Text-Bild-Ansicht Band 318

Bild:
<< vorherige Seite

also zunächst auf die Schaufeln eines beweglichen Kranzes, wird von den Schaufeln des folgenden feststehenden Kranzes zurückgeworfen um sodann auf den nächsten beweglichen Kranz aufzutreffen. Diese Anordnung ermöglicht es, eine hohe Dampfgeschwindigkeit wirksam auf ein relativ langsam umlaufendes Element zu übertragen. Die Expansionskammer besitzt mehrere Ausströmungsöffnungen, sodass der Dampf bei gleichzeitiger Oeffnung derselben in Form eines breiten Bandes gegen die Schaufelräder strömt. Jede Turbine setzt sich zusammen aus mehreren Schaufelradsätzen mit Expansionskammern. Die Zahl der Sätze oder die Zahl der Räder f. d. Satz richtet sich im allgemeinen nach der gewünschten Grösse der Umfangsgeschwindigkeit; je niedriger letztere ist, eine desto grössere Anzahl von Sätzen, Rädern f. d. Satz oder beides gleichzeitig ist erforderlich. Die Verluste oder Undichtigkeiten in einem der Sätze kommen den nächstfolgenden wieder zugute in Gestalt grösserer Wärme oder grösserer Dampfmenge und ersetzen sich daher zum Teil wieder. Auch Verluste durch Wieder Verdampfung von Kondensationswasser fallen fort, da das Wasser in die nächsten Kammern eintritt, wo eine niedrigere Dampftemperatur herrscht.

Textabbildung Bd. 318, S. 491
Textabbildung Bd. 318, S. 491

Die Steuerung geschieht in der Weise, dass die Ventile vv in bestimmter Reihenfolge geöffnet und geschlossen werden. Es können auch, wenn es aus gewissen Gründen, besonders der Einfachheit halber, angebracht erscheint, die entsprechenden Ventile aller Kammern gleichzeitig geöffnet bezw. geschlossen werden. Fig. 2-5 sind Schaulinien, welche den Dampfverbrauch der Turbinen unter Zugrundelegung einer Maschineneinheft von 600 Kilowatt in Abhängigkeit von der Belastung,dem Admissionsdruck, dem Grade der Ueberhitzung, sowie dem verwendeten Vakuum wiedergeben. Fig. 2 zeigt die hohe Wirtschaftlichkeit der Turbinen; die obere Linie gilt für den Betrieb mit nicht überhitztem Dampf, die untere Linie bei Ueberhitzung des Dampfes um 83,5° C. Die verwendete Umfangsgeschwindigkeit betrug 126 m/Sek. Der Wirkungsgrad bei geringer Belastung ist verhältnismässig hoch und fällt bei Ueberlastung nicht ab, wie dies bei gewöhnlichen Dampfmaschinen der Fall ist. Die Linien (Fig. 4 und 5) für den Grad der Ueberhitzung und des Vakuums sind gerade Linien. Sie zeigen durch ihren Verlauf den grossen Vorteil hoher Ueberhitzung und hohen Vakuums.

Textabbildung Bd. 318, S. 491
Textabbildung Bd. 318, S. 491

Ein nicht zu unterschätzender Vorzug der Curtisschen Turbine ist der, dass der Dampf mit Oel nicht in Berührung kommt, und dass daher das Kondenswasser ohne vorherige Reinigung wieder als Kesselspeisewasser Verwendung finden kann. Der Raumbedarf von Turbinengeneratoren ist im Vergleich zu Dampfmaschinenbetrieben ein äusserst geringer, gleichzeitig ist der Aufbau der Fundamente ein sehr einfacher und billiger. Eine z. Zt. im Bau begriffene Maschineneinheit für 5000 Kilowatt soll auf Grund angestellter Berechnungen zwischen halber Belastung und 50 v. H. Ueberlastung nur um etwa 3 v. H. in ihrem Wirkungsgrad schwanken. Die Gewichte einer solchen Maschine verhalten sich zu denen einer gleich grossen durch eine senkrechte Corlissmaschine betriebene Einheit ohne Rücksicht auf die Fundamente wie 1 : 8. Noch krasser fällt der Vergleich mit einer wagerecht angeordneten Verbundmaschine aus. Es liegt daher auf der Hand, dass sich unter Benutzung von Turbinengeneratoren Erweiterungen grosser Kraftwerke im Innern grosser Städte ohne neuen Grunderwerb höchst wirtschaftlich ausführen lassen, und es steht zu erwarten, dass die Curtissche Turbine einen völligen Umschwung im Bau von elektrischen Kraftwerken herbeiführen wird.

Neue Fahrgeschwindigkeitsmesser für Lokomotiven.

In den Kreisen der Eisenbahnfachleute herrscht wohl eine Meinung darüber, dass es immer mehr dringendes Bedürfnis wird, dem Lokomotivführer einen sicher wirkenden und genau anzeigenden Geschwindigkeitsmesser zu geben,damit er imstande ist, die jeweilige Fahrgeschwindigkeit zu jeder Minute ebenso mühelos ohne Proben abzulesen, wie den Wasserstand und Dampfdruck im Kessel. Durch grosse Uebung lassen sich kleinere Fahrgeschwindigkeiten genügend