Text-Bild-Ansicht Band 318

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Die Konstruktion der Kurven muss jedoch immer auf einer sehr grossen Zahl von Messungen aufgebaut werden. Bei Vergleich der Kurven zeigt sich, dass der mittlere wahrscheinliche Wert von r ein verschiedener ist, und dass diese verschiedenen Werte auch verschiedenen Transmissionen entsprechen.

Hierdurch ist man in der Lage, die verschiedenen Transmissionsbedingungen gegenseitig vergleichen zu können, ebenso wie sich der Einfluss der Entfernungen bei gegebener Transmission vergleichen lässt. Vergleicht man die Form der Kurven für eine sehr grosse Anzahl von Röhren, so ist festzustellen, dass sich diese Kurven in drei von einander deutlich verschiedene Klassen einteilen lassen, deren Typen in den Fig. 74, A, B, C wiedergegeben sind.

Textabbildung Bd. 318, S. 444

Die Type A ist die am häufigsten vorkommende und entspricht einer regulär arbeitenden Röhre. Diese Type ist aber für jeden Fall ungünstiger, als die Type B, welche ein viel mehr hervortretendes Maximum aufweist und einen Spielraum für eine genaue Regulierung des Relais frei lässt. Die Type C entspricht einer mangelhaften Röhre, deren Mangelhaftigkeit in den grossen Sprüngen der gefundenen Widerstände ihre Ursachen hat, die es eben unmöglich machen, das Relais und den eingeschalteten Widerstand in einer Weise dauernd zu regulieren, dass ersteres den verschiedenen Bedingungen einer guten Aufnahme entspricht, Eine derartige Röhre soll daher, wenn sie sich auch als sehr empfindlich erweist, nicht verwendet werden, weil sie praktisch unbrauchbar ist.

Man ersieht hieraus, dass die Durchführung solcher Messungen auch einen grossen praktischen Wert haben, weil dieselben es ermöglichen, aus einer Reihe von Frittröhren die schlechten herauszufinden. Die aus einer grossen Zahl von Messungen gewonnenen Ergebnisse, welche auch einen Schluss auf die Konstruktion der Fritter gestatten, lassen sich wie folgt zusammenfassen.

1. Die Oxydation oder eine chemische Aenderung der Oberfläche der verwendeten Feilspäne oder der Elektroden eines Fritters ist nicht notwendig. Man kann gute Fritter auch mit nicht oxydierten Elektroden und Feilspänen herstellen.

2. Die Gegenwart von Wasser oder Wasserdampf in dem Fritter ist unter allen Umständen schädlich. Ein dauerhaftes Arbeiten mit einem Fritter ist nur dann möglich, wenn alle Teile desselben vorher mit grosser Sorgfalt getrocknet wurden.

3. Die Kohäsion oder das Fritten erfolgt mit der gleichen Leichtigkeit im luftverdünnten Raume wie in den verschiedenen indifferenten Gasen. Auch in verdünnten Gasen wird das Fritten nicht besser.

4. In dem Fritter treten, während derselbe dem Einflüsse elektrischer Wellen ausgesetzt ist, keine Funken zwischen den einzelnen Feilspänen auf.

Es ist in der Tat unmöglich, den geringsten Funken bei der Untersuchung des Fritters während der Aufnahme in einem dunklen Raume mit dem Miskroskope wahrzunehmen. Ebensowenig gelingt es, auf einer photographischen Platte, welche mit einem dem Empfange ausgesetzten Fritter durch mehrere Stunden in einem lichtabschliessenden Gehäuse eingeschlossen ist, bei der nachfolgenden Entwicklung einen Schleier zu entdecken. Tissot glaubt auch, dass sich weder Brücken noch Ketten im Fritter bilden.

5. Der Widerstand R der entfritteten Röhre und der Widerstand r derselben Röhre im Frittzustande sind für ein und dieselbe Röhre sehr veränderlich. Man beobachtet, dass der Wert von R unter dem Einfluss der Erschütterung beim Entfritten zwischen einem grössten Wert R2 und einem geringsten Wert R1 hin- und herschwankt. Bezeichnet Reinen mittleren Wert, so ist R1 < R < R2. In gleicher Weise nimmt der Wert von r unter dem Einflüsse der elektrischen Wellen einen grössten und einen geringsten Wert an, zwischen welchem er hin- und herschwankt. Man hat sonach auch hier die Beziehung r1 < r < r2.

Wird eine entfrittete Röhre, welche einen Widerstand R aufweist, der zwischen R1 und R2 liegt, dem Einflüsse elektrischer Wellen ausgesetzt, so behält sie nach dem Einflüsse der Wellen entweder diesen Wert (der Fritter erweist sich dem Einflüsse der elektrischen Wellen gegenüber unempfindlich) oder er nimmt einen Widerstand an, dessen Wert r zwischen r1 und r2 liegt.

Es ergibt sich ferner, dass Entfrittung durch einen Schlag nur dann eintritt, wenn die Intensität des Stromes oder besser gesagt die Dichte des die Röhre durchlaufenden Stromes unter allen Umständen unter einem gewissen Grenzwert liegt, der sich für jeden Fritter, ohne Rücksicht auf die elektromotorische Kraft, welche zur Anwendung gelangt, ändert. Es kann z.B. ein Fritter, welcher unter einer Spannung von 0,1 Volt funktioniert, unter günstigen Bedingungen auch bei einer aufgewendeten Spannung von 1 und selbst 10 Volt unter der Bedingung gut funktionieren, dass ein entsprechender Widerstand (r' in Fig. 72) eingeschaltet wird, sodass die Stromdichte immer unter der gegebenen Grenze liegt.

Dementsprechend scheint es, dass der Begriff der kritischen elektromotorischen Kraft der Kohäsion nicht aufrecht erhalten werden kann und durch den kritischen Strom oder die kritische Intensität ersetzt werden sollte.

Es sind nun zwei Werte dieser Intensität zu betrachten, und zwar der Wert

(wobei ρ den Widerstand ausserhalb der Frittröhre bedeutet), welcher zwischen
und
für die entfrittete Röhre hin- und herschwankt, und der Wert
, welcher zwischen
und
bei der frittenden Röhre hin- und herschwankt. Für die Entfrittung unter dem Einflüsse der Erschütterung kommt der Wert
hauptsächlich in Betracht.

Für eine gegebene Röhre wird die Empfindlichkeit umso grösser, je geringeren Wert man dem äusseren Widerstände gibt, d.h. je mehr man sich jener Grenze nähert, über welche eine Entfrittung nicht mehr möglich wird.

Desgleichen wird die Empfindlichkeit umso grösser, je mehr sich der Wert von R dem geringsten Wert R1 nähert, oder um es schärfer auszudrücken, der Fritter wird um so empfindlicher, je mehr sich R von dem Werte R2 entfernt.

3. Die Versuche von A. Turpain.

Diese Versuche beschränkten sich darauf, die Wirkung von hohlen Leitern in bezug auf den Schutz gegen die Durchdringung der Wellen sowie die Konzentration der Wellen an der Innenseite der Leiter zu erforschen. Hierbei wurde ein Erreger in eine Kiste von ungefähr 25 cm Kantenlänge eingeschlossen, welche innen mit Zinnfolie bekleidet war. Der Empfänger bestand aus einem Fritter, einem Relais, einer Glocke und einer Batterie, und wurde gleichfalls in einer ähnlichen Kiste eingeschlossen. Jede dieser Kisten hatte eine kreisförmige Oeffnung von 14 mm Durchmesser, durch welches ein aus einem blanken Drahte, einer Röhre oder einem Bleikabel bestehendes Leiterstück von 10 m Länge eingeführt werden konnte. Sobald die Kisten des Empfängers und Senders vollkommen geschlossen sind, ist keine Wirkung möglich, ebenso wenn die Oeffnungen frei sind und die Einrichtungen durch eine metallische Röhre verbunden werden. Sobald jedoch die Röhre in die Kisten eintritt, ohne dass sie die Zinnverkleidung berührt, oder wenn die Kisten überhaupt abgehoben werden, tritt ein entschiedenes Ansprechen ein. Es scheint in diesem Falle die Röhre die Wellen auf dem Empfänger zu konzentrieren. Die Wirkung wird jedoch eine bessere, wenn an Stelle der Röhre ein metallisch belegtes Kabel verwendet wird, wobei die Kabelseele die beiden Apparate verbindet. Die Wirkungsweise der Metallumkleidung lässt sich hier ebenfalls nur durch eine Konzentrierung der Wellen erklären. Diese Wirkung wird jedoch nicht verschlechtert, wenn ein