Text-Bild-Ansicht Band 318

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wichtig für den Stahlguss und zwar zuvörderst beim Giessen von grossen Schmiedeblöcken. Bei diesen tritt bekanntlich stets ein mehr oder minder grosses Nachlunkern ein. Dadurch entstehen im Kopf des Blockes Hohlstellen, die zumeist 30 bis 40 v. H. Verlust verursachen (Fig. 15). Man hat vielerlei versucht, um diesem Uebelstande abzuhelfen. Erst neuerdings ist bekanntlich ein Verfahren durchgearbeitet worden, das darauf beruht, dass der ganze Block nach dem Gusse unter starken Druck versetzt wird. Infolge der kompendiösen Einrichtung stellt sich diese Methode sehr teuer, beweist aber, welch grossen Wert man darauf legt, dichte lunkerfreie Blöcke zu erhalten.

Textabbildung Bd. 318, S. 759
Textabbildung Bd. 318, S. 759
Textabbildung Bd. 318, S. 759

Das Thermitverfahren für den angedeuteten Zweck besteht nun darin, dass man eine Büchse von sog. Lunkerthermit in den Block mit Hilfe einer Eisenstange – genau wie oben beschrieben – hin-einsenkt und zwar je nach der Grösse des Schmiedeblocks, etwa 1 m tief (Fig. 16). Die Reaktion verläuft in diesem Falle in einigen Sekunden. Das Einsenken der Büchse geschieht selbstverständlich erst, nachdem sich der Lunker gebildet, also zumeist erst nach 15 bis 20 Minuten. Die erstarrte oberste Schicht ist vorher mit Hilfe mechanischer oder chemischer Mittel zu öffnen. Unmittelbar nach vollendeter Reaktion ist bereit gehaltener Stahl in den geöffneten Lunker nachzugiessen. Das Verfahren ist tatsächlich sehr einfach, die nötige Beobachtung der rechtzeitigen Einführung der Büchse bald erlernt. Dazu kommt die ausserordentliche Billigkeit des Verfahrens; es sind bei 10 tons schweren Blöcken nur etwa 5 Kilo Thermit nötig! Fig. 17 zeigt einen 10 tons schweren Block, der nach diesem speziell von HerrnMathesius angegebenen Verfahren behandelt war, aufgenommen nach erfolgtem Durchschnitt. Ein verhältnismässig ganz kleiner Lunker befand sich nur in dem obersten Teile des Blockes – wie in der Abbildung zu sehen – sodass nur wenige Prozent Abfall abzuschneiden waren.

Weiter ist das Verfahren noch ausgebildet, um bei grossen Stahlformgüssen mattgewordenem Stahl in den Trichtern zum besseren Lunkern zu verhelfen. Es ist in Fig. 18 ein Stahlformgusstück (ein grosses Zahnrad) gezeichnet, in welches Lunkerthermit am Boden einiger Trichter und zwar in konzentrisch durchlochter, etwa 1 Kilo Thermit enthaltender Büchse eingebaut ist. In diesem Falle braucht also das Thermit nicht erst mit Hilfe einer Eisenstange in den Stahl eingetaucht zu werden. Man kann zudem die Einschnürung am Trichter etwas enger gestalten wie üblich, um das Absägen des Kopfes zu erleichtern. Der sich bildende Lunker geht nun nicht in das Werkstück hinein und macht so dasselbe fehlerhaft, sondern befindet sich ganz oben im Kopf des Trichters. Auch beim Guss langer Schiffsteven, die bekanntlich nicht leicht zu giessen sind, werden in die Steigetrichter derartige Büchsen eingesetzt; diese wirken dann gewissermassen als Auffrischungsmittel, das den auf dem langen Wege matt gewordenen Stahl „antreibt“, d.h. ihn zu rascherem Aufsteigen in die Trichter veranlasst und somit dünnflüssiger macht. Auch hierzu werden stets nur kleinere Büchsen verwendet.

Es steht ausser Frage, dass mit vorstehendem die Anwendungsmöglichkeiten des Verfahrens noch nicht erschöpft sind; wie bisher so werden sich auch weiter der Aluminothermie bei ihrer Mannigfaltigkeit neue Gebiete erschliessen.