Text-Bild-Ansicht Band 322

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mit Federwage. Am Kesselboden, vor der Feuerkiste, befindet sich ein Schlammsack.

Die Rahmen liegen außerhalb der Räder, die Zylinder in normaler Anordnung wagerecht außerhalb der Rahmen; die Kurbeln sind daher aufgesteckte (Hallsche) Lagerhals-Kurbeln. Die Steuerung ist die Walschaertsche und ist ebenfalls außerhalb angebracht; die, wie erwähnt, doppelt vorhandene Umsteuerung wird mit Hebel oder Schraube nach Belieben bedient. Die Einrichtung für Gegendampfgeben nach Le Chatelier ist vorgesehen; im übrigen ist nur Spindelbremse vorhanden, welche einseitig alle Räder betätigt.

Die Bauart ist einfach, kräftig, übersichtlich, zweckentsprechend und beansprucht bei 9 t Achsdruck und 2,5 m Radstand den Oberbau nur gering trotz verhältnismäßig großen Abmessungen und entsprechender Leistungsfähigkeit. Der Anstrich war betriebsmäßig: Gehäuse dunkelgrün mit schwarzen, hellgrünen und weißen Zierstreifen, der Kessel schwarz mit Messingzierbändern.

Von dieser Bauart sind sowohl für die normale, wie für die 1 m-Spur von verschiedenen belgischen und außerbelgischen Firmen einige hundert Stück geliefert worden, die bei verschiedenen Dienstgewichten zwischen 15 und 30 t in Anordnung und Aussehen kaum verschieden sind; bei den leichtesten und mit dem geringsten Radstand (1,8 m) begabten Ausführungen erfolgt der Antrieb an der Hinterachse. In vielen Fällen sitzt der große Dom unmittelbar hinter dem Kamin, und der Sandkasten auf der Kesselmitte.

Für die Ausstellungslokomotive gelten folgende Angaben:

Spurweite (im Lichten) mm 1435
Zylinderdurchmesser 350
Kolbenhub 450
Triebraddurchmesser 930
Kesseldruck at 10

Rohre
Anzahl
Durchmesser
Länge (zw. Wänden)

mm
141
40/45
2450
Heizfläche
(feuer-
berührt)
Rohre
Feuerbüchse
im Ganzen
qm

48,83
4,73
53,56
Rostfläche 1,16
Radstand m 2,5

Gewicht
leer
im Dienst
Triebachslast
t

22,0

27,6
Vorräte Wasser
Kohlen

3,0
1,0
Zugkraft (α = 0,5) kg 2640
Größte Geschwindigkeit km/Std. 30

Bemerkung: In der Tab. 3 (S. 52 1906, Bd. 321 dieses Berichtes) wurde aus Versehen 20 km/Std. angegeben.

(Fortsetzung folgt.)

Fortschritte in der Theorie des Eisenbetons seit 1904.

Von Dr.-Ing. P. Weiske, Kassel.

(Fortsetzung von S. 115 d. Bd.)

Hervorzuheben sind noch einzelne Arbeiten, welche besondere Querschnittsformen und Bauglieder behandeln.

1. Thumb („Beton und Eisen“ 1905 II) gibt eine praktische Formel für die Wahl der Durchmesser der einzubettenden Rundeisen an. Aus den Bedingungen der Bruchbelastung leitet er die Faustformel ab:

dmm = t lm,

d.h. der Durchmesser in mm darf höchstens gleich der zulässigen Scherspannung (4,5 kg/qcm) multipliziert mit der Spannweite in m sein.

2. Koenen („Beton und Eisen“ 1905, S. 148) macht Mitteilungen über die gefährlichen Abscherflächen in Beton eingebetteter Eisenstäbe mit Einbuchtungen und Einkehlungen (Walzprofile). Bei der Berechnung der Scherspannungen ist nicht der Umfang der Eiseneinlagen, sondern der Umfang des kleinsten umgeschriebenen Betonpolygams einzuführen, außerdem sind die zulässigen Mindestabstände der Eiseneinlagen von der Betonunterkante von der Querschnittsform abhängig.

3. Eisenbetonkonstruktionen mit großen Profileinlagen. Diese zuerst von Melan eingeführten Konstruktionen (Decken und Brücken) sind auch zuerst von ihm berechnet. Melans Formeln finden sich u.a. für Träger im Betonkalender 1906, S. 61, für Gewölbe im Betonkalender 1906, S. 166.

Zu erwähnen ist noch die Arbeit von Elwitz „Berechnung doppelt bewehrter oder mit Profileisen versehener Betoneisenträger“ („Beton und Eisen“ 1905, Heft 10 und 11). In dieser Arbeit werden die Flanschen der Profileisen als doppelte Armierung angesehen und die Wirkung des Steges vernachlässigt. Außerdem wird auch noch in einer zweiten Berechnungsweise nach dem Vorgange von Melan das Trägheitsmoment des armierten Querschnittes in die Berechnung eingeführt.

Die Aufgabe läßt sich auch graphisch mit Hilfe von Kraft und Seileck lösen. Ein Beispiel ist vom Verfasser durchgeführt in „Cement und Beton 1904, Heft 8.“

4. Berechnung von Stufenquerschnitten.

Da die Druckzone der Stufen nicht rechteckig, sondern trapezähnlich ist, was besonders für freitragende Stufen in Betracht kommt, schlägt Emperger eine analytisch graphische Methode unter Benutzung von Kraft und Seileck vor („Beton und Eisen“ 1906, Heft 6).

Rein analytisch ist die Aufgabe der Berechnung von Eisenbetonbalken mit Dreieck- und trapezförmigen Querschnitt gelöst von Rösler in seinem Aufsatz: „Berechnung des Eisenbetonbalkens mit Dreieck- und trapezförmigem Querschnitt“. „Zement und Beton“ 1905, No. 12.

5. Berechnung von Kreisringquerschnitten mit Eiseneinlagen für Schornsteine.

Die Berechnung der Schornsteine aus den verschiedenen Baustoffen ist von Lang eingehend in seinem Werke: Der Schornstein, Hellwings Verlag, behandelt worden. Für die Aufstellung der statischen Berechnung hat Lang in seiner Anleitung zum Entwerfen und zur statischen Berechnung gemauerter Schornsteine ein Schema angegeben, welches auch bei dem Entwerfen von Eisenbetonschornsteinen Verwendung finden kann. Die spezielle Untersuchung der Spannungen in kreisrunden Schornsteinquerschnitten mit Eiseneinlagen ist durchgeführt von Landmann in der Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen 1905 und von Sauger in „Beton und Eisen II und X.“