Text-Bild-Ansicht Band 318

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Versuche, die an einem und demselben Kessel das eine mal mit Rohrpumpe, das andere mal ohne Rohrpumpe ausgeführt wurden.

In No. 50 der Mitteilungen aus der Praxis des Dampfkessel- und Dampfmaschinenbetriebes 1902 findet sich folgender Bericht:

„In der Zentrale Moabit der Berliner Elektrizitätswerke fanden im Februar 1902 Vergleichs versuche mit Leinhaas-wasserröhrenkesseln statt, die mit Ueberhitzern und Dubiauschen Rohrpumpen ausgerüstet waren. Durch die Versuche sollte festgestellt werden, welchen technischen Wert die Rohrpumpe hat. Die Versuche sind von dem Werke mit allen erforderlichen Vorsichtsmassregeln ausgeführt worden. Es hat sich ergeben, dass bei normaler Anstrengung (20 kg/qcm Heizfläche stündlich) mit der Rohrpumpe eine Erhöhung des Nutzeffektes um 3,105 v. H, und eine Kohlenersparnis von 4,5 v. H. erzielt wurde. Bei maximaler Anstrengung (25 kg/cqm Heizfläche stündlich) wurde mit der Rohrpumpe eine Erhöhung des Nutzeffektes um 4,265 v. H. und eine Kohlenersparnis von 6,46 v. H. erzielt.“

Textabbildung Bd. 318, S. 420

Hierzu bemerkt allerdings die Direktion der Berliner Elektrizitätswerke in einer, in No. 3 der genannten Zeitschrift, Jahrgang 1903, veröffentlichten Zuschrift das folgende:

„Die angeführten Zahlen sind richtig, doch ist ein wesentlicher Punkt, der für die Beurteilung der Versuchsergebnisse nicht ausser acht gelassen werden darf, nicht erwähnt worden. Der Versuchskessel hat 310 qm Heizfläche und 8,25 qm Rostfläche, sodass bei dem Maximalversuch bei 25 kg Heizflächen und 137 –142 kg Rostbeanspruchung stündlich im Mittel 1150 kg Kohlen verbrannt werden mussten. Dies war bloss möglich, weil der Heizer alle zwei Stunden abgelöst wurde. Ebenso musste bei der kleinerenHeizflächenbeanspruchung von 20 kg f. d. qm der Heizer zeitweise durch einen zweiten Mann unterstützt werden.

Diese Art Kesselbetrieb kann nicht als normal bezeichnet werden, da ein Heizer andauernd maximal nur 700-800 kg Kohlen i. d. Stunde verfeuern kann, und sind daher nachträglich von uns weitere Vergleichsversuche gemacht worden, bei welchen der Heizer nur entsprechend unserem normalen Kesselbetrieb zu arbeiten hatte. Die Kesselbeanspruchung betrug hierbei etwa 18 kg f. d. qm Heizfläche.

Durch diese Versuche wurde festgestellt, dass die Dubiausche Pumpe praktisch und technisch für die Kessel von obengenannter Grösse keinen Vorteil mehr ergab, infolgedessen wir bei den neu aufgestellten Kesseln die Dubiaupumpe nicht mehr zur Anwendung gebracht haben.“

Da die in der Zentrale Moabit der Berliner Elektrizitätswerke ausgeführten Versuche auch allgemeines Interesse beanspruchen, so wandte sich der Verfasser an die Direktion der B. E.-W. mit der Bitte um Mitteilung der Versuchsergebnisse. Dieser Bitte wurde bereitwilligst entsprochen. Die Tabelle S. 422 enthält die wichtigsten Versuchszahlen.

Die ersten 8 Versuche beziehen sich auf den Bericht in No. 50 der Mitteilungen a. d. Pr. d. Dampfkessel- u. Dampfmasch.-Betriebes 1902, die letzten 4 Versuche dagegen auf die Zuschrift der Direktion der B. E.- W.

Die Versuche bringen leider die gesetzmässige Abhängigkeit des Kesselwirkungsgrades von der Beanspruchung der Heizfläche nicht ganz ungetrübt zum Ausdruck, jedenfalls weil es schwer ist, die Betriebsweise der Feuerung bei allen Versuchen genau gleich zu halten. Auffallend ist auch der relativ kleine Heizwert der Kohle beim letzten Versuch, der den höchsten Wirkungsgrad von 72,91 v. 11. ergab, allerdings auch bei der kleinsten Beanspruchung der Heizfläche