Text-Bild-Ansicht Band 322

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Scheibe K hinwirkenden Reibungsmoment das Gleichgewicht hält.

Bezeichnet 2P das Zusatzgewicht auf der Schale,
R den Halbmesser der Scheibe K,
r „ „ „ Probewelle,
D den Druck auf die Lagerschale und
μ den Reibungskoeffizienten,

so ist

Die Lagerschalen werden nach Lehren bearbeitet und genau auf die Probewelle aufgepaßt (s. Fig. 4). Die Länge des Bogens ABC jeder Schale ist gleich dem Durchmesser der Welle.

Für vergleichende Versuche mit Oelen sind Lager aus Rotguß, bestehend aus 90 v. H. Kupfer und 10 v. H. Zinn, und eine im Einsatz gehärtete schmiedeeiserne Welle verwendet. Die Wärme der Lagerschalen wurde an Thermometern abgelesen, die in die Schalen eingelassen waren. Die Umdrehungsgeschwindigkeiten der Welle betrugen 30,5, 61 und 122 m in der Minute. Die Belastung der Lagerschalen wurde in der Regel bis 56 kg/qcm gesteigert und die Reibung nach Laststeigerungen um je 7 kg/qcm ermittelt.

Textabbildung Bd. 322, S. 170

Die mitgeteilten Versuchsergebnisse erstrecken sich auf Versuche mit verschiedenen Oelen, verschiedenen Lagermetallen und verschiedenem Wellenmaterial. Aus Raummangel müssen wir es uns versagen, auf Einzelheiten näher einzugehen. Erwähnt sei jedoch noch, daß die Maschine auch zur Bestimmung der Zähigkeit (Viskosität) von Oelen benutzt wird. Hierzu wird ein Kessel, der das zu prüfende Oel enthält, mit dem oberen Ende der in B gelagerten Spindel verbunden und von der nun stillstehenden oberen Spindel aus ein leichter Schwimmer an einem dünnen Stahldraht in das Oel hineingehängt. Alsdann werden die untere Spindel und das Oelgefäß durch die aus Fig. 2 ersichtlichen Scheiben in Umdrehung versetzt, und die Verdrehungen des Drahtes als Vergleichswerte für die Zähigkeit der Oele bestimmt.

Rudeloff.

Die Härte der Gefügebestandteile des Eisens.

Kürzlich wurden in einem besonderen Bande des Journal of the Iron and Steel Institute1) die Forschungsarbeiten der Inhaber des Carnegiestipendiums veröffentlicht. Eine dieser Arbeiten von Boynton befaßt sich mit der Härte der Gefügebestandteile des Eisens. Boynton hat für diese Untersuchungen den Härtemesser von Jaggar gewählt.

Der Apparat2) besteht im wesentlichen aus einem wagerecht angeordneten, um eine wagerechte Achse drehbaren Wagebalken, der eine von einem Schnurlauf gedrehte senkrechte Achse trägt. In das untere Ende dieser Achse ist ein Diamant eingesetzt. Dasjenige Ende des Wagebalkens, an dem sich der Diamant befindet, wird durch Gewichte beschwert. Der zu prüfende Gegenstand wird unter die sich drehende Diamantspitze gebracht, so daß sie sich in seine Oberfläche hineinbohrt. Da der Wagebalken stets mit demselben Gewicht belastet wird, so kann die Anzahl der Umdrehungen des Diamanten, die erforderlich war, um stets die gleiche Bohrtiefe zu erzielen, als Härtemaßstab dienen. Die in den folgenden Tabellen angegebenen Härtezahlen sind also nichts anderes als die zur Erzielung der festgesetzten Bohrtiefe erforderliche Umlaufszahl des Diamanten. Die in den Tabellen angegebenen Zahlen sind das Mittel von mindestens fünf verschiedenen Versuchen. Die Abweichung der einzelnen Werte vom Mittelwert betrug nicht mehr als ± 4,8 v. H. Als Bohrtiefe wurde 1/100 mm festgesetzt. Sie wird mit Hilfe eines wagerecht angeordneten Mikroskops aus der Bewegung des Wagebalkens abgelesen. Der Apparat macht 25 Umläufe in der Minute, die durch ein besonderes Zählwerk gezählt werden. Zum Bohren wird die gut ausgebildete Spitze eines Diamanttetraeders benutzt. Die Belastung der Diamantspitze beträgt 20 gr. Sie hatte sich selbst nach sehr starkem Gebrauch nicht abgenutzt, wie durch Versuche mit stets dem gleichen Probestück und durch sorgfältige Inaugenscheinnahme nachgewiesen wurde.

Untersucht sind die in Tab. 1 aufgeführten Eisensorten. Alle Proben wurden zunächst auf 1000° erhitzt und langsam erkalten gelassen, um den Einfluß der vorausgegangenen Behandlung zu beseitigen und größere Kristalle zu erhalten.

Tabelle 1.

Verzeichnis des Probematerials.

No. Material-
Art
Gehalt n v. H. an
C Si Mn P S
1 Elektrolyt. Eisen 0,0125
2 Schweißeisen 0,025 0,225 0,125 0,216 0,015
3 0,12 0,240 0,350 0,130 0,027
4 Tiegelstahl 0,035 0,090 0,030 0,009 0,007
5 Bessemerstahl 0,065 0,015 0,275 0,102 0,054
6 0,13 0,043 0,460 0,062 0,016
7 0,20 0,031 0,360 0,046 0,040
8 Tiegelstahl 0,35 0,14 0,012 0,012
9 Bessemerstahl 0,45 0,16 0,72 0,075 0,033
10 0,48 0,13 0,33 0,032 0,013
11 Tiegelstahl 0,58 0,09 0,12 0,011 0,025
12 Bessemerstahl 0,68 0,18 0,332 0,042 0,041
13 Tiegelstahl 0,86 0,241 0,193 0,013 0,010
14 0,91 0,19 0,150 0,013 0,013
15 1,24 0,14 0,140 0,010 0,014
16 1,52 0,137 0,210 0,013 0,022
17 1,78 0,19 0,210 0,018 0,020
18 Weißes Roheisen 3,24 0,27 0,050 0,015 0,015
19 Graues Roheisen 4,55 0,50 0,18 0,015 0,011

Tabelle 2.

Härte von Ferrit.

Material: Auf elektrolyt. Wege gewonnenes Eisen. (s. No. 1 Tab. 1.)

Zustand Härtezahl
nicht umgeschmolzen ungeätzt
geätzt
505
502
umgeschmolzen ungeätzt
geätzt
460
463

abgeschreckt bei
850°
1300° in CO2
von – 78,6°
998

982
1)

1906, Bd. II.

2)

American Journal of Science 1897, S. 399.