Text-Bild-Ansicht Band 318

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da zu deren Beschaffung für jeden einzelnen Motor die Zeit fehlte. Diese Vorrichtungen mussten also die ausstellenden Firmen beschaffen, doch war eine Prüfung der Bremszäune seitens der Preisrichter ausdrücklich vorbehalten.

Die unmittelbar mit Pumpen gekuppelten Motoren wurden in einem Anbau oder im Hofe geprüft, wobei sie Wasser auf den dort befindlichen Wasserturm zu liefern hatten, die Lokomobilen und Dreschmaschinen unter freiem Himmel in dem Garten der Versuchstation.

Die Einregulierung der Motoren wurde vollständig den ausstellenden Firmen überlassen, denen überhaupt in jeder Beziehung das möglichste Entgegenkommen bewiesen wurde. Waren sie rechtzeitig mit ihren Motoren zur Stelle, so konnten sie die oben angegebene Zeit für ihre Vorversuche benutzen und es wurden die offiziellen Versuche erst begonnen, nachdem die Erklärung abgegeben war, die Maschine sei vollkommen in Ordnung. Sodann wurden sofort nach jedem Versuch die hierbei festgestellten Zahlen und die Ergebnisse der Berechnungen dem Interessenten mitgeteilt, damit dieser, wenn nötig, irgend welche Bemerkungen hierzu machen könnte.

Neben den Versuchen an den Motoren selbst, wurden Untersuchungen chemischer Natur vorgenommen, welche sich auf die Zusammensetzung des brennbaren Gemisches und der Abgase bezogen; die Analysen wurden in einem kleinen neben der Versuchstation liegenden Laboratorium vorgemommen.

Wenn man die grosse Zahl der zu untersuchenden Motore berücksichtigt, so wird es verständlich werden, dass neben den 10 Preisrichtern der hier in Frage kommenden Gruppe von ausgestellten Maschinen noch 13 technisch gebildete Hilfskräfte bei den Untersuchungen tätig waren.

Da der internationale Wettbewerb nur stattfand, um zur Entwicklung der Spiritusverwendung beizutragen, so sollten die Ergebnisse der Versuche und somit die verliehenen Auszeichungen dem Publikum hauptsächlich die Maschinen und Apparate bezeichnen, bei denen das Brennmaterial am besten ausgenutzt wurde. Das Hauptgewicht wurde deshalb auf die Verbrauchszahlen an Spiritus und auf das gute Arbeiten der einzelnen Maschinen gelegt.

Den Fabrikanten war es überlassen, unter 2 Arten Spiritus zu wählen, mit welchem der Motor arbeiten sollte. Es waren dieses einerseits reiner denaturierter, andererseits zu 50 v. H. karburierter Spiritus. Zum Karburieren war Benzol benutzt und die Elementaranalyse ergab die folgende Zusammensetzung für die beiden Spiritusarten:

In einem Kilogramm waren enthalten

bei reinem, denaturierten
Spiritus
bei zu 50 v. H. karburiertem
Spiritus
C 0,4372 0,6899
H 0,1112 0,0948
O 0,3029 0,1477
H 2 O 0,1408 0,0685

Daraus wurde an Hand der Redtenbacherschen Formel

der Heizwert P zu 5520,97 Wärmeeinheiten bei dem reinen denaturierten, zu 7453 Wärmeeinheiten bei dem zu 50 v. H. karburierten Spiritus bestimmt, d.h. der Heizwert des ersteren verhielt sich zu dem des letzteren wie 0,740 zu 1,000

Eingehende Versuche zeigten nun, dass derselbe Motor, der vom reinen denaturierten Spiritus für eine bestimmte Leistung 10 kg gebrauchte, unter genau gleichen Arbeitsverhältnissen zur Entwicklung derselben Leistung 7 kg des zu 50 v. H. karburierten Spiritus nötig hatte. Es wurden infolgedessen der Einfachheit halber alle diejenigen Verbrauchszahlen, welche für die erste Sorte Spiritus galten, mit 0,7 multipliziert, um auf diese Weise für alle Versuche einen Vergleich zu ermöglichen.

Wir müssen es uns leider versagen, die einzelnen Versuche eingehend zu behandeln, und können hier nur auf die allgemeinen Schlussfolgerungen eingehen, die seitens des Preisrichterkollegiums aus den zahlreichen Versuchen gezogen wurden. In bezug auf alle Einzelheiten müssen wir auf unsere Quelle verweisen: Die Inbetriebsetzung war bei den Spiritusmotoren mit nicht grösseren Schwierigkeiten als bei Petroleummotoren verknüpft, wenigstens bei Verwendung von zu 50 v. H. karburiertem Spiritus.

Die Auspuffgase hatten keinen unangenehmen Geruchund die Ventile verschmutzten nicht, sobald der Motor gut einreguliert war.

Bei den schlecht einregulierten Maschinen, welche zu viel oder zu wenig karburierte Luft verbrauchten, trat unvollkommene Verbrennung ein und bei gewissen Motoren sogar eine Zersetzung des Spiritus. Diese ist entweder durch zu hohe Temperatur oder zu hohen Druck im Arbeitszylinder hervorgerufen.

Die Auspuffgase sind stets mehr oder weniger sauer und greifen daher die Ventile an; es ist deshalb geraten, nach dem Stillsetzen eines Spiritusmotors, namentlich wenn der Stillstand längere Zeit dauert, Zylinder und Ventile mit Petroleum einzufetten.

Mit das wichtigste Glied des Spiritusmotors ist der Karburator: von der richtigen Wahl seiner Abmessungen hängt es hauptsächlich ab, ob die richtige Menge Luft mit der richtigen Geschwindigkeit in den Motor gelangt, und es ist daher ohne weiteres klar, dass ein und derselbe Karburator nicht bei verschieden grossen Motoren verwendet werden kann. Es rührt eben beim Spiritusmotor, wie überhaupt bei den Verbrennungskraftmaschinen nur davon her, dass eine falsche Luftmenge in den Zylinder eintritt, wenn eine unvollkommene Verbrennung des Spiritus stattfindet. Die Versuche haben bewiesen, dass die verschiedenen Konstruktionen sehr verschieden empfindlich gegen den Eintritt einer falschen Menge Luft sind; als richtig aber hat es sich bei allen Motoren herausgestellt, das 1,7 fache der theoretisch zur Verbrennung notwendigen Luft in den Motor einzuführen. Wenn man den Prozentsatz an unverbrannten Bestandteilen der Abgase als Ordinate, das Verhältnis der wirklich verbrauchten Luft zu der theoretisch notwendigen als Abszissen für die einzelnen untersuchten Motoren aufträgt und die so erhaltenen Punkte durch 2 Linien aussen umschliesst, so zeigt sich dass diese Linien bei der Abszisse 1,7 fast zusammenfallen, nach beiden Seiten hin jedoch stark divergieren. Zieht man schliesslich die überall in der Mitte zwischen den beiden Umrahmungslinien liegende Kurve, so kann man aus dieser unmittelbar ablesen, in wieweit sich durch falsche Wahl der eintretenden Luftmenge im Mittel der Verbrauch an Brennmaterial unter sonst gleichen Verhältnissen verschlechtern wird.

Eine wirklich vollständige Verbrennung konnte übrigens in keinem Falle erzielt werden, geringe Spuren unverbrannter Bestandteile wurden stets in den Abgasen gefunden.3)

Bei dem Vergleich der einzelnen zu ein und derselben Gruppe gehörigen Motoren ging man nun folgendermassen vor:

Textabbildung Bd. 318, S. 806

Auf Grund zahlreicher, schon vor diesen Wettbewerb angestellter Versuche war man zu der Ueberzeugung gekommen, dass sich der Verbrauch an Brennmaterial für jeden beliebigen Motor feststellen lässt durch die Gleichung: Y = a + b . x, worin Y den Brennstoffverbrauch bei einer bestimmten Leistung x, a denjenigen bei Leerlauf des Motors und b einen von der Natur des benutzten Brennstoffes abhängigen, von der besonderen Konstruktion des Motors jedoch vollständig unbeeinflussten Koeffizienten bezeichnet. Dabei wächst b mit abnehmendem Heizwert des Brennstoffes. Trägt man den Verbrauch an Spiritus als Ordinate, die geleistete Arbeit als Abszisse auf, so ergibt sich demnach, dass der Brennstoffverbrauch bei verschiedenen Leistungen durch eine gerade Linie dargestellt ist, die auf der Ordinatenachse den Verbrauch bei Leerlauf abschneidet, und wenn in Fig. 1 z.B. der Verbrauch an reinem denaturierten Spiritus für einen Motor durch die Linie a' m' dargestellt wird, so bezeichnet a m

3)

Obige Ausführungen geben nur ganz kurz einige Ergebnisse der Untersuchungen wieder, die von dem Mitarbeiter Ringelmanns, Sorel, in dem bereits genannten, neben der Versuchsstation liegenden Laboratorium vorgenommen wurden. Wir kommen auf diese noch weiter unten eingehend zurück.