Text-Bild-Ansicht Band 322

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Vorschläge auf, um das Holz, das doch allmälig immer knapper und daher teuerer im Preise wird, durch andere zellstoffhaltige Rohstoffe zu ersetzen. Auch Holzgattungen, wie etwa Linde, die bisher als nicht geeignet bezeichnet worden sind, sucht man verwendbar zu machen. Hierbei wird insbesondere für die Linde, welche wegen ihres Farbstoffgehaltes schwarz wie Tinte aus dem Kocher kommt, einfaches Auswaschen im Holländer empfohlen, um den Stoff schon im ungebleichten Zustande für Zeitungspapier geeignet zu machen.

Auch die Vorschläge, aus Torf brauchbare Papierfasern zu gewinnen, sind trotz vieler schwerer Mißerfolge nicht zur Ruhe gekommen6). Man will nun dem Torf vielfach durch eine stark mechanische Behandlung beikommen, ohne chemische Einwirkungen ganz bei Seite zu lassen. Dr. Beddies gibt einen solchen prinzipiellen Vorschlag (D. R. P. 127393). Der frisch gestochene Torf wird durch den Elevator a (Fig. 21) in die erste Schneckenpresse b geschafft, welche ihn mit Schnecke e unter Beihilfe des schwach alkalischen Kalkwassers aus Brause c durcharbeitet und dann der Schneckenpresse d überliefert. Letztere quetscht ihn etwas aus und läßt das Abwasser durch k1 abrinnen, worauf der Torf k auf treppenartig angeordnete Transportbänder f übergeht, die ihn gut zu waschen gestatten.

Textabbildung Bd. 322, S. 407

Das Waschwasser fließt von oben aus den Brausen h durch die porösen Lager g, g1 aus Kalkstein oder Koks. Einen Teil des Wasserüberschusses preßt die Walzenpresse l aus, worauf der Torf in die Zerkleinerungsvorrichtungen m geleitet wird, durch welche Fasern ziemlich gleicher Länge erzielt werden sollen, die in den Bottichen n oder in Bleichholländern nochmals alkalisch zu rotten oder zu bleichen sind, falls man nicht dunkle Papiere oder Pappen erzeugen will. Gebleicht, oder ungebleicht sollen die so, wie kurz geschildert, vorbereiteten Fasern schon für den Zusatz im Mischholländer geeignet sein.

In mehreren Patenten schlagen Christian Esser (und Adolf Pollak) vor, die Torf fasern durch Stampfen aufzuschließen. Die rohen Torffasern sollen beispielsweise (amerikan. Patent 690363, D. R. P. 142658, 154144, 156842) in einem runden, langsam kreisenden Trog (oder in einem hin- und hergehenden) der Einwirkung von Stößelgruppen unterworfen werden, wobei der Rohtorf nur in relativ dünner Schicht (5–10 cm stark) einzutragen ist. Es wird dabei erwartet, daß nur die dickeren Torfteile zerquetscht, zerfasert, die dünneren (durch die dickeren geschützt) geschont werden.

Das Prinzip des Verfahrens von Kalmann ähnelt in vieler Beziehung jenem von Beddies. Kalmann (D. R. P. 144830) will allerdings gründlich auswaschen unter gleichzeitigem Schleifen so lange, bis eine breiige Masse entsteht, welche wiederholt ausgequetscht und wieder aufgequollen werden soll, bis man ein halbstoffartiges Produkt erhält.

Außer dem durch den Werdeprozeß schon so veränderten Fasernkonglomerat in dem Torf werden neuerdings Fasern enthaltende Produkte, oder solche Pflanzen oder Pflanzenreste zur Verarbeitung vorgeschlagen, welche bisher oft als lästige Abfälle betrachtet, aber nicht verwendet worden sind, oder nicht verwendet werden konnten, weil sie in nicht genügenden Mengen oder nicht zu genügend billigem Preise zu erhalten waren, was allerdings für viele Vorschläge heute auch zutrifft. So werden Haferhülsen (amerikan. Patent 675234), der Raffiabast, die Nachtkerze, Salbei, Tabakblattrippen (D. R. P. 128545) nach entsprechendem Auslaugen u.a., wie insbesonders auch die in gewiß größeren Mengen erhältlichen Maisstengel und Maiskolbenblätter, zur Verwendung vorgeschlagen. Auf letztere konzentriert sich sogar anscheinend ein größeres Interesse. So will Ordódy (D. R. P. 130851) durch alkalische Kochung aus den Maiskolbendeckblättern lange zum Spinnen und kurze für die Papierfabrikation geeignete Fasern gewinnen. Der bekannte norwegische Papierteckniker Viggo Drewsen schlägt vor (amerikan. Patente 789416–418) mit besonders starken alkalischen Laugen Maisstengel zu kochen, weil dadurch das Mark nicht etwa zerstört, sondern gerade brauchbar gemacht wird, indem seine Zellen den pergamentartigen Charakter verlieren, weich und saugfähig werden. Andere Erfinder trennen aber wieder Mark und Stengel, wie etwa Sherwood (amerikan. Patente 680079 und 720850–851). Die Stengel können dann in üblicher Weise alkalisch gekocht werden, sogar nur mit Wasser, wie Sherwood angibt. Das Mark ist irgendwie für sich zu benützen. Es kann auch durch Kochung in eine hydrozellstoffartige Substanz übergeführt und als klebrige (pergamentartig werdende) Masse weitere Verwendung finden.

Daß man auch andere Gräserarten, Alfa und dergl., Schilf, Binsen u.a. durch Kochen mit alkalischen und sulfittischen Laugen in Zellstoff zu verwandeln sucht, ist bekannt und schon in früheren Berichten erwähnt, aber auch in den letzten Jahren neuerlich angeregt worden. So schlägt Braun (D. R. P. 151285) Ammoniumsulfit für besonders hellen, leicht bleichbaren Stoff, Holmes (amerikan. Patent 704259) alkalische Laugen für Flachs- und Hanfstroh vor. Daß letztere sehr schönen Zellstoff geben können, ist wohl ohne weiteres klar, indessen hängt die Wirtschaftlichkeit von den lokalen Verhältnissen ab.

Interessant, einem besonderen, modernen Zuge entsprechend, ist der Vorschlag von Montessus in Tunis, wonach (D. R. P. 150353) Alfa oder ähnliche Pflanzen durch Gährung mit künstlich durch Beihilfe von Meerwasser u.a. Stoffen gezüchteten Bakterien in Zellstoff dadurch umgewandelt werden sollen, daß man alle Bestandteile der Pflanzen, welche nicht aus Zellstoff bestehen, löslich und auswaschbar macht. Die hierfür notwendige Gährung dauert 11–14 Tage. Sollte das Verfahren einschlagen, so wäre es immerhin denkbar, daß dadurch die Alfaausfuhr, welche jährlich über den Hafen von Sfax auf 20–60000 t geschätzt werden kann, beeinflußt würde. Auch die Abfälle bei der Baumwollgewinnung, insbesonders nach dem Egrenieren, verlocken zur Fasergewinnung. Tatsächlich haften ja an den Schalen Fasern und Faserreste, welche für die Papierfabrikation entschieden wertvoll sind. Aber ihre Begleitung ist durchaus unwillkommen, denn die schwarzen Schalenreste, die braun, ölig und staubig gewordenen Fasern in schön weißen Papierstoff umzusetzen, erfordert viel Mühe und Sorgfalt. Nach dem D. R. P. 134263 werden die Baumwollschalen mit Naphtadämpfen

6)

Alle Beachtung verdient die Anregung, Torf, Torfstreu und dergl. in der Landwirtschaft mehr einzubürgern und dafür das heute dort verwendete Stroh in die Papierfabrik wandern zu lassen.