Text-Bild-Ansicht Band 318

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klarzulegen, bezüglich dieses Gegenstandes braucht nur auf andere Quellen hingewiesen zu werden (Z. V. D. I. 1888 und 1891).

Beinahe immer fasst man an Einspritzkondensatoren für einzelne Dampfmaschinen, welche meist nach dem Gleichstromprinzip arbeiten, Luft- und Mischwasserpumpe zusammen und betätigt ihren gemeinsamen Kolben mittels irgend eines Gestänges von der Kurbel oder vom Kreuzkopf aus. Nur selten verlässt man aus triftigen Gründen diese Anordnung; so können u.a. ungünstige Raumverhältnisse oder der spätere Anbau eines Kondensators den Ersatz des unmittelbaren Antriebes durch ein Riemen- oder Zahnrädervorgelege, auch einen besonderen Dampfzylinder notwendig machen.

Textabbildung Bd. 318, S. 453

Zwei Beispiele derartiger unabhängiger Kondensatoren zeigen Fig. 4 und 5; erstere stellt einen Riemenkondensator dar, im zweiten Bilde ist ein Simplexdampfzylinder dem Pumpenzylinder gegenüber an das Zwischenstück geschraubt. Diese beiden Bauarten bieten den Vorteil, dass man bei häufigen Betriebspausen (Förder- und Walzenzugmaschinen) gerade während der Anlaufdauer den Gegendruck bis auf die Luftleere des Kondensators vermindert und so die Zugkraft der Maschine im gleichen Masse vergrössert. Ausserdem kann man, was ebenfalls in vielen Fällen von Wert ist, einem unabhängigen Kondensator selbst während des Stillstandes der Hauptmaschine den Abdampf von Hilfsmaschinen (Pumpen und Ventilatoren, Eis- und Lichtmaschinen u.s.w.) zuführen. So entsteht gewissermassen ein Zentralkondensator, welcher einerseits die Wartung der ganzen Anlage vereinfacht und andererseits infolge seiner Grösse einen besseren Wirkungsgrad ergibt wie mehrere einzelne Kondensatoren für geringere Leistung.

Auf grossen Hüttenwerken ist die Errichtung einer Zentralkondensation mindestens ebenso wichtig wie der Bau einer Dampfkessel- oder Elektrizitätszentrale. Hier findet man, und das beweist die Wichtigkeit solcher Anlagen, fast jedes Kondensatorsystem – Einspritz- und Oberflächenkondensator mit den verschiedensten Abänderungen – vertreten.

Je nachdem ein Kondensator vom Kühlwasser und dem Abdampfe in gleich- oder gegen gerichtetem Sinne durchflössen wird, unterscheidet man Gleichstromkondensatoren und Gegenstromkondensatoren. Die erste Hauptart wird namentlich durch die an Dampfmaschinen üblichen Einspritzkondensatoren mit nasser Luftpumpe vertreten; hier bewegen sich Kühlwasser und Abdampf in gleicher Richtung von oben nach unten, und die tatsächliche Kondensatorspannung pk setzt sich nach dem Daltonschen Gesetze aus der Dampfspannung pd und der Luftspannung pl zusammen, so dass

pk = pd + pl

Anders indess beim Gegenstromkondensator. Dieser trennt die Luft sehr energisch vom Wasserdampf und führt sie an die höchste und kühlste Stelle des Niederschlagraumes, dorther saugt die Luftpumpe und die Kondensatorspannung pk sinkt mit Leichtigkeit bis fast genau auf die der Kühlwassertemperatur gemässe Dampfspannung pd. Die meisten und bekanntesten Ausführungen solcher Gegenstromeinspritzkondensatoren rühren von F. J. Weiss (Basel) her; ihre Bauart und Wirkungsweise ist bereits so oft in Zeitschriften und Lehrbüchern geschildert worden, dass es sich erübrigt, ihnen nochmals eine ausführliche Beschreibung zuteil werden zu lassen. Ihre Hauptvorzüge beruhen darin, dass sie mit verhältnismässig wenig Einspritzwasser, selbst bei langen Rohrleitungen von mangelhafter Dichtheit eine kräftige Luftleere erzeugen und für die Kesselspeisung ein Mischwasser liefern, dessen Wärmegrad ziemlich dem des Abdampfes im Kondensator entspricht.

Neuerdings ist, wie hier erwähnt werden soll, der Weisskondensator durch J. Klein-Frankenthal (Maschinen- und Armaturfabrik vorm. Klein, Schanzlin & Becker) vereinfacht und verbessert worden. Nähere Mitteilungen über diese äusserst zweckmässige Kondensatorart würden zu weit gehen; Heft 3 des Jahrganges 1903 der Zeitschrift „Glückauf“ (Essen) enthält einen längeren Bericht über eine solche Zentralkondensation, welche auf Geisheckschacht der Königlichen Grube Heinitz bei Saarbrücken im Betriebe ist. Dort