Text-Bild-Ansicht Band 320

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so ist mehr und mehr zu hoffen, dass man auch bei uns sich der Vorzüge der Selbstentlader mehr als bisher bewusst werde.

Die Kühlwagen der Johnson Automatic Refrigerator Co., Chicago, III.

Von den Kühlwagen die in den Vereinigten Staaten aus leicht erklärlichen Gründen eine noch wesentlich grössere Rolle spielen als hierzulande – über 100000 sind dort im Betrieb –, seien besonders diejenigen hervorgehoben, welche von der soeben genannten Firma ausgestellt gewesen sind; im ganzen hatten drei Firmen sich auf diesem Gebiete beteiligt.

Die Kühlwagen, welche insbesondere zur Beförderung von Milch und Bier sowie von Lebensmitteln wie Fischen, Fleisch, Früchten, Käse, Butter und dergl. dienen, sind mit Wasserbehältern aus Blech ausgerüstet. Unter den Eiskammern angeordnet, dienen diese zur Aufnahme des Eiswassers (Fig. 112) und eines von letzterem umspülten Rohrsystems, durch welches Luft geblasen wird. Der Einlass für die Luft befindet sich im mittleren Teil des Wagenbodens (Fig. 113), der Auslass an der Decke der Wagenenden (Fig. 114). Die Auslassröhren sind perforiert, und zwar sind die Oeffnungen so angeordnet, dass die Luftzirkulation möglichst gleichmässig nach allen Teilen des Wagens erfolgt, so dass überall nahezu dieselbe Temperatur herrscht. Die Zirkulation der Luft durch die Röhren wird durch einen von einer Wagenachse mittels Reibungsrädern angetriebenen Ventilator bewirkt, der unter dem Wagenkasten angebracht ist (Fig. 115–117).

Inbezug auf gewisse bemerkenswerte Betriebsmittel-Elemente, die als solche ausgestellt waren bezw. sich an etlichen zur Schau gestellten Wagen befanden, und besonders hervorgehoben zu werden verdienen, sei hier verwiesen auf den Abschnitt D: Einzelteile (Räder, Achsbuchsen usw.).

(Fortsetzung folgt.)

Kommutator-Motore für einphasigen Wechselstrom.

Von Dr. Albert Hoerburger, Berlin.

(Fortsetzung von S. 763 d. Bd.)

Textabbildung Bd. 320, S. 776
Textabbildung Bd. 320, S. 776

4. Der Repulsionsmotor. Die in Fig. 20 angegebene Schaltung leitet über auf eine weitere Reihe vom Kommutatormotoren, die als Repulsionsmotore bezeichnet werden. Wenn man nämlich die beiden Felder, die auf einander senkrecht stehen, aber stets in Phase sind, zusammen nimmt, so erhält man ein resultierendes Feld, dessen Ache in der Mitte der beiden Wicklungen liegt. Die beiden Feldspulen können also durch eine einzige ersetzt werden. Die Bürsten sind nun nicht in der Achse dieser Spule anzubringen, sondern um einen bestimmten ∡ ψ verschoben (Fig. 22). Dieser Motor ist von Thomson zuerst im amerikanischen Patent 430328 angegeben worden. In der Ausführung zeigte er ein Feld mit ausgeprägten Polen und einen gewöhnlichen Gleichstromanker mit kurzgeschlossenen Bürsten, die aus der Feldachse herausgedreht waren. Bei einem derartigen Motor ist aber die Gestaltung mit ausgeprägten Polen sehr ungünstig. Das Feld kann sich nämlich nur in der Richtung der Pole ausbilden, während doch schon aus der Entstehung des Motors aus der doppelpoligen Wicklung leicht einzusehen ist, dass für die gute Wirkung das Entstehen eines Querfeldes von grösster Wichtigkeit ist. Das zur Ausbildung eines Drehfeldes und zur Kompensierung der Kurzschlussströme notwendige senkrechte Feld wird bei ausgebildeten Polen unterdrückt und der Motor wird einen schlechten Wirkungsgrad und grosse Phasenverschiebung, kleines Drehmoment und grosse Stromaufnahme besitzen. Zum Teil werden diese Nachteile aufgehoben durch eine Anordnung, die H. H. Lake durch das britische Patent 20241/94 geschützt ist. Wie aus Fig. 23 ersichtlich, sind zwischen den eigentlichen bewickelten Polen noch weitere, sogen. blinde Pole angebracht, welche die Ausbildung des Querfeldes ermöglichen. Im allgemeinen wird man jedoch beim Repulsionsmotor gleichmässig verteilte Ständerwicklung anwenden; das Schema ist in Fig. 24 gezeichnet.

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Ein derartiger Motor hat auf den ersten Anblick etwas verblüffend einfaches, eine einphasige Ständerwicklung, die für jede beliebige Spannung gewickelt werden kann, einen Läufer, der gar keine elektrische Verbindung nach aussen hat, sondern nur einen Kurzschluss zwischen den Bürsten. Es ist in der Tat unbegreiflich, dass ein derartig konstruktiv einfacher Motor, der, wie später gezeigt wird, ganz gute Eigenschaften besitzt, jahrelang bei uns nicht nur nicht angewandt, sondern nicht einmal bekannt war. Erst durch das neu erwachte Interesse an den Einphasenwechselstrom-Kommutatormotoren ist auch dieser Motor bekannt geworden.

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Dass in einem derartigen Motor überhaupt ein Drehmoment zustande kommt, zeigen die Fig. 25, 26 und 27, in denen eine einfache Spule in einem zweipoligen Wechselfeld in drei verschiedenen Stellungen gezeichnet ist. In der Stellung der Fig. 25 wird in der Spule ein grosser Strom induziert; der Strom ist in Phase mit dem Felde und jeder Pol übt auf den unter ihm liegenden Teil der Spule ein grosses Drehmoment aus. Trotzdem tritt keine Bewegung ein, weil die beiden Drehmomente einander