Text-Bild-Ansicht Band 318

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DINGLERS
POLYTECHNISCHES JOURNAL.

84. Jahrg., Bd. 318, Heft 33. Berlin, 15. August 1903.

Textabbildung Bd. 318, Hefttitelillustration

Jährlich 52 Hefte in Quart. Abonnementspreis vierteljährlich 6 Mark (Postzeitungsliste No. 2193), direkt franko unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich 6 M. 65 Pf., für das Ausland 7 M. 30 Pf. Redaktionelle Sendungen und Mitteilungen bittet man zu richten: An die Redaktion von „Dinglers Polytechn. Journal“ in Charlottenburg, Technische Hochschule, die Expedition betreffende Schreiben an Richard Dietze, Verlagsbuchhandlung in Berlin W. 66, Buchhändlerhof 2.Preise für Anzeigen: 1 mm Höhe 1 spaltig (48 mm Breite): 10 Pf., 2 spaltig (96 mm Breite): 20 Pf., 3 spaltig (144 mm Breite): 30 Pf., 4 spaltig (192 mm Breite): 40 Pf. Bei 6, 13, 26, 52 maliger Wiederholung 10, 20, 30, 40 Prozent Rabatt. Beilagen bis 20 Gramm 30 Mark netto. – Anzeigen und Beilagen nehmen an die Verlagshandlung Berlin W. 66, Buchhändlerhof 2 und sämtliche Annoncen-Expeditionen.

Moderne Dampfkesselanlagen.

Von O. Herre, Ingenieur und Lehrer in Mittweida.

(Fortsetzung von S. 505 d. Bd.)

Bei den bisher behandelten Kesselsystemen mit geteilten Wasserkammern befanden sich die letzteren an beiden Enden der Rohre; die geteilten Wasserkammern sind aber auch bei Kesseln mit Zirkulationsröhren in Anwendung, bei welchen dann die Kammern nur an einem Röhrende vorhanden sind.

Der wichtigste Kessel dieser Art ist der Niclaussekessel, der insbesondere als Marinekessel eine sehr bedeutende Verbreitung gefunden hat.1)

Textabbildung Bd. 318, S. 513

Fig. 265 zeigt einen Querschnitt des Kessels. Von dem Dürrschiffskessel unterscheidet sich der Niclaussekessel zunächst durch die Anwendung von Einzelkammern, die nur je zwei vertikale Rohrreihen vereinigen, und dann durch verschiedene wichtige Einzelheiten.

Fig. 266 zeigt die bisher am meisten benutzte Einzelkonstruktion des Rohrelementes. Das äussere Rohr a wird aus weichem Stahl gefertigt und erhält innerhalb der Wasserkammer eine eigentümliche Verlängerung b, die sogenannte Laterne. Letztere ist durch Gewinde bei c mit dem Rohr a verbunden. Die Dichtung in den Kammerwänden erfolgt durch konische Flächen bei c und d. Da die Bohrung bei d etwas weiter als bei c hergestellt werden muss, so übt derDampf einen Druck aus, der das Rohr nach vorn heraus zudrängen sucht. Dieser Druck wird jedoch, wie Versuche bewiesen haben, durch die Reibung in den Dichtungsflächen aufgenommen; doch sind auch Sicherungen durch Bügelverschlüsse nach Fig. 265 vorhanden. Der Konus bei d ist mit dünner Wandstärke ausgeführt, um eine gewisse Federung zu ermöglichen. Die Herstellung der Dichtungsflächen muss eine sorgfältige sein, wenn in beiden Dichtungsflächen zugleich sicheres Anliegen eintreten soll. Die sorgfältige Herstellung aller Teile ist aber auch schon deswegen notwendig, weil ein gegenseitiges Auswechseln der Teile möglich sein muss.

Das Material der Laterne ist Temperguss. In die Laterne ist mittels Gewinde das Kopfstück e für das Einhängerohr f eingeschraubt. Dieses Kopfstück führt sich mit dem Ringe, in dem das Einhängerohr befestigt wird, in der Zwischenwand der Laterne. Das Einhängerohr wird aus dünnem, weichem Stahlblech zusammengefalzt und führt sich hinten in einer entsprechenden Verengung des Aussenrohres. Letzteres wird durch eine Ueberwurfmutter g geschlossen, die zugleich die Führung des Rohrendes in der hinteren Wand des Kessels übernimmt.

Textabbildung Bd. 318, S. 513

Das Material der Wasserkammern ist Temperguss. Die Seitenwandungen sind wellenförmig ausgebildet, um die einzelnen Abteilungen möglichst nahe zu bringen. Die innere Scheidewand der Wasserkammer wird mit der Kammer aus einem Stück hergestellt. Unten sind die Wasserkammern durch kleine Rohrstutzen mit einander verbunden. Hierdurch ist ein Ausblasen der Kammern bezw. die Entfernung von Schlamm ermöglicht.

Die Verbindung der Kammern mit dem Oberkessel ist in Fig. 267 dargestellt. Die Kammern haben oben einen Flansch, der zur Aufnahme von 4 Schrauben A und B dient, welche mit konischen Flächen in der verstärkten Bauchplatte des Oberkessels eingelassen sind. Durch das Anziehen dieser Schrauben wird der Oberkessel gegen einen Doppelkonus und dieser gegen die Kammer gepresst. Die Wasserkammer pagt mit einer trichterförmigen Fortsetzung in den Oberkessel hinein, damit der im Trichter aufsteigende Dampf das Wasser an dem Eintritt, in die Kammer möglichst wenig hindert.

Der Oberkessel ist mit einem Schlammfänger für das

1)

Schiffbau 1901, No. 23 und:M, sowie 1902 No. 1 und 2. Niclaussekessel von Carl Züblin, Charlottenburg.