Text-Bild-Ansicht Band 318

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den Tropfen durch frisches, gereinigtes Quecksilber zu ersetzen.

Die Entfrittung dieser Röhre wird, wie die Versuche lehren, wesentlich sicherer, wenn man dem Quecksilbertropfen Kohlenpulver, welches von den Glühfaden einer gewöhnlichen Glühlampe gewonnen wird, beigibt. Dieses Pulver bildet auf dem Quecksilber eine Art Häutchen, welches demselben das Ansehen von Graphit gibt. Durch diese Beigabe von Kohlenpulver wird auch die Dauer der guten Wirksamkeit des Flitters wesentlich erhöht.

Textabbildung Bd. 318, S. 326
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Die Entfernung, über welche noch Nachrichten zu erhalten sind, wird bei Anwendung dieses Fritters bedeutend grösser, wenn man ihn in Verbindung mit einem Telephon verwendet. Hierdurch wird aber auch die Empfangseinrichtung ebenfalls vereinfacht. Die Art und Weise der Verbindung des Fritters mit dem Telephone ist aus den Fig. 39 u. 40 ersichtlich. Sie gestattet eine sehr einfache und dabei empfindliche Regulierung und ist, da die Zeichen im Telephone sehr deutlich und bestimmt wahrnehmbar sind, diese Art der Nachrichtenvermittlung eine sehr sichere, sofern die wenigen Vorsichtsmassnahmen, die für den Empfang der Nachrichten erforderlich sind, genau beobachtet werden. So ist es notwendig, da die Zeichen um so klarer und bestimmter zu Gehör gelangen, je schwächer der im Telephon entstehende Ton wird, dass alle Aussengeräusche abgehalten werden.

Textabbildung Bd. 318, S. 326
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Um die störenden Einflüsse atmosphärischer Entladungen, welche sich namentlich im Telephon besonders bemerkbar machen, abzuschwächen, ist es gut, nach Fig. 41, in Abzweigung vom Fritter einen kleinen Kondensator C einzuschalten, dessen Stromkreis durch eine kleine Funkenstrecke f unterbrochen ist.

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Für den Fall, dass eine akustische Anzeige dafür gegeben werden soll, dass ein Gespräch angebahnt wird, wird ein Klingelwerk K (Fig. 42) in den Telephonkreis eingeschaltet, welches während der Aufnahme durch den Schalter S kurz geschlossen wird. Bonomo hat auch versucht, die telegraphische Nachrichten Vermittlung mit Hilfe des Telephones zu ermöglichen, indem er das Telephon zu einer Art Relais ausbildete. Die Schwingungen der Telephonmembrane werden hierbei (Fig. 43) auf den Hebel ab übertragen, dessen Drehpunkt bei x gelegen ist. Der rechtsseitige Hebelarm ist bedeutend länger als der linksseitige und sind sonach dessen Schwingungen bedeutend grösser. Der Hebel taucht bei b mit einer Spitze in das kleine mit Quecksilber gefüllte Gefäss d und unterbricht bei seinen Bewegungen den Strom der Batterie B. Am Ende des linken Hebelarmes befindet sich ein kleines Eisenstückchen, welches von dem permanenten Magneten M angezogen wird, wodurch der Hebel ab stetswieder in seine normale Lage zurückkehrt. Entsprechend der abwechselnden Stromunterbrechung und Schliessung der Batterie B erscheinen auf dem Morseschreiber R die Zeichen. Diese Art Telephonrelais ist noch nicht in die Praxis eingeführt, weil es Bonomo unmöglich wurde, die Versuche fortzusetzen.

Das System der drahtlosen Telegraphie von Professor Reginald A. Fessenden.

Die von Fessenden für sein System der drahtlosen Telegraphie ausgenützten elektrischen Wellen sollen sich von den Hertz sehen Wellen dadurch unterscheiden, dass sie keine ganzen, sondern Halbwellen sind, welche sich nur längs der Oberfläche eines Leiters fortpflanzen und im Gegensatze zu den Hertz sehen Wellen von einer geraden Linie abgelenkt werden können. Fessenden selbst bezeichnet diese Wellen als „halbfreie Aetherwellen“, welche sich auch von den Wellen, welche Lodge in metallischen Leitern erforscht hat, unterscheiden. Nach Fessenden ist bei den Lodgeschen Wellen die elektrische Energie ein Maximum, wenn die magnetische Energie ein Minimum wird, und soll bei denselben alle Energie, welche nicht durch Leitungsverluste verloren geht, wieder gewonnen werden können. Bei den elektrischen Wellen von Fessenden fällt hingegen das Maximum der elektrischen Energie mit dem Maximum der magnetischen Energie zusammen und ist die ausgestrahlte Energie nur im Falle der Ablenkung derselben wiederzugewinnen.

Fessenden fand, dass es für gute Entsendung und gutes Auffangen derartiger Wellen notwendig sei, dass die Oberfläche, längs welcher sie sich fortbewegen, sehr gut leitend ist. Vornehmlich sei dies in der unmittelbaren Umgebung des Ortes, an welchem die Wellen hervorgerufen werden, eine unbedingte Notwendigkeit. Er wies ferner nach, dass dieser sehr gut leitende Teil der Oberfläche, von der Erregerstelle ausgehend, mindestens auf eine Länge von der Welle im Raume und zwar in der Richtung, nach welcher die Welle gesendet werden soll, zu führen ist.

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Die Anordnung in Fig. 44 zeigt, wie dies erreicht wird. Das Wesentlichste an dieser Anordnung bildet der geerdete Leiter oder „Wellenfall“, wie ihn Fessenden nennt. 1 bezeichnet hier die Luftstange, während 2 den geerdeten Leiter oder Wellenfall darstellt, welcher über die Gebäude und andere Hindernisse in einer übersteigenden Länge geführt, und sodann beiderseitig geerdet wird. Zwischen dem unteren Ende der Luftstange und einem Punkte dieser Leitung ist die Funkenstrecke 3 eingeschaltet. Die auf dem Führungsmast angebrachten Drahtspulen 4 haben eine natürliche Schwingungsperiode, welche sich von jener der Luftstange unterscheidet, und bewirken im Vereine mit dem Erdleiter oder Wellen fall, dass von auswärts zuströmende Wellen anderer Wellenlänge keinen störenden Einfluss auszuüben vermögen. Dieselben zerstreuen auch atmosphärische Spannungen, welche sonst sehr häufig unliebsame Störungen in dem Empfange drahtloser Depeschen hervorzurufen vermögen.