Text-Bild-Ansicht Band 318

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durch das Relais, die Luftleitung und Erde ermöglicht. Durch diese Anordnung werden die atmosphärischen Störungen gleichfalls wesentlich verringert.

Textabbildung Bd. 318, S. 277

Eine weitere Verbesserung in der Einrichtung liegt in der Einführung einer selbsttätigen Unterbrechung des Fritterstromkreises. Der Klopferschlag wird hierbei erst dann gegen den Fritter geführt, wenn die Spannung des Fritterelementes abgenommen ist. Es wird dadurch ein leichtes und sicheres Auslösen des Flitters erzielt und auch dessen Lebensdauer bedeutend verlängert, weil der sonst in seinem Inneren auftretende Funke, bei Unterbrechung des Schwachstromkreises, welcher das Frittpulver allmählich zerstört, ausserhalb desselben verlegt ist. Ausser diesen Verbesserungen wird jeder Empfangsapparat für bewegliche Stationen mit einer Intensitäts-Schwächungsvorrichtung versehen, durch welche es ermöglicht ist, dass der Apparat auch auf ganz kurze Entfernungen, trotz der grossen Empfindlichkeit, sicher arbeitet.

Das System der drahtlosen Telegraphie nach Slaby-Arco fand ursprünglich nur für den Verkehr zwischen Schiffen und dem Festlande, oder zwischen zwei durch die See getrennten, feststehenden Stationen Anwendung und finden sich von denselben bereits über 40 Stationen auf Schiffen und über 10 Landstationen in dauerndem Betriebe. Die Sicherheit der Nachrichten, bezw. Befehlsübermittlungen wurde bei diesen Stationen bis zu Entfernungen von 200 km in ausreichender Weise nachgewiesen.

Textabbildung Bd. 318, S. 277

Es lag nun bei der ausserordentlichen Wichtigkeit einer schnellen und zuverlässigen Nachrichtenvermittlung zwischen den einzelnen Truppenteilen einer gemeinsam operierenden, Armee nahe, die Funkentelegraphie auch für die Zwecke des Kriegsdienstes zu verwerten. Der bisherige Feldtelegraph vermochte trotz der grossen Dienste, welche er im allgemeinen leistete, allen Anforderungen denn doch nicht zu entsprechen, da bei seiner Einrichtung stets auf eine sehr sorgfältige Leitungsverlegung Bedacht genommen werden musste, die sich aber bei der Eile, mit welcher diese Arbeit in der Mehrzahl der Fülle auszuführen war, nicht immer erreichen liess. Es sind daher Isolationsfehler und Drahtbrüche unvermeidlich und sah man sich sonach oft gezwungen, mit Induktionsströmen und Telephonen zu arbeiten, wobei die besonders bei Befehlserteilung so wünschenswerte schriftliche Aufzeichnung nicht erzielt werden konnte. Auch fehlt im Kriegsfalle bei Abbruch einer Station häufig die Zeit zum Abbau der Leitung und macht daher die Menge des mitzuführenden Materiales einen bedeutenden Train erforderlich.

Alle diese Nachteile des auf Leitungsverwendung aufgebauten Feldtelegraphen führten zu Versuchen; die Funkentelegraphie auch für die Zwecke des Felddienstes nutzbar zu machen. Hierbei kann jedoch nur die abgestimmte Funkentelegraphie in Betracht kommen, weil nur sie wenigstens eine teilweise Geheimhaltung der übersendeten Nachrichten ermöglicht und daneben einen bedeutend geringeren Energieaufwand erfordert, als die nicht abgestimmte. Letztereerfordert nämlich einen Energieaufwand, der für eine Entfernung von 30 km einer mechanischen Leistung von 2 bis 3 PS. entspricht. Da Akkumulatoren schon wegen der Notwendigkeit, eine eigene Lademaschine mitzufahren, für felddienstliche Zwecke von vorneherein ausgeschlossen sind, so könnte diese Energiemenge nur durch eine von einem kleinen Motor angetriebene Dynamomaschine geliefert werden, was jedoch schon wegen der damit verbundenen grossen Belastung des Trains als nicht besonders zweckentsprechend angesehen werden muss. Ausserdem ruft aber die Kompliziertheit eines solchen Systemes Bedenken hervor. Bei Anwendung des Abstimmungsprinzipes dagegen kann mit so kleinen Stromstärken gearbeitet werden, dass Trockenbatterien als Stromquellen ausreichen.

Die funkentelegraphischen Stationen für Feldzwecke sind nun seitens der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in Berlin, welche die Ausführung der Patente Slaby-Arco übernommen hat, auf diesen Grundlagen ausgebildet worden. Hierbei sind sämtliche Apparate und erforderliche Hilfsmittel in einem Fahrzeuge untergebracht, welches aus einem Vorder- und Hinterwagen besteht, die nach dem Protzsystem zusammengehängt werden. In bezug auf die äussere Form, sowie auf die Einrichtung für die Bespannung, die Vorrichtungen zum Anbringen von Schanzzeug, die Spurweite und Radabmessungen ist den Normalien der deutschen Armeefahrzeuge, wie dies aus Fig. 9 ersichtlich, voll Rechnung getragen.

Die Verteilung der Apparate und des Zubehörs auf die beiden Wagenabteile ist in der Weise durchgeführt, dass im Vorderteil oder Vorderwagen alle Sende- und Empfangsapparate, sowie ein Teil der Hilfsmittel und die Hälfte der Trockenelemente sich befinden. Im Hinterteil ist die zweite Hälfte der Batterie und der Reservebedarf untergebracht. Das Gesamtgewicht des ganzen Wagens beträgt nur 1800 kg. Die Wagen können deshalb auch ausserhalb der Wege auf offenem Gelände leicht fortgebracht werden. In besonders schwierigem Terrain kann der zweite oder Hilfswagen zurückgelassen werden, wodurch sich das Gewicht des zu bewegenden Fahrzeuges auf 900 kg herabmindert. Für die Zwecke der Telegraphie ist das Zurücklassen des Hinterwagens von keinem besonderen Belang, da alle notwendigen Teile der Station in dem Vorderwagen untergebracht sind, und der Hinterwagen nur die Reserve aufnimmt. Auch die in dem Vorderwagen untergebrachte Hälfte der Trockenbatterie ist vollkommen ausreichend, um den Strombedarf zu decken.

Die Ansicht eines geöffneten Vorderwagens (Fig. 10) zeigt, dass die Aufgabeapparate auf der rechten Seite, die Empfangsapparate auf der linken Seite dieses durch eine. Scheide wand in zwei Teile getrennten Wagenkastens, eingebaut sind.

Die Apparatenanordnung im Vor der wagen ist aus Fig. 11 zu entnehmen und zwar sind a) für die Sendeeinrichtung: I. Induktor, II. Holzkasten mit 3 Leydenerflaschen und Abschaltefunkenstrecke, III. Abstimmungsspule mit Steckkontakt, IV. Hitzdraht-Amperèmeter, V. eingebaute Funkenstrecke, VI. Morsetaste mit magnetischer Funkenlöschung, VII. dreipoliger Hebelumschalter und VIII. Steckkontakt; b) für die Emfangseinrichtung: IX. und X. Empfangsapparat und Morseschreiber; XI. Abstimmspule mit Schiebekontakt und endlich Xll. Batterie für den Empfangsapparat.

Das mit IV bezeichnete Hitzdraht-Amperèmeter bis 0,5 Ampère Messbereich, welches in Eisenrahmen federnd aufgehängt ist, kann durh einen kleinen Schalthebel in die zum Luftdraht führende Leitung eingeschaltet werden. Es ist für die Geberabstimmung ein unentbehrliches Hilfsmittel. In der Apparatenverbindung besteht ein wesentlicher Unterschied gegenüber der normalen Verbindung für feststehende und Schiffsstationen