Text-Bild-Ansicht Band 318

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man bedenkt, dass die Heizfläche des Solignackessels gegenüber seiner Rostfläche sehr klein ist. Es ist aber eine allbekannte Tatsache, dass die den heissen Feuergasen zuerst ausgesetzte Heizfläche eine im Verhältnis zur übrigen Heizfläche sehr bedeutende Verdampfungsfähigkeit besitzt. Der Solignackessel besitzt aber nur die sogenannte „direkte“ Heizfläche; auf eine weitgehende Ausnutzung der Heizgase durch eine im Verhältnis zum Rost möglichst grosse Heizfläche wird beim Solignackessel verzichtet, damit natürlich auch auf eine wirtschaftliche Ausnutzung der Kohle.

Die Verdampfungsfähigkeit des Solignackessels wäre aber nur ein wirklicher Vorteil, wenn sie mit einer gleichguten Wärmeausnutzung, wie bei den übrigen Kesselsystemen erzielt werden könnte.

Ob der Solignackessel im Lokomotiv- und Automobilbetrieb die ausgedehnte Anwendung finden wird, die der Erfinder erhofft, muss abgewartet werden.

Textabbildung Bd. 318, S. 554

Zum Schlusse dieses Berichtes sei noch ein durch seine Wirkungsweise bemerkenswerter Kessel erwähnt, der von seinen Erfindern, den Ingenieuren Léon Mähl und Georges Hallam de Nittis, den Namen „Générateur Oléothermique“ erhalten hat. Dieser Kessel ist in Fig. 320-322 dargestellt.

Ein nach dem Prinzip der Fieldkessel gebauter stehender Dampfkessel ist statt mit Wasser mit Oel gefüllt; im Oelbade ist eine starkwandige Rohrschlange mit ganz geringem lichten Querschnitt eingebettet. Fig. 321 zeigt diese Rohrschlange im senkrechten Querschnitt, Fig. 322 im Horizontalschnitt. Diese Rohrschlange ist an einem Ende mit einer Wasserkammer, am anderen Ende mit einer Dampfkammer verbunden. Das Oel wird unter der Einwirkung des Feuers erhitzt und verdampft, wobei die Temperatur des Oelbades auf 300-400° steigt, während der Druck der Oeldämpfe etwa 1 kg f. d. qcm oder nur wenig mehr beträgt. In die Rohrschlange wird nun Wasser eingespritzt, welches augenblicklich verdampft, wobei der Dampf eine Temperatur annimmt, die nach den Versuchsergebnissen etwa 100° unter der Temperatur des Oelbades liegt. Es ist hierdurch die Möglichkeit gegeben, Dampf von sehr hoher Spannung, event. bis zu 200 kg f. d. qcm, zu erzeugen, während der Fieldkessel nur eine sehr geringe Spannung auszuhalten hat.

In Fig. 320 bedeutet: 1 den Speisewasserbehälter; 2 den Dampfbehälter; zwischen 1 und 2 liegt die Dampfrohrschlange 3; ferner bedeutet 4 den Fieldkessel; 5 das zugehörige Oeldampfsicherheitsventil; 6 das Dampfraumsicherheitsventil; 7 ist ein Ventil in der Verbindungsleitung zwischen Oeldampfraum und Wasserdampfleitung; 8 ist ein Thermometer für das Oelbad; 9 ein Manometer bis 200 kg f. d. qcm reichend und 10 der Heizgasweg des Kessels.

Die Vorteile der Konstruktion sollen folgende sein: Der Oelkessel, welcher unmittelbar vom Feuer umspült wird, steht unter einem Druck von nur 1 Atm. oder wenig mehr.

In diesem Kessel zirkuliert immer dieselbe Oelmenge, weshalb sich keine Abscheidungen bilden können.

Bei Verwendung geeigneter Oelsorten wird das Eisen nicht angegriffen. Hieraus resultiert der Vorteil, dass derjenige Teil des Kessels, welcher dem direkten Feuer ausgesetzt ist und daher bei den meisten Explosionen die erste Veranlassung zum Unfälle gibt, in der beschriebenen Konstruktion von Mähl & Nittis keinesfalls als schwächster Teil des Kessels bezeichnet werden kann.

Der Dampf scheidet sich wesentlich ruhiger aus, weshalb auch kein Wasser beim Verdampfen mitgerissen wird. Diese Behauptung fand ihre Bestätigung durch direkte Versuche, welche auf Anordnung des Marineministers Lockroy von einer Kommission unter dem Präsidium von Herrn Guyot durchgeführt wurden.

Textabbildung Bd. 318, S. 554

Es ist nicht schwer, in dem Kessel Dampf von 150 Atm. und höherer Spannung zu erzeugen.

Solange freilich kein dringendes Bedürfnis für die Erzeugung derart hochgespannten Dampfes vorliegt, wird der zuletzt genannte Vorteil nur einen geringen Einfluss auf die Einführung des Systems auszuüben vermögen.

Die beiden zuletzt behandelten Typen von Wasserrohrkesseln mit gekrümmten Wasserröhren stellen natürlich abnorme Konstruktionen dar. Die wichtigste Anwendung haben die krummrohrigen Wasserrohrkessel jedenfalls für den Schiffsbetrieb gefunden, wo sie sowohl den üblichen Feuerröhrenkesseln,als auch den geradrohrigen Wasserröhrenkesseln gegenüber bemerkenswerte Vorteile hervorkehren, die geeignet erscheinen, den krummrohrigen Wasserröhrenkesseln eine zunehmende Verbreitung als Schiffskessel prophezeien zu können.

Mitteilungen über die „Pariser Metropolitanbahn“.

(Fortsetzung von S. 521 d. Bd.)

Alle übrigen Bauanlagen der Südringlinie übertrifft aber an Wichtigkeit und Interesse die aus Fig. 34 ersichtliche, zwischen dem Quai de Passy des rechten, und dem Quai de Grenelle, des linken Ufers der Seine, herzustellende Flussübersetzung, für welche die Achse des daselbst bisher bestandenen, quer der Schwaneninsel die beiden Flussarmeüberschreitenden Steges als Richtungslinie vorausbestimmend war. Zufolge letzteren Umstandes, und da die allerdings nur schmale Schwaneninsel, welche zur Herstellung von Brückenpfeilern überhaupt nicht unverwertet bleiben konnte die Seine an der in Frage kommenden Stelle in zwei Arme teilt, von welchen der eine 115 m, und der andere 91 m