Text-Bild-Ansicht Band 318

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Eigenschaften behalten sollen: hier nimmt man Alkohol als Lösungsmittel.

„Ueber das Dufton-Gardner-Licht“ sprach Jos. Rudolf, Gera-Reuss. Eine der anstrengendsten und wichtigsten Arbeiten des Färbers besteht im sogenannten „Mustern“. Es wird von ihm verlangt, dass seine Ausfärbungen vollständig mit den ihm gegebenen Proben übereinstimmen und zwar nicht nur bei Tageslicht, sondern auch bei künstlicher Beleuchtung. Nun sind die dem Färber übergebenen Färbmuster oft winzig klein, kaum 1 qcm gross, einige lose Fäden und dergl., häufig auch aus ganz anderem Material, als der zu färbende Stoff.

Es ist allgemein bekannt, dass das Aussehen der Farben von der Art der Belichtung abhängig ist. In früherer Zeit, als die natürlichen Farben noch das Gebiet beherrschten, und nur wenige Farbstoffe – für Blau z.B. nur Indigo in Betracht kam – war es für den Färber Verhältnis massig leicht, die richtige Färbung zu treffen, denn der gleiche Farbstoff ändert mit der Beleuchtung in gleicher Weise das Aussehen der Färbung.

Diese gewissermassen idealen Zustände änderten sich aber mit Einführung der Anilinfarben. Es kommt vor, dass zwei Blaus am Tage vollständig gleich scheinen, bei Gaslicht dagegen das eine rot, das andere grün. Ganz besonders; schwierig für das Mustern zeigten sich aber die Anilin violett s. da sie das Spektrum einsaugen, auch das Orange II bereitete die gleichen Schwierigkeiten.

Das Bedürfnis nach einem künstlichen Licht, ähnlich dem Tageslicht lag also schon längst, vor. Das elektrische Bogenlicht sollte diesem Zwecke dienen, es zeigte sich aber bald, dass die bei ihm gemachten Ausmusterungen häufig falsch waren. Dann wurde auch das Magnesiumlicht benutzt, doch auch dieses kommt dem Tageslicht nicht gleich; es ist ausserdem den Augen schädlich. Auch andere Belichtungsverfahren wurden empfohlen und wieder verworfen. Rot und gelb lassen sich allenfalls bei Bogenlicht mustern, schlecht aber grau, braun, olive, mode usw., blau fast gar nicht. Durch spektroskopische Prüfung verschiedener Farbennuancen kann man diese Tatsache am besten erkennen. Typisches Rot ist nur für rotes Licht durchscheinend: es absorbiert den ganzen übrigen Teil des Spektrums. Gelb dagegen ist durchlässig für zwei Drittel des Spektrums, sämtliche Blaus lassen natürlich blaues, violettes und grünes und mehr oder minder auch rotes Licht durch, leider auch orange und gelb: am besten ist da noch das Patentblau von Höchst.

Gerade das Durchlassen von rotem Licht bei allen künstlichen Farbstoffen bedingt die Schwierigkeit des Musterns. Nur wenige Farben sind auf einen Teil des Spektrums beschränkt,diese, wie rot, orange, gelb verursachen die wenigsten Schwierigkeiten; ein vollkommenes Grün existiert noch nicht, man erhält es annähernd durch Mischen eines guten Gelb mit Säuregrün oder Patentblau. Die Mehrzahl der blauen Farben zeigen bei Gaslicht einen roten Stich, Patentblau mehr grün, Indigo behält seinen Charakter.

Auch das Tageslicht zeigt beim Mustern seine Schattenseiten, denn es ist nicht gleichmässig und abhängig von der Beschaffenheit der Atmosphäre und vom Stande der Sonne. Direktes Licht ist ganz zu verwerfen, geeignet nur das Licht von der Nordseite, dieses hat einen grösseren Gehalt an violetten, blauen und grünen Strahlen, als das direkte Sonnenlicht, das Licht vom klaren Norden ist unverkennbar blau, aber es bleibt nicht unbeeinflusst durch die Nähe und Beschaffenheit von Bauwerken.

Das klare Licht vom Norden steht aber dem Färber verhältnismässig kurze Zeit zur Verfügung. Um sich also davon ganz unabhängig zu machen, und zu jeder Zeit mustern zu können, suchten Dufton-Gardner nach einem gleichmässigen künstlichen Licht, das an Güte dem besten Tageslicht nicht nachstehen sollte: sie gingen dabei vom Bogenlicht aus. Dasselbe besteht nun aus zwei Teilen; es wird gebildet aus:

1. dem purpurnen Licht des Bogens, mit zwei kräftigen violetten Bändern.

2. dem Licht des Kraters. Dieses kommt dem direkten Sonnenlicht sehr nahe; es ist zu reich an rot; je länger der Bogen ist, desto mehr violettes Licht ist vorhanden, deshalb sind geschlossene Lampen günstiger, als offene.

Die Versuche von Dufton-Gardner blieben sehr lange erfolglos. Erst als sie erkannt hatten, dass verdünnte Lösungen von Kupfersalzen, welche rot kräftig absorbieren, blau und violett durchlassen, ein vorzügliches Lichtfilter bilden, erreichten sie ihr Ziel: Sie stellten nun eine durch Kupfersalze blau gefärbte Glasglocke her, in der sie den Bogen einschlössen. Er brennt also in einer Stickstoffatmosphäre und sein Licht wird filtriert, ehe es auf das zu musternde Präparat fällt.

Kleinere Lampen, z.B. für Laboratoriumszwecke lassen sich nicht herstellen, denn der Bogen muss eine bestimmte Länge haben, es liegt aber auch kein grosses Bedürfnis vor, da Anschaffungs- und Betriebskosten nicht wesentlich niedriger ausfallen würden, wie bei einer grossen Lampe.

Durch zahlreiche Versuche und praktische Anwendung ist festgestellt, dass dieses Licht mit gutem Tageslicht vollkommen übereinstimmt, aber beständiger, als dieses ist. Der Färber ist damit von Jahreszeit, Witterung und Tageszeit unabhängig geworden.

Dr. Fritz Krüger.

Kleinere Mitteilungen.

Neues Verfahren zur Prüfung von Eisenbahnschienen.

In der „Revue Industrielle“ vom 24. Januar d. J. berichtet M. Ch. Frémont über ein neues Verfahren zur Prüfung von Eisenbahnschienen, welches sich besonders zur Abnahme von Schienenlieferungen eignen soll.

Nach Ansicht Frémonts sind die in Frankreich gebräuchlichen Versuchsverfahren:

  • 1. der Zugversuch, zur Bestimmung der Bruchfestigkeit und Dehnung des Materials,
  • 2. der Biegeversuch unter stetig fortschreitender Belastung zur Ermittlung der Elastizitätsgrenze,
  • 3. der Schlagbiegeversuch, zum Zwecke der Feststellung, in welchem Masse das Material elastisch ist,

zwar alle drei zur Beurteilung des Materials von erheblicher Bedeutung, lassen jedoch in vielen Fällen gerade diejenigen Eigenschaften des Materials nicht zu Tage treten, die oft plötzliche Brüche im Betriebe herbeiführen. Solche Schienen, die im Betriebe plötzlich zum Bruch kamen, können sehr wohl bei allen drei Versuchsarten normalen Abnahmebedingungen genügt haben, wohingegen das Gefüge auf den Bruchflächen der Schienen ohne weiteres erkennen lässt, dass die Gründe für den plötzlichen Bruch in der Ungleichmässigkeit des Materials, im Vorhandensein unganzer Stellen oder harter Einlagerungen zu suchen sind. Häufig pflegt bei solchen Schienen das Material der äusseren Zonen des Profils, die in der Hauptsache die Belastung aufnehmen, ganz normale Eigenschaften zu haben. Die ungesunden Stellen im Innern derSchiene werden jedoch durch die Dauerbeanspruchung im Betriebe Veranlassung zu Anbrüchen, die sich von innen nach aussen fortpflanzen und schliesslich unerwartet zum Bruch der Schiene führen, geben.

Um auch durch den Versuch sichere Anhaltspunkte für die Verwendbarkeit des abzunehmenden Schienenmaterials zu gewinnen, soweit dies überhaupt im Rahmen einer Abnahmeprüfung möglich ist, schlägt Frémont Schlagbiegeversuche mit eingekerbten Schienen vor. Er verwendet hierzu Schienenabschnitte von ½ m Länge, deren Fuss in halber Länge des Stückes mit einer Rundkerbe versehen ist, die bis in die Mitte des Fussquerschnittes hineinreicht. Die Schiene wird an beiden Enden auf halbzylindrige, gehärtete Stahlunterlagen von 14 mm Durchmesser, die 40 cm von einander entfernt liegen, mit der eingekerbten Seite nach unten aufgelegt. Das Bärgewicht wird so schwer gewählt, dass Schienen selbst aus bestem Material bei 5 m Fallhöhe zum Bruch gebracht werden. Nach dem Bruch werden die Bruchflächen aneinander gelegt, und als Gütemasstab dient entweder die Dehnung des Materials auf der eingekerbten Seite oder der Biegewinkel oder die Durchbiegung beim Bruch.

Für Schienen aus sonst ganz normalem Material fand Frémont bei diesem Verfahren teilweise Durchbiegungen von 6-20 mm, während andere gar keine Durchbiegung zeigten.

Zur praktischen Schienenabnahme wäre nach Ansicht Frémonts bei Anwendung dieses Verfahrens nur die Festsetzung der niedrigsten zulässigen Durchbiegung beim Bruch als Abnahmebedingung erforderlich.

Mlr.