Text-Bild-Ansicht Band 322

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Trogboden
= 533 kg/qcm
= 19

Höhere Teile.

Längsbalken
= 157 kg/qcm
= 6

Beim Entwürfe wurden die Spannungen im Trogboden sehr niedrig gewählt, da das Unbekanntsein der Brückenfundierung eine geringe Aenderung der geplanten Pfahlaufstellung hätte herbeiführen können und man von dieser daher möglichst unabhängig sein wollte. Die übrigen Spannungen betragen: Zug im Eisen 500 bis 600 kg/qcm, Druck auf den Beton 20 kg/qcm; sie sind sicher niedrig zu nennen, besonders da die höchste Belastung nur höchst selten erreicht wird.

Die hohen Spannungen, welche man vielfach bei Betoneisenkonstruktionen antrifft, sind wohl oft dem Umstände zuzuschreiben, daß die konkurrierenden Firmen (mit günstigen Ausnahmen) das Material aufs höchste beanspruchen, entweder um eine Arbeit zu erwischen, oder um unbedingt die wirtschaftliche Ueberlegenheit der neuen Bauart im Vergleich mit den älteren Verfahren darzutun. Ein Trog wie der oben beschriebene muß nicht nur kräftig genug, sondern auch vor allem wasserdicht sein, auch bei etwaigen Unfällen, wie Straßenbahnentgleisung, Achsenbruch eines schwer beladenen Wagens, oder dergl. Bei der Ausführung einer derartigen Arbeit nach einer der alten Bauweisen würde es gewiß keinem Ingenieur einfallen Material zu sparen, weil eine genaue Rechnung die Ersparnis zulässig erwies. Warum findet man denn so oft das Gegenteil bei Betoneisenkonstruktionen? Bei einer Arbeit von etwa 160000 M., wovon 45000 M. auf den Teil aus Betoneisen kommen, ein paar Tausend Mark an Eisen und Beton sparen zu wollen, erscheint doch wirklich als eine verfehlte Sparsamkeit.

Aus den geringen Spannungen in den Längsbalken erhellt, daß diesen vor allem eine konstruktive Bedeutung beigelegt wurde und zwar zur Erzielung eines festen Längsverbandes. Die Längsbalken sind in je 2 m Abstand durch einen Pfahl auch gegen seitliche Wirkungen verankert. Die Pfahlarmierung besteht aus 12 qcm Stahlstangen, welche eine Schubkraft von 9600 kg (bei einer zulässigen Schubspannung von 800 kg/qcm) aufnehmen können, wenn man die Betonverbindung zwischen Pfahl und Balken vernachlässigt. Wirkt diese Schubkraft am oberen Ende des Pfahles, und denkt man sich im Boden in Anschluss an den Pfahl einen Spannungsverlauf nach dem Hookeschen Satze, so hat der Pfahl die Neigung um einen Punkt zu drehen, welcher etwa 1,10 m über der Pfahlunterkante liegt. Durch diese Drehung wird am oberen Ende ein max. Druck von 3,3 kg/qcm auf den Sandboden ausgeübt, was als durchaus zulässig erscheint, da der Sand nicht ausweichen kann.

Ausführung der Arbeit.

Nach Trockenlegung und Reinigung der Arbeitsstelle wurden die Pfähle außerhalb der Brücke eingespritzt, nachdem sie durch stehenden Guß hergestellt und wenigstens einen Monat erhärtet waren. Das Einspritzen der 1200 kg schweren Pfähle erfolgte durch Anordnung eines Kranzes von vier Stahlröhren, welche oben zum Anschluss an eine Dampfpumpe in einem gemeinsamen Kuppelstück zusammengefaßt und unten mit seitlichen Löchern versehen waren um den Sand unter den Pfahl fortzuspülen, Nachdem der Pfahl in dem Bock über die gewünschte Stelle angebracht und die Pumpe in Tätigkeit gesetzt war, konnte die Versenkung in einigen Minuten bewerkstelligt werden. Das ausgespritzte Loch war dabei nicht größer als der Pfahlfuß, während die Seitenwände vollkommen hart blieben. Nach dem herausziehen der Spritzeinrichtung wurde mit grobem Sand nachgefüllt. Die Pfähle unter der Brücke wurden mit Hilfe eines Eisenzylinders von 0,90 m Durchmesser eingesetzt, wie schon oben beschrieben.

Textabbildung Bd. 322, S. 25

Um den Trogboden vollkommen im Trockenen ausführen zu können, wurden folgende Maßregeln getroffen: Vor dem Aufstellen und Flechten der Eisenarmierung wurde die Arbeitsstelle mit einer Schicht Stampfbeton ausgekleidet und der darunterliegende Boden in sorgfältigster Weise drainiert. Zur Wasserhaltung dienten zwei Lokomobilen mit Zentrifugalpumpen. Nach dem Flechten wurde der Trogboden mit einem Male gegossen, und zwar 260 cbm Beton in etwa 42 Stunden, wozu 80 Arbeiter und vier Betonmühlen in Tätigkeit waren. Die Zusammensetzung des Betons war folgende: 1 Portl.-Zement + 1½ scharfer Sand + 2 feiner Kiesel, mit so viel Wasser, daß eine breiartige Masse entstand, welche das Eisen überall gut umgab. Das überschüssige Wasser konnte durch die poröse Arbeitsflur abfließen. Nach einer ruhigen dreitägigen Erhärtung wurde der Boden vorsichtig mit Brettern überdeckt und nun die Herstellung der Seitenwände in Angriff genommen, die dann in gleicher Weise durchgeführt wurde.

Pumpenanlage.

Durch Zwischenschaltung der oben beschriebenen Plateaus auf 0,40 + NW mit 10 cm Gegenneigung wird so viel wie möglich verhindert, daß Wasser von den höher gelegenen Teilen des Fahrweges in den eigentlichen Trog strömt. Die Plateaus führen ihr Wasser in natürlicher Weise auf den angrenzenden Kanal ab. Zur Wasserhaltung des Troges selbst mußte dagegen eine eigene Pumpenanlage geschaffen werden. Mittels vier an den Ecken des wagerechten Trogteiles befindlichen Abfuhrröhren