Text-Bild-Ansicht Band 318

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kurzes Stück der Umkleidung des Kabels weggenommen wird, vorausgesetzt, dass keine Berührung der Seele mit der Kistenverkleidung besteht. Diese Erscheinung lässt sich nun auch für die drahtlose Telegraphie verwerten und schlägt Turpain diesbezüglich vor, sowohl Sender als Empfänger mit dem Luftdraht durch ein metallisch umkleidetes Kabel zu verbinden. Die Untersuchungen, die in dieser Richtung angebahnt wurden, zeigten, dass es keine Störung verursacht, wenn die Kabelumkleidung unmittelbar mit dem Sendedrahte verbunden wird. Beim Empfänger bildet die Verbindung der Kabelumhüllung mit dem Empfangsdrahte einen sehr wirksamen und passenden Schutz gegen die von der eigenen Station entsendeten Wellen. Diese Verbindung muss aber für den Empfang unbedingt unterbrochen werden.

Einige Beobachtungen im praktischen Betriebe.

Kapitän Jakson bringt einige wertvolle Beobachtungen über die Uebertragung elektrischer Signale auf der See über dazwischenliegendes Land. Er stellte fest, dass die Wellen unter gewissen Umständen die Fähigkeit haben müssen, durch oder über das zwischenliegende Hindernis, oder, was wahrscheinlicher ist, um dasselbe zu gehen, wobei jedoch deren Energie unter allen Umständen geschwächt wird, und der Grad dieser Schwächung von der Höhe, Weite und Natur des Hindernisses abhängt. In einem Falle konnte über ein aussergewöhnliches, steiles aber schmales Kap, dessen Höhe annähernd 265 m betrug, und welches aus hartem, eisenhaltigen Gestein bestand, mit einem 46 km entfernten Schiffe, welches um dieses Kap kreuzte, nur so lange gesprochen werden, als dieses Schiff nicht hinter dem Kap verschwand. Sobald dies eintrat, war die Signalisierung sofort abgeschnitten, obgleich auf offener See bis über 72 km anstandslos mit demselben verkehrt werden konnte. Das Kap warf tatsächlich einen scharfen Schatten der elektrischen Wellen und die Signale verschwanden in dem Augenblick, wo der Empfänger hinter den Klippen verschwand. Andere Gesteinarten zeigten diese Störung in viel geringerem Masse, und zwar erwies sich reiner Kalkstein schon weniger störend und Sandstein noch viel günstiger. Ueber eine Klippe aus porösem Korallensandstein von annähernd 83 m Höhe und 9,6 km Breite wurde die Entfernung, über welche noch gesprochen werden konnte, von 40 km auf 32 km herabgemindert.

Das Wetter übt gleichfalls einen grossen Einfluss auf die Sicherheit der Nachrichten Vermittlung und die Entfernung für selbige aus. Dies zeigt sich namentlich in den subtropischen Gegenden. Im Mittelmeere behindert der Siroccowind, welcher Feuchtigkeit, Salz und Staub mit sich führt, die Fortpflanzung der elektrischen Wellen in starkem Grade. Blitzschläge erregen immer Signale, welche den telegraphischen Verkehr mit Rücksicht auf die hierdurch möglicherweise hervorgerufenen Verstümmelungen der Morsezeichen zu einem unsicheren gestalten. In Bezug auf den Wert der Erdverbindung stellte Jakson fest, dass deren Abwesenheit im Empfänger die sonst erreichbare Entfernung um 50 bis 70 v. H. und beim Sender um 85 v. H. verringert. Wird jedoch ein passender Kondensator verwendet, so wirkt derselbe fast ebenso gut wie die Erde. Der Sende- und Empfangsdraht erscheint hingegen unentbehrlich, indem ohne solche trotz sehr guter Erdverbindung nicht über 3,6 km signalisiert werden konnte.

Marconi machte bei seinen Voruntersuchungen zur drahtlosen Telegraphie über sehr grosse Entfernungen die Wahrnehmung, dass in bezug auf die erreichbare Entfernung der Vermittlung, zwischen Tag und Nacht ein bedeutender Unterschied besteht, indem bei Ueberschreitung einer gewissen Entfernung die gegebenen Zeichen am Tage ausblieben, während sie zur Nachtzeit vollkommen deutlich anlangten. Die kritische Entfernung wird hierfür mit 800 km angegeben. Es ist hierbei von Wichtigkeit, hervorzuheben, dass sich die Zeichen vom Uebergange der Nacht zur Dämmerung, bis zum Erscheinen des vollen Tageslichtes fort und fort verschlechterten um endlich gänzlich auszubleiben. Die Schwächung der Zeichen war, so lange dieselben zur Tageszeit überhaupt noch anlangten, in der Zeit von 12-1 Uhr mittags die stärkste, wogegen in der Mitternacht eine derartige Abschwächung nicht beobachtet wurde.

Die Ursache dieses beobachteten Unterschiedes in der Wirkungsweise, wie solche im Vergleiche zwischen Tages- undNachtzeit festgestellt wurde, schreibt Marconi der durch den Einfluss des Tageslichtes hervorgerufenen Entladung des übertragenden elektrischen Leiters durch einfache Ausstrahlung zu. Es dürften die elektrischen Schwingungen in dem übertragenden erhöhten Leiter nicht jene Amplitude erreichen, wie solche in der Dunkelheit auftritt. Die Entladung von negativ geladenen Körpern durch den Einfluss des Lichtes wurde schon früher vielseitig beobachtet. (Elster & Geitel, Righi u.a.) Da nun jede zweite Schwingung in dem übertragenden Leiter, denselben notwendigerweise negativ ladet, kann angenommen werden, dass der Einfluss des Lichtes auf den negativen Teil der elektrischen Wellen ausreichend ist, um diese Abnahme der Schwingungsamplitude hervorzurufen.

Zur Untersuchung dieser sicher wichtigen Erscheinung der Verringerung der Uebertragungsentfernung unter dem Einflusse des Tageslichtes, unternahm Marconi bei seiner Rückkehr von Amerika Versuche zwischen der Station Poldhu und dem 243 km entfernten North-Haven und fand hierbei, dass die Signale von Poldhu in North-Haven bei Nacht vollkommen deutlich einlangten, wenn die vier vertikalen Sendedrähte 12,1 m hoch waren, während dieselben unter sonst ganz gleichen Bedingungen auf 18,5 m erhöht werden mussten, um die Zeichen unter Tags mit der gleichen Klarheit zu erhalten.

Andere Versuche zum Nachweise des Einflusses des Tageslichtes auf die Funkenstrecke, lieferten ein negatives Ergebnis, indem die Wirkung, wenn die Funkenstrecke vom Tageslichte abgeschlossen wurde, ganz dieselbe blieb, wie wenn sie vom Tageslichte bestrahlt wurde.

Dass Marconi bei seinen früheren Versuchen einen Unterschied zwischen der Signal Vermittlung bei Tag und Nacht nicht zu beobachten vermochte, schreibt er, trotzdem sich dieselben über ziemlich grosse Entfernungen erstreckten, dem Umstände zu, dass die hierbei verwendeten elektrischen Kräfte im Vergleich mit jenen, welche für die erwähnten Versuche mit der Uebertragung auf sehr grosse Entfernungen zur Anwendung gelangen, verhältnismässig geringe waren. Wahrscheinlich hat das erhöhte Potential, auf welches der Luftdraht in Poldhu bei diesen Versuchen geladen wurde, die Leichtigkeit, mit welcher Verluste durch die Ausstrahlung unter dem Einflüsse des Tageslichtes eintreten, beträchtlich vergrössert.

Textabbildung Bd. 318, S. 445

Von hervorragendem Interesse sind die Versuche, welche Marconi auf dem mit Einrichtungen zur Funkentelegraphie I ausgerüsteten italienischen Kreuzer „Carlo Alberto“ im Verkehre mit der Station Poldhu durchführte. Die Fahrt dieses Kreuzers erstreckte sich von Portland bis nach Kronstadt; und von da über England zurück bis nach Neapel. Die Einrichtung des Schiffes war eine den neueren Errungenschaften vollkommen entsprechende, und kamen als Empfänger! entweder der neue Marconi'sche elektromagnetische Wellenempfänger in Verbindung mit einem Telephon, oder ein Fritter in Verbindung mit einem Morseschreiber zur Anwendung. Selbstredend waren alle Vorrichtungen zur Herstellung einer genauen Abstimmung gleichfalls vorhanden. Vor Beginn der Versuche wurden die Mäste des Schiffes um 10 m erhöht und mit der in Fig. 75 dargestellten Auffangvorrichtung versehen. Die Verbindungen der Drähte waren in der sorgfältigsten Weise isoliert. In der Sendestation gelangten 100 Drähte, die in ähnlicher Weise, wie dies I Fig. 76 zeigt, angeordnet und 70 m hoch waren, zur Anwendung. Diese Drähte wurden auf ein Potential geladen, welches aus! reichend war, um zwischen einem dieser Drähte und einem