Text-Bild-Ansicht Band 318

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Die gesamte Einrichtung eines derartigen Wellenempfängers (Fig. 48) besteht aus einer drehbaren Hartgummiplatte 19, auf welcher eine bestimmte Anzahl der vorbeschriebenen Empfänger angeordnet sind, von welchen stets der im Gebrauche stehende mit den Leitern 20, 21, durch Kontakte 22, 23 in Verbindung gebracht wird. Die Platte wird von dem Stabe 24 getragen. Der gesamte Empfangsmechanismus ist in ein Metallschutzgehäuse 25 eingeschlossen. 26 und 27 in Fig. 45 stellen einen elektromagnetischen Ausschalter dar, welchen der Umschalter 3, wenn er auf b gelegt wird, in Wirksamkeit setzt. Hierbei hebt der Hebel 27 die Einführungsdrähte von der Hartgummiplatte 28 ab. Als eigentliches Empfangsinstrument dienen die Kopftelephone 29, welche mittels Kabelzuführung in Reihe geschaltet sind, wobei diese beiden Kabel eine kleine Potentialdifferenz aufweisen. Findet also eine Erwärmung des Wellenempfängers durch einlangende Wellen statt, so wird sich dies in den beiden Empfangstelephonen durch einen charakteristischen Ton anzeigen. Da nun der Wellenempfänger infolge der Abstimmung nur auf eine bestimmte Wellenlänge anspricht, so ist auch die Verständigung eine sehr sichere und zuverlässige. Zum Anrufe dient ein Fritter 30 in Verbindung mit einer Batterie 31, einem Transformator 32 und einem Anruftelephon oder einem Klingel werk 33.

Textabbildung Bd. 318, S. 328
Textabbildung Bd. 318, S. 328

Die in Fig. 49 dargestellte Vorrichtung hat den Zweck, eine ganz bestimmte Beziehung zwischen der Induktanz, der Kapazität und dem Widerstände ohne Rücksicht auf das zur Verwendung gelangende Potentiale aufrecht zu erhalten. Die Entladung findet hierbei durch Luft, welche komprimiert ist, statt, und befindet sich die Funkenstrecke zwischen dem mit 4 bezeichneten Teile und der Bodenplatte 5. Bei Gebrauch dieses Apparates beträgt die Grösse der Funkenstrecke ungefähr 6 mm, wenn das verwendete Induktorium eine Schlag weite von 30 cm hat. Durch Vergrösserung des Druckes steigert sich die Elektrizitätskonstante des Mediums und kann infolgedessen das Funkenpotential bis zu einer beliebigen Höhe gesteigert werden, ohne dass ein merklicher Verlust in der ausstrahlenden Kraft zu befürchten ist.

Ueber die praktischen Versuche liegen nähere Berichte noch nicht vor, doch soll bereits zwischen Hatteras und Räanocke auf eine Entferung von 160 km ein Betrieb mit den Apparaten von Fessenden eingerichtet sein, wobei ein Induktor von 30 cm Schlagweite und ein Luftdraht von ungefähr 42 in Höhe zur Anwendung gelangt. Die Uebertragungsgeschwindigkeitwird mit 35 Worten in der Minute angegeben.

Das System der drahtlosen Telegraphie von Lee de Forest-Smythe.

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Das wesentlich Neue an diesem System dürfte der verwendete Fritter sein, welcher als Gegenfritter zu bezeichnen ist, da sein Widerstand unter der Einwirkung elektrischer Wellen vergrössert wird. Ueber die Zusammenstellung dieses Fritters, welcher sich durch grosse Empfindlichkeit und rasches Ansprechen auszeichnet, fehlen alle näheren Angaben. Ausser diesem Fritter wird noch die Art der Wellenerzeugung als neu angegeben, indem an Stelle eines Induktoriums ein Transformator zur Anwendung gelangt, welcher von einem Wechselstrom gespeist wird. Der primäre Strom von 110 Volt Spannung bei 120 Wechseln in der Sekunde, wird in der Sekundären bis auf eine Spannung von 25000 Volt hinauftransformiert. Diese Anordnung kann jedoch nicht als etwas Neues angesehen werden, da schon Slaby die gleiche Anordnung dann wählt, wenn es sich um besonders weite Entfernungen handelt, für deren Ueberwindung ein grösserer Energiebedarf notwendig ist. Lee de Forest arbeitet ohne Abstimmung und ist die schematische Gesamtanordnung, wie das Schema Fig. 50 zeigt, wenig von der Anordnung von Marconi bezw. Slaby unterschieden. Für den Empfang wendet Lee de Forest, dem Beispiele von Marconi und Braun folgend, gleichfalls einen Transformator an, in dessen Sekundärkreis ein Kondensator, ein Fritter und ein Telephon eingeschaltet sind. Der für die Zeichengebung verwendete Taster ähnelt dem gewöhnlichen Morsetaster, ist aber, um ein rasches Arbeiten zu ermöglichen, so eingerichtet, dass er den Luftdraht selbsttätig von dem Sender zum Empfänger schaltet, sodass der Arbeitende in den Zwischenpausen zu horchen vermag, ob eine Nachricht aufzunehmen ist. Während des Horchens ist eine Umstellung des Zeichengebers auf Senden ausgeschlossen. Der Stromschluss und die Stromunterbrechung erfolgt mit Rücksicht auf die zur Verwendung gelangenden hohen Spannungen unter Oel und ist der Telegraphierende vollständig gegen die Berührung der, die Hochspannung führenden, Leitungen geschützt. Die Verwendung eines Telephones als Auf nähme Vorrichtung in Verbindung mit der selbständigen Umschaltung auf Senden und Empfangen durch den Zeichengeber und der ausserordentlichen Empfindlichkeit des Fritters ermöglichen ein sehr rasches Arbeiten und können unter günstigen Umständen 40 Worte in der Minute übertragen werden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit wird mit 25–30 Worten in der Minute angegeben. Die Zeichen werden nach dem Morsealphabet gegeben und machen sich die Striche und Punkte in dem Telephon durch entsprechend längere oder kürzere Geräusche bemerkbar. Ein geübter Gehörleser auf dem Morseapparate soll das Aufnehmen mit dem Telephone binnen wenigen Tagen erlernen. Es unterliegt jedoch keinem Anstände, den Telephonempfänger durch ein Relais, welches mit Rücksicht auf die gegenfrittende Wirkung des eigentlichen Empfängers auf Ruhestrom geschaltet werden muss, zu ersetzen. Für den Anruf wird auf das Telephon eine kleine Pfeife aufgesetzt, welche der Funkenfrequenz entsprechend abgestimmt ist. Nach diesem Systeme ist bereits eine Reihe von Stationen eingerichtet, wovon die Bemerkenswerteste die im Steeplechase Parke auf Coney Island ist, welche den höchsten Mast aller amerikanischen Stationen hat, da derselbe gegen 70 m hoch ist. Diese Station konnte mit einem nach demselben Systeme eingerichteten Schiffe, welches nur einen 20 m hohen Luftmast hatte, anstandslos