Text-Bild-Ansicht Band 322

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behandelt, wobei im Kreislauf dieselbe Naphtamenge immer wieder zu verwenden versucht wird, um die Oele, Wachs- und Gummiarten auszuziehen. Hierauf wird mit Aetzkalilauge gekocht, um die Schalen völlig aufzulösen, und die verbliebene Fasermasse gründlich ausgewaschen.

Johnson (amerikan. Patent 530553 und 733969) zerkleinert gründlich mechanisch die Samenschalen, kocht mit Aetznatronlösung bei hoher Temperatur und hohem Druck, worauf mit heißem Wasser ausgewaschen wird, wodurch die Farbstoffe von den Fasern ferngehalten werden sollen.

Coleman und Toxey wollen hingegen (amerikan. Patent 723137) die ganze Baumwollstaude zu Papier verarbeiten, allerdings nach Entfernung der Blätter durch Kochen nach irgend einer der bekannten Methoden. Dabei soll das in den Samen enthaltene Oel bei der Kochung sich oben absetzen und leicht entfernen lassen. Sogar die Kerne sind hierbei als wertvoll zu betrachten, weil sie im gequetschten und aufgelösten Zustande eine klebrige Masse bilden, welche als eine Art Füll- oder Leimstoff im fertigen Papier wirkt, dem Papier eine glatte Oberfläche geben kann.

Marsden wieder will (amerikan. Patent 781612) nur die sonst wertlosen Teile der Baumwollstaude nutzbar machen. Die Stengel werden gereinigt, zerkleinert und zerquetscht und in reinem Wasser gewaschen, endlich durch 3–6 Stunden in reinem Wasser bei etwa 4 at gekocht. Dadurch sollen Tannin, Zucker, Farbstoffe, sowie andere lösliche Körper, aber auch Klebstoffe und Mineralsalze ausgelaugt werden, so daß die nachträgliche alkalische Kochung, oder auch eine solche mit Natriumsulfid bei 6–7 at leichteres Spiel hat. Die Fasern sind hiernach für Papier, aber sogar auch zum Verspinnen geeignet zu erhalten.

Für Schilf gibt Ordódy ein anscheinend recht verwickeltes Verfahren an (D. R. P. 163659). Das geerntete Schilf wird sogleich in Längsfasern zerlegt und einer Mazeration unterworfen durch wiederholte Behandlung mit etwa 50grädigem Wasser, worauf eine Behandlung mit einer Teerätzkalkverbindung folgt und zwar durch etwa acht Stunden bei rund 100°. Wiederholt mit Wasser gewaschen, sondert sich die kurze und die lange Faser, wobei man durch Glyzerin oder Natriumsulforizinat als Zusatz beim Waschen die Faser erweicht, so daß man in der langen Faser eine angeblich gut spinnfähige, in den kurzen Fasern solche für die Papierfabrikation gewinnt.

Ob das Verfahren von Ch. Arendt und G. de la Royère (D. R. P. 154754) wirklich aus Rübenschnitzeln, denen die Säfte entzogen worden sind, durch Kochen mit einer erdalkalischen Base, hierauf Waschen und Kochen mit Alkalikarbonatlösung brauchbaren Papierstoff liefert, mag doch einigermaßen bezweifelt werden. Es ist aber auch ein Zeichen dafür, und zwar ein ganz auffallendes, wie hoch der Wunsch gestiegen ist, an Stelle des Holzes andere Rohstoffe treten zu lassen. Auch das Moment, daß japanische Fasern, wie Mitsumata und Kodzu, tatsächlich einzuführen versucht werden, ist wohl als ein Beweis dafür anzusehen, daß das knapp werdende europäische Holz zum Suchen nach Ersatz zwingt.

Für die Herstellung von Holzzellstoff ist bekanntlich das Holz in genügend kleine Spähne zu zerkleinern. Hierfür sind nach wie vor hin- und hergehend, sowie drehend arbeitende Hackmaschinen in Gebrauch, welche sich in bereits bekannten Ausführungsformen angewendet finden. Kurz gestreift werde der Vorschlag von Philbrjck (amerik. Patent 775382), wonach zur Erzielung eines befriedigenden Schnittes durch die radial gestellten Drehmesser vor den festen Gegenmessern diese geknickt hergestellt werden, um auch dann guten Schnitt (durch parallel liegende Messerschneiden) zu erreichen, wenn das Drehmesser den letzten Teil des Schnittes ausführt.

Holzabfälle, welche bei der üblichen Holzzerkleinerung vorkommen, versucht Heinrich Wigger (D. R. P. 153537) dadurch nutzbar zu machen, daß er sie durch Schneidscheibenpaare von fast an die alten Eisenspaltwerke erinnernder Anordnung schickt, wobei die zusammenarbeitenden Schneidscheiben wechselnde Stärke und eine geschärfte Zahnung erhalten.

Mit den üblichen Drehholzschneidern denkt sich Wigger (D. R. P. 141052) aus Winkeleisen gebildete, an die Messerscheiben genietete Wurfflügel verbunden, um die Schneidmaschine tief aufstellen und die erzielten Spähne mechanisch, einfach durch Abschleudern höher hinauf zur weiteren Verarbeitung zu bringen, ohne besondere Transporteure anwenden zu müssen.

Einen hübschen Gedanken versucht Strehle (D. R. P. 140803) zu verwirklichen. In dem durch die Hackmaschinen gelieferten verkleinerten Holz kommen unmittelbar brauchbare, aber auch solche Holzteile, wie Knorren, vor, welche von den erstgenannten gesondert und ferngehalten werden müssen, sofern man erstklassigen Zellstoff erzielen will. Werden nun die gehackten Holzteile behufs weiterer Auflösung, wie es häufig geschieht, gewöhnlichen Desintegratoren übergeben, so werden Knorren und gute Holzteile angegriffen und in den sehr kleinen Teilen finden sich die beiden auseinander zu haltenden Holzbestandteile so gemengt, daß ein Trennen praktisch schwer möglich ist. Strehle macht nun die Schläger (Schlagstifte in gewöhnlichen Desintegratoren) nicht absolut fest, sondern beweglich an wellenartigen Stangen, welche parallel zur Achse der Schlagscheiben zwischen diesen angebracht sind. Die Schläger stellen sich infolge der Fliehkraft von selbst radial und arbeiten, während der Drehung zwischen festen Nasen an der Gehäusewand hindurch gehend, zerschlagend auf die eingebrachten Holzteile. Sehr widerstandsfähige Teile, wie Knorren, veranlassen aber einfach eine genügende Ablenkung der Schläger, so daß die Knorren nicht zerschlagen werden, sondern im wesentlichen unzerkleinert erhalten bleiben und deshalb später leicht ausgelesen werden können.

Die Arbeit im Desintegrator versucht John Unser (amerikan. Patent 685018) dadurch ganz zu umgehen, daß er die von einer Drehhackmaschine erzielten Späne bei dem Austritt aus dem die Hackscheibe umgebenden Gehäuse mit Hilfe einer stellbaren Leitfläche gegen einen mit pyramidenförmigen Erhöhungen versehenen Wandteil des Kanales wirft, durch welchen die Späne abgesogen werden.

Trennung zwischen knorrigen und unmittelbar brauchbaren Spänen auf nassem Wege bezwecken die beiden Anordnungen (amerikan. Patente 675833 und 693684) von Jones, beziehungsweise Burgeß. Danach werden in beiden Fällen die zu trennenden Holzteile einem Bottich mit Wasser überliefert, wobei Tauchwalzen mit Tauchwänden, oder Tauchstiften die Späne unter die Wasseroberfläche zu bringen suchen. Die spezifisch leichten Holzteile steigen aber wieder an die Oberfläche, von wo sie mittels Transportschnecken ab- und weitergeführt werden können, während die spezifisch schwereren, knorrigen Teile zu Boden sinken und von dort zu entfernen sind. Damit läßt sich die jüngere der beiden Anordnungen genügen. Jones jedoch versucht noch eine weitere Trennung der zu Boden gesunkenen Teile, weil sich unter diesen erfahrungsgemäß noch eine merkliche Menge solcher Holzstücke befindet, welche an sich für die Zellstoffgewinnung gut, aber nur durch Umstände, wie etwa Vollsaugen mit Wasser, spezifisch so schwer geworden sind, daß sie ebenso wie die knorrigen Teile zu Boden sinken. Jones führt deshalb durch eine schief ansteigende Transportschnecke