Text-Bild-Ansicht Band 318

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Fessenden hat ferner beobachtet, dass bei elektromagnetischen Wellen, welche in einem Medium erzeugt werden, welches eine grössere spezifische induktive Kapazität und Permeabilität für elektromagnetische Wellen hat, als die atmosphärische Luft, die Höhe der Luftstange beträchtlich verkürzt werden kann, weil hierdurch die Schwingungsperiode im Vergleiche mit der Schwingungsperiode des Sendedrahtes in der Luft verringert wird, wodurch sich die Ausstrahlung vergrössert und sonach unter diesen Bedingungen ein verkürzter Luftdraht gleiche Wirkung gibt, wie eine hohe Stange in freier Luft. Zu diesem Zwecke wird der Luftdraht innerhalb eines zweiten röhrenförmigen Leiters untergebracht und dieser in Wasser oder einer anderen Flüssigkeit, deren elektrische Konstanten grösser als die der Luft sind, eingesetzt.

In der Praxis verwendet Fessenden in der sendenden Station einen senkrechten Draht von grosser Kapazität und geringer Selbstinduktion. Die Kapazität kann durch Vergrösserung der Oberfläche der Luftstange, und die Selbstinduktion durch Hinzufügen von Windungen zu dem Verbindungsdrahte der Elektrizitätsquelle reguliert werden.

Als weitere, sehr wichtige Vorzüge des Systems Fessenden werden angegeben, dass die Geschwindigkeit der Nachrichtenübertragung viel grösser ist, als dies bei dem gewöhnlichen Vorgange des Schliessens und Oeffnens des primären Stromkreises möglich ist, dass ferner Signale auf eine viel grössere Entfernung mit einem viel geringeren Kraftaufwande, als bei den bisherigen Systemen entsendet, und dass auch chiffrierte Telegramme mit derselben Genauigkeit, wie bei der gewöhnlichen Telegraphie übertragen werden können, ohne dass ein Irrtum zu befürchten ist.

Textabbildung Bd. 318, S. 327

Die schematische Darstellung der vollständigen Einrichtung einer Station, sowohl für das Senden, als für das Empfangen ist in Fig. 45 gegeben. 1 stellt den Luftleiter dar, welcher mit dem einen Ende des Induktors 2 verbunden ist, während das zweite Ende desselben zur Erde führt. Ein Umschalter 3 dient dazu, den Induktor mit der Batterie zu verbinden oder von derselben abzuschalten. Beim Senden bleibt der Induktor in fortwährender Wirkung und erfolgt die Zeichengebung durch den Taster 4 in der Weise, dass der Luftdraht abwechselnd in und ausser Abstimmung mit der empfangenden Station gesetzt wird, was durch längeren oder kürzeren Kurzschluss der Abstimmungseinrichtung bewerkstelligt wird. Diese Abstimmungsvorrichtung ist mit dem Generator (Induktor) in Reihe geschaltet und mit der Erde verbunden. Die Abstimmungsvorrichtung besteht aus einem oder mehreren Paaren paralleler Drähte 5, auf welche Schlittenkontakte 6, die je zwei Drähte leitend verbinden,aufgesetzt sind. Diese Drahtpaare sind in eine Kassette eingesetzt, welche soweit mit Oel angefüllt ist, dass die Drähte von demselben annähernd 5 cm hoch überdeckt werden. Durch diese Anordnung ist es möglich, die Kapazität und Induktanz so genau zu regulieren, dass man eine reine Sinuswelle und daher gute Resonanz erhält.

Um eine reine Sinuswelle zu erhalten, soll das Verhältnis zwischen Induktanz und Kapazität für die Längeneinheit aller Teile des Leiters das Gleiche sein, und unterscheidet sich hierin das System Fessenden wesentlich von allen anderen Systemen, welche Drahtrollen verwenden, um bei einem gegebenen Widerstände die grösste Induktanz zu erreichen. In Fig. 45 ist der Taster 4 als ein gewöhnlicher Unterbrechungstaster dargestellt. Tatsächlich gelangt jedoch ein Kurzschlusstaster (Fig. 46) zur Anwendung. Der durch das Grundbrett des Tasters hindurchgehende Teil des Tasters bringt durch passende Uebersetzung die Greifer d mit den Drähten 5 in leitende Verbindung und schafft dadurch, da derselbe mit der Erde leitend verbunden ist, einen Kurzschluss dieser Drähte. Der Empfangsstromkreis besteht im wesentlichen aus dem Luftleiter 1 (Fig. 45), dem Kondensator 12, einer vereinigten Kapazität und Induktanz 13, welche den Resonator bildet und in ähnlicher Weise, wie die Abstimmungsvorrichtung für den Sender zusammengestellt ist. Dieselben sind in Reihe verbunden, befinden sich jedoch in Abzweigung von der Funkenstrecke und sind auf diese Weise parallel zu dem sendenden Leiter geschaltet.

Textabbildung Bd. 318, S. 327
Textabbildung Bd. 318, S. 327

Um die Geschwindigkeit der Uebertragung zu erhöhen, wurde an Stelle des schwerfälligeren Morseschreibers ein telephonischer Empfänger angewendet. Dies bedingt wieder einen Wellenempfänger, der in Bezug auf Frittung und Entfrittung viel rascher wirkt, als die bisher bekannt gewesenen Fritter. Der Wellenempfänger von Fessenden wirkt viel rascher, als ein sich selbst regenerierender Fritter. Derselbe ist in Fig. 45 mit 14 bezeichnet und in Verbindung mit den übrigen Einrichtungen dargestellt. Fig. 47 zeigt diesen Wellenempfänger im Einzelnen. Er ist im wesentlichen auf dem Prinzip des Bolometers aufgebaut, doch ist die ausstrahlende oder aufsaugende Oberfläche im Verhältnis zur Masse sehr klein, sodass die Leitungsverluste grösser als die Strahlungsverluste sind, und es einer unendlich kleinen Energiemenge bedarf, um ihn zu erhitzen. Um diese Wirkung zu erzielen, wird ein Silberdraht von 1 mm Durchmesser, welcher eine Seele aus Platindraht von 0,03 mm hat, zu einer kurzen Schlinge 15 gebogen und mit den Zuführungsdrähten verbunden, und das ganze in eine Glasbirne 18 eingesetzt, die zugeschmolzen wird. Die Spitze der Schlinge 15 wird aber vorher in reine Salpetersäure eingetaucht, welche das Silber auflöst und an dieser Stelle das Platin 16 freilässt. Zu weiterem Schütze gegen Ausstrahlung wird das Glasgefäss noch von einer Silberschale 17 umgeben. Das Glasgefäss kann, um die Wirksamkeit dieses Wellenempfängers noch zu vergrössern, luftleer gemacht werden.