Text-Bild-Ansicht Band 322

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Die Versuche begannen mit der Prüfung von Ferrit in Gestalt von elektrolytischem Eisen in dem in Tab. 2 angegebenen Zustande. Die Ergebnisse zeigen, daß Aetzen keinen Einfluß auf die Härtezahl ausübt. Abschrecken dagegen verdoppelt nahezu die Härte des Ferrits.

Im Anschluß hieran wurde der Ferrit in verschiedenen Stahlsorten geprüft, wobei die in Tab. 3 wiedergegebenen Werte erzielt sind. Sie zeigen, daß die Härte

Tabelle 3.

Härte von Ferrit.

Material mit 0,035–0,68 v. H. C.

No.
(s. a. Tab. 1)
Gehalt an
C v. H.

Zustand

Härtezahl
4 0,035 Erhitzt auf 1000°, langsam ab-
gekühlt
478
5 0,065 desgl. 954
6 0,13 desgl. 678
6 0,13 2 Std. bei 1000° geglüht, langsam
abgekühlt
598
7 0,20 Erhitzt auf 1000°, langsam ab-
gekühlt
538
8 0,35 desgl. 595
9 0,45 desgl. 612
10 0,48 desgl. 607
12 0,68 desgl. 660
5 0,065 Abgeschreckt bei 850° 1237
6 0,13 Abgeschreckt bei 1000° 2309

des Ferrit durch längeres Glühen (Material No. 6) herabgesetzt wird und – mit Ausnahme des Materials No. 5, das eine auffällige Abweichung zeigt – mit wachsendem Kohlenstoffgehalt etwas zunimmt. Dies unterstützt nach der Ansicht von Boynton die von Benedicks ausgesprochene Vermutung, daß der Ferrit Kohlenstoff gelöst enthält und zwar um so mehr, je höher der Kohlenstoffgehalt des Materials ist.

Bei der abgeschreckten Probe der Sorte 6 in Tab. 3 glaubt Boynton noch Ferrit gefunden zu haben. Bei der gewählten Abschreckwärme von 1000° ist dies aber ausgeschlossen; es liegt bereits Martensit vor.

Im Schweißeisen zeigte Ferrit die in Tab. 4 angegebenen Härtezahlen. Bei Material No. 2 ist im Anlieferzustand noch die durch die Bearbeitung gesteigerte

Tabelle 4.

Härte von Ferrit.

Material: Schweißeisen.


No.
Gehalt an
C v. H.

Zustand

Härtezahl
2 0,025 Anlieferzustand
2 Std. bei 900° geglüht
1557
798
3 0,12 Erhitzt auf 900°
2 Std. bei 900° geglüht
909
686

Härte des Ferrits zu erkennen. Längeres Glühen setzt auch bei Schweißeisen die Härte des Ferrits wesentlich herab.

Die Härte des Ferrit ist sowohl im Flußeisen (Tab. 3) als auch im Schweißeisen (Tab. 4) höher als im elektrolytischen Eisen (Tab. 2), was durch den Kohlenstoffgehalt der beiden ersteren Eisensorten bedingt sein dürfte (vergl. die Hypothese von Benedicks).

Die Härte des Perlit nimmt mit wachsendem Kohlenstoffgehalt zu, wie Tab. 5 erkennen läßt. Bei Proben

Tabelle 5.

Härte von Perlit.

Material
No.
Gehalt an
C v. H.
Zustand Härtezahl
7 0,20 Erhitzt auf 1000°, langsam
abgekühlt
842
8 0,35 desgl. 1745
9 0,45 desgl. 1957
10 0,48 desgl. 2046
11 0,58 desgl. 2090
12 0,68 desgl. 2147
13 0,86 desgl. 3129
14 0,91 desgl. 3994
15 1,24 desgl. 4109
16 1,52 desgl. 4711
19 4,55 desgl. 2152

mit weniger als 0,2 v. H. Kohlenstoffgehalt ließen sich nicht genügend große Perlitanhäufungen erzielen, um die Härteprüfung ausführen zu können.

Die für Ferrit und Perlit bei verschiedenem Kohlenstoffgehalt des Eisens erhaltenen Härtezahlen sind in dem Schaubilde Fig. 1 dargestellt. Alle Proben, deren Härte in diesem Schaubild angegeben ist, waren bis auf 1000° erhitzt und langsam im Ofen abgekühlt.

Textabbildung Bd. 322, S. 171

Sorbit zeigte die in Tab. 6 wiedergegebenen Härtezahlen.

Die Härte von Martensit nimmt stark mit steigendem Kohlenstoffgehalt zu (s. Tab. 7).

Tabelle 6.

Härte von Sorbit.

Material
No.
Gehalt an
C v. H.
Zustand Härtezahl
10 0,48 Erhitzt auf 1000°, an der Luft
abgekühlt
3694
11 0,58 desgl. 3729

Tabelle 7.

Härte von Martensit.

Material
No.
Gehalt an
C v. H.

Zustand

Härtezahl
7 0,20 Abgeschreckt bei 850° 17896
8 0,35 desgl. 54486
11 0,58 desgl. 104987
13 0,86 desgl. 110559
15 1,24 desgl. 116560
16 1,52 desgl. 120330

Die Härte des Austenit, die nach Kourbatoff sehr schwankt, konnte nicht genügend sicher festgestellt werden,