Text-Bild-Ansicht Band 320

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Siliziums. Die Härte nimmt ungefähr proportional mit dem Mangangehalt zu. Zur Entscheidung der Frage, ob bei 1,0 v. H. der höchste Wert für die Härte erreicht ist, reicht das vorliegende Material noch nicht aus, es müsste in bezug auf höhere Mangangehalte vervollständigt werden.

Betrachtet man die Tabelle II genauer, so machen sich eine Anzahl charakteristischer Unregelmässigkeiten bemerkbar, die nicht ohne weiteres auf Versuchsfehler zurückgeführt werden können, da sie bei mehreren Reihen wiederkehren.

Textabbildung Bd. 320, S. 296

Während bei weitem die Mehrzahl der senkrechten Zahlenreihen stetiges Wachsen der Härtezahlen mit steigendem Siliciumgehalt erkennen lässt, zeigen einige von ihnen bei einer gewissen Zusammensetzung, die Wahlberg die „kritische“ nennt, auffallend kleine Werte, z.B. die Reihen mit 0,5 und 1 v. H. Kohlenstoff und 0,45–0,54 v, H. Mangan.

Die Zusammensetzungen

C = 1,0 v. H. Mn = 0,45–0,54 v. H. u. Si = 0,3–0,4 v. H.
und
C = 0,5 v. H. Si = 0,3 v. H.

würden demnach „kritische“ sein.

Aehnliche Unregelmässigkeiten zeigen auch einige von den wagerechten Reihen in bezug auf den Einfluss ansteigenden Kohlenstoffgehaltes, z.B. die Reihe für 0,25–0,34 v. H. Mangan und 0,35–0,44 v. H. Silizium, in der die Härte 233 bei C = 1,00 v. H. auffallend gering ist.

Jedenfalls wäre es interessant, diese „kritischen Zusammensetzungen“ durch planmässige Erweiterung des vorhandenen Materials weiter zu verfolgen, wobei die metallographische Forschung zu Rate gezogen werden müsste.

4. Einfluss des Ausglühens und der Kaltbearbeitung.

Zuweilen kann es erwünscht sein, den Grad einer vorangegangenen Wärmebehandlung festzustellen. Wenn dies auch vornehmlich Sache der Metallographie sein dürfte, so kann doch auch hier die Kugelprobe mit Erfolg angewandt werden, in Fällen nämlich, wo es genügt, ein ungefähres Bild zu erhalten. Brinell hat auch in dieser Richtung eine Anzahl Versuche ausgeführt, deren Ergebnisse in Tabelle IV zusammengestellt sind. Zehn Stahlsorten verschiedenen Kohlenstoffgehalts wurden teils im Anlieferungszustande, teils nach erfolgter Erhitzung auf Rotglut und Weissglut der Kugeldruckprobe unterworfen. Die Zahlen lassen erkennen, dass bei Erhitzung auf Rotwärme alle Sorten ungefähr gleichviel an Härte verloren, während die Erhitzung bis zur Weissglut für die höheren Kohlenstoffgehalte eine grössere Einbusse an Härte zur Folge habe als für die niederen.

Um festzustellen, inwieweit die Kugelprobe zur Beurteilung der erfolgten Kaltbearbeitung herangezogen werden könne, stellte Brinell folgende Versuche an. Zwei kaltgezogenen und hierauf ausgeglühten Stahlstangen von 25 mm Stärke und 1,2 v. H. bezw. 0,25 v. H. Kohlenstoffgehalt entnahm er je eine Probe, die mit 1,2 A und 0,25 A bezeichnet wurden. Die Reststücke wurden kalt durch ein Zieheisen von 24 mm Durchmesser gezogen, der Querschnitt also um 10 v. H. verkleinert und dann entsprechend Probestücke 1,2 und 0,25 B entnommen. Die Ergebnisse (Tab. V) zeigen nun, dass die Härte des weicheren Stahles infolge des Kaltziehens in höherem Masse wächst als die der härteren. Ein weiterer Versuch zeigt, bis zu

Tabelle IV.

Einfluss der Glühhitze auf die Härte.



Stahl
No.
Material, wie es
aus dem Walz-
werk kommt
dunkelrot warm ge-
macht und langsam
Kohlenlösche ab-
gekühlt
weiss warm gemacht
und langsam in Koh-
lenlösche abgekühlt

Härtezahl

Härtezahl
Verminde-
rung der
Härte v. H.

Härtezahl
Verminde-
rung der
Härte v. H.
1 109 97 11 94 14
2 126 115 9 109 14
3 161 143 11 132 18
4 172 156 9 138 20
5 204 194 5 151 26
6a 228 202 11 159 30
6b 255 235 8 179 30
8 273 231 15 176 36
9 289 258 11 189 35
12 302 262 13 212 30

Tabelle V.

Proben-
be-
zeichnung
Chemische Analyse
Härtezahl
Härtesteige-
rung infolge der
Kalt-
bearbeitung
C
v. H.
Si
v. H.
Mn
v. H.
S
v. H.
P
v. H.
1,2 A
1,20

0,33

0,18

0,012

0,027
88
11,9
1,2 B 98,5
0,25 A
0,25

0,06

0,40

0,020

0,028
45
25,5
0,25 B 56,5