Text-Bild-Ansicht Band 318

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eine bemerkbare Selbstinduktion aufwies, so trat eine bedeutende Schwächung des Wertes des Empfanges ein. Man kann auf diese Weise die Aufnahme ganz unmöglich machen, wenn man hierfür eine Selbstinduktionsspule von genügender Induktanz einschaltet.

b) Einwirkung von benachbarten und parallelen Leitern auf den Auffangdraht. Wenn sich in der Nachbarschaft der Auffangstange zu ihr parallele Leiter befinden, welche mit der Erde verbunden sind, so schwächt sich der Wert des Empfanges ab, der Empfang wird unsicher und kann sogar gänzlich unmöglich werden. Schon vorher konnte Tissot den hindernden Einfluss auf den Empfang konstatieren, welchen das Tauwerk an den Masten der Schiffe auf die Aufnahme der Nachrichten ausübte. Die auf einem Schiffe zur Anwendung gelangende Auffangstange muss daher möglichst frei aufgestellt werden, um sie in eine gute Bedingung für den Empfang zu bringen.

Sobald die Empfangsstelle von der Sendestelle nicht allzuweit entfernt ist, kann man von zwei Auffangstangen, deren jede mit einem Fritter in Verbindung steht, Nachrichten aufnehmen. Dies ist auf weitere Entfernungen auch dann noch möglich, wenn sehr empfindliche Fritter zur Verwendung gelangen. Sobald sich jedoch die Sendestation so weit entfernt befindet, dass man schon an der Grenze des Empfanges angelangt ist, wird der gleichzeitige Empfang durch beide Auffangstangen unmöglich. Wenn in diesem Falle die Aufnahme durch eine dieser Auffangstangen genau ist, so verschwinden die Zeichen in der anderen Station gänzlich. Im allgemeinen wird die Aufnahme an beiden Stellen unzuverlässlich werden. Nimmt man jedoch die eine Auffangstange weg, so dass man nunmehr eine Aufnahme-steile hat, so wird die Aufnahme wieder vollkommen. Dieselbe wird auch dann wieder gut, wenn man die beiden Enden der Aufnahmestangen mit demselben Empfänger verbindet.

c) Oberfläche des Empfangdrahtes. Es ist ausser Zweifel, dass eine Vergrösserung der Oberfläche des Auffangdrahtes die Aufnahme verbessert. Durch Versuche wurde nachgewiesen, dass eine aus einem grossen metallischen Netze gebildete Auffangvorrichtung die Aufnahme zu einer besseren bezw. sicheren gestaltet, als bei Verwendung einer Auffangvorrichtung, welche nur aus einem einfachen metallischen Faden besteht. Diese Wirkung ist nun wie Tissot nachgewiesen hat, weder von der Form noch von der Kapazität der Auffangvorrichtung, sondern einzig und allein von deren Oberfläche abhängig. Da die Verbesserungen in der Aufnahme jedoch nicht bedeutend sind, so ist es bei der Schwierigkeit, derartige grossflächige Auffangvorrichtungen aufzustellen und zu erhalten, besser, sich auf die Anwendung der einfachen geraden Auffangstangen zu beschränken,

d) Einfluss eines zylindrischen, einen Schirm bildenden Leiters auf die Auffangvorrichtung. Bildet man die. Auffangstange aus einem bleibedeckten Kabel, dessen Bleiumhüllung auf eine grössere oder geringere Entfernung weggenommen wird, so lassen sich die wirksamsten Teile der Auffangvorrichtung genau feststellen.

Stellt in Fig. 71 EE' den äusseren zylindrischen Leiter und aa' den Draht der Auffangvorrichtung dar, so ergeben sich folgende Tatsachen:

1. Sind EE' und aa' von einander isoliert, so ist ein Empfang unmöglich, wenn der Draht bei a' mit dem Fritter verbunden wird. Wird hingegen E' mit dem Fritter verbunden, so ist die Aufnahme eine tadellose.

2. Verbindet man die beiden Enden von E und a miteinander und stellt die Verbindung des Fritters entweder mit a' oder E' her, so bleibt die Verständigung in beiden Fällen eine gleich gute und unterscheidet sich von der Verständigung mit einer normalen Einrichtung nicht.

3. Wird der Schirm, also in diesem Falle die Bleiumhüllung, von oben herabgehend nach und nach von dem eigentlichen Leiter aa' losgeschält, so dass der Leiter blank bleibt, wie sich dies aus Fig. 71 B bis F ergiebt, so wird der Empfang vorerst unmöglich, allein mit fortschreitender Länge der losgelösten Bleihülle wird der Empfang nach und nach regelmässig, schliesslich aber wieder unregelmässig.

Nachstehend sind die mit einer 40 m hohen Auffangstange gewonnenen Ergebnisse aufgezeichnet, bei welcherdie Bleiumhüllungen nach Fig. 71 von Meter zu Meter losgelöst wurde bis auf 20 m vom Boden.


Länge des
blanken Drahtes
Wert des Empfanges bei Verbindung
des Fritters mit
a' E'
0 m Null Gut
10 „ Null Gut
12 „ Schlecht Mittelmässig
14 „ Null Null
18 „ Mittelmässig Schlecht
20 „ Gut Gut

Diese Ergebnisse scheinen zu zeigen, dass der wirksamste Teil der Auffangstange der obere Teil ist. Man kann tatsächlich das Ergebnis der Aufnahme, wie es mit dem Leiter (Fig. 71 F) erzielt ist, dahin auslegen, dass der beobachtete gute Empfang dem Umstände zuzuschreiben ist, dass die obere Hälfte des als Aufnehmers zu bezeichnenden Leiters blank war. Der gute Empfang mit EE' kann möglicherweise dem zugeschrieben werden, dass die Konzentration der Wellen längs des ganzen Leiters a E' so stattfindet, als wenn derselbe ununterbrochen wäre, wobei die Nähe der beiden Leiter die Annahme gestattet, dass die beiden Leiter in dem Falle, dass E' mit dem Fritter verbunden ist, als ein Leiter gleich der Länge von aa' d. i. von 40 m betrachtet werden können.

Textabbildung Bd. 318, S. 426

In dem Falle der Fig. 71 B ist der obere blanke Teil der eigentlichen Auffangstange nicht genügend, um eine gute Aufnahme mit aa' zu erzielen. Dagegen lässt der gute Empfang durch EE' sich dem zuschreiben, dass die Wellen in dem blanken Teile von a' hinreichend konzentriert sind, um auf EE' übertreten zu können.

Die durch die Fig. 71 C, D, E dargestellten Lauen der Aufnahmestange ergeben dagegen Erscheinungen, die sich viel schwerer erklären lassen, da man sonst, wenn der Fritter mit E' verbunden ist, unter Bezugnahme auf die vorhergehend erklärten Erscheinungen eine Aequivalenz eines derartigen Empfängers mit einer gewöhnlichen Empfangsstange annehmen kann. In diesem Falle müsste die Aufnahme immer schlechter werden, je mehr die Umhüllung von dem eigentlichen Leiter weggenommen wird. Im Gegensatze hierzu müsste sich der Empfang bei weiterer Entblössung des Hauptleiters immer mehr verbessern, wenn derselbe mit dem Fritter in Verbindung steht.

Da dies jedoch, wie sich aus den Beobachtungen ergibt, nicht der Fall ist, so muss dieser Erscheinung eine andere Ursache zu Grunde liegen. Die Ergebnisse dem Auftreten von Interferenzerscheinungen zuzuschreiben, lässt sich mit der von Tissot festgestellten Tatsache nicht leicht vereinigen, dass der beste Empfang dann eintritt, wenn die entsendete Wellenlänge der vierfachen Höhe der Aufnahmestange entspricht. Es ist hierbei, wiewohl diese Tatsache noch keine bestimmte Erklärung gefunden hat, festzustellen, dass die drei Abschnitte, bei denen eine gute Aufnahme durch die Umkleidung der Aufnahmestange erfolgt, genau der ganzen, dreiviertel und ein halb der normalen Höhe dieser Stange entsprechen, wogegen jene Längen, welche nicht in einem