Schiffe, sowie zur Bedienung der Lagerplätze und Vorratsbehälter 4 Brownsche Krane aufgestellt hat. Unter Benutzung einer Beschreibung in „Glückauf“ vom 13. Sept. 1902, sei im folgenden einiges über diese Anlage mitgeteilt.

Die allgemeine Anordnung ist ähnlich wie in Fig. 169, doch ist die doppelschienige Stütze mit dem Maschinenhause

25)

„Ueber einen Apparat zur photometrischen Messung hoher Temperaturen“. Phys. Zeitschr. 3; S. 105 ff. 1901.

26)

„Ueber ein neues optisches Pyrometer“. Berl. Akad. Ber. 1901. S. 712 ff.

1)

Nach Traction and Transmission, Sept. 1902.