Text-Bild-Ansicht Band 322

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eingeleitet werden, während im Innern der Trommel ungemein rasch (mit 4–500 minutl. Umdreh.) Rührer sich drehen. Durch diese soll die Flüssigkeit im Trommelinnern derart verspritzt werden, daß eine große Absorptionsfläche dargeboten und in ungemein rascher Arbeit in ununterbrochenem Strome brauchbare Sulfitlauge erzielt werde.7)

Drewsen versucht übrigens noch in anderer Weise, das Sulfitverfahren sparsamer zu gestalten (amerikan. Patent 730439). Es sollen nämlich die Späne schon vor der eigentlichen Kochung bei gewöhnlicher Temperatur mit Sulfit getränkt werden, und zwar soll hierfür Natrium- oder Magnesium-Monosulfit genügen, das neutral oder schwach alkalisch ist, also auch die Gefäßwände nicht angreift.

Die Vorschläge von Dr. Hermann Rabe in Berlin (D. R. P. 139234 und 140998) bezwecken im Turmsystem günstigere Laugenherstellung zu erreichen. Einerseits ist ein Flüssigkeitsverteiler vorgesehen, welcher jeden Teil des Turmquerschnittes mit entsprechender Wassermenge versorgt, andererseits ist eine sogenannte Temperiervorrichtung aus Rohren oder Doppelböden bestehend eingebaut, was die Turmtemperatur durch Luftkühlung ermäßigen soll.

Ein Ungeheuer scheint der Säureturm der neuen Sulfitstoff-Fabrik „Battle Island Paper Co.“ in Fulton (V. St. v. N. A.) zu sein. Der Turm ist 36 m hoch und mit 65 t Marmor gefüllt. Das Pumpwerk schöpft 14 cbm Wasser i. d. Minute. Die drei hierzu arbeitenden Kocher haben 15 m Höhe und 4,2 m Durchm.

Bekannt ist, daß Harz im Holz das Zellstoffkochen recht erschwert. Hoskins (amerikan. Patent 770463) versucht dieser Schwierigkeit dadurch beizukommen, daß harzreiches Holz vor dem Zellstoffkochen durch Dampf in einem Behälter soweit erwärmt wird, daß die Terperne verflüchtigt, dann aufgefangen und kondensiert werden, während das Harz schmilzt und in diesem Zustande als Nebenprodukt zu gewinnen ist. Aber auch andere, bei der Zellstoffgewinnung unwillkommene Begleiter der Holzsubstanz, wie Gerbsäure, versucht man vorher zu entfernen. Oma Carr gibt hierfür (amerikan. Patent 762139) ein Verfahren für solche Hölzer an, welche sehr gerbstoffreich sind. Das in lange Späne geteilte Holz wird wiederholt zwischen schweren Walzen gequetscht, bis nur etwa 3 – 8 v. H. Gerbextrakt enthalten sind. Um auch diesen zu entfernen, wird das Holz ausgelaugt und schließlich in reinem heißem Wasser behandelt. Dann ist das Holz in üblicher Weise auf Zellstoff zu verkochen.

Wie sehr solche Holzbegleiter die Zellstoffkochung beeinflussen, mag etwa die Angabe dartun, daß mit Natronlösung gekochter Stoff (aus Pappel und Fichte) die Ablauge frisch ganz rosafarbig liefert; an der Luft wird sie jedoch sogleich tief schwarz.8)

Sein kombiniertes Kochverfahren sucht Willy Schacht9) (D. R. P. 131108) dadurch zu vervollkommnen, daß er Schwefeldioxyd in kaustische Natronlaugen leitet, welche aus Soda, Rohsoda oder Regenerationsschmelzen erzielt werden.

Ganz eigentümlicherweise schlägt Frau Küß (franz. Patent 354092) vor, Alfa und ähnliche Pflanzen mit Petrolseife zu verkochen, um feinen, weißen Stoff zu gewinnen.

(Fortsetzung folgt.)

Rauchverbrennung.

Das dauernde Interesse, das der Frage der Rauchverminderung nicht nur aus Fachkreisen, sondern auch von den durch die Rauchplage Betroffenen entgegengebracht wird, liegt zweifellos darin, daß es bisher eine allen Anforderungen genügende Rauchverbrennungseinrichtung nicht gab.

Die bekannt gewordenen und praktisch erprobten Einrichtungen zur Verhütung der Rauchplage haben den gehegten Erwartungen insofern nicht entsprochen, als sie entweder in der Konstruktion zu kompliziert waren, oder einer besonderen Wartung bedurften, oder sehr hohe Anschaffungs- oder auch häufige und reichliche Reparaturkosten erforderten.

Bei ganz allgemeiner Prüfung der Frage, welcher Rauchverhütungseinrichtung der Vorzug zu geben ist, wird zunächst zu untersuchen sein, in welcher Weise die angebotene Einrichtung die Rauchplage beseitigen soll und alsdann, ob sie geeignet erscheint, bei dem jeweiligen Betrieb den Rauch ganz oder annähernd ganz zu beseitigen, und die Nutzwirkung der Dampfkessel zu erhöhen oder mindestens nicht ungünstig zu beeinflussen. Hierbei muß vor allen Dingen berücksichtigt werden, daß die Verminderung der Rauchentwicklung fast ausschließlich durch Zuführung von Sekundärluft zum Feuerungsraum erreicht wird, und daß sowohl die Menge dieser Sekundärluft, wie auch deren Zuführung zeitlich und örtlich richtig und den jeweiligen Betriebsverhältnissen entsprechend gewählt werden muß. Wie wesentlich dieser Umstand ist, geht daraus hervor, daß die atmosphärische Luft nur 21 Teile Sauerstoff, aber 79 Teile Stickstoff enthält und letztere in der Feuerung mit erwärmt werden müssen, wodurch praktisch die Verluste vergrößert, sonst aber irgend welche Vorteile nicht erzielt werden.

Führt man sich nun den fortschreitenden Verbrennungsprozeß auf einem Planrost bei natürlichem Schornsteinzuge vor Augen, so ergibt sich schon, zu welchen Zeiten und in welcher Menge die Sekundärluft zweckmäßig in den Feuerungsraum eingeführt werden muß.

Nach jedesmaligem Beschicken des Rostes, d.h. nach jedesmaligem Aufwerfen von Kohle entweicht der letzteren naturgemäß die größte Menge Kohlenwasserstoffe, welche als Rauch aus dem Schornstein steigen. Der Grund hierfür liegt in dem Umstände, daß die Arbeit des Schornsteins infolge der auf den Rost gebrachten größeren Kohlenmenge erschwert wird und die durch den Rost und die höhere Kohlenschicht eintretende Primärluft gerade im Gegensatz zu dem Erfordernis geringer ist, als bei mehr oder ganz abgebranntem Feuer.

Mit dem zunehmenden Abbrand der frischen Kohlenschicht wird letztere niedriger, der Widerstand für den Luftdurchtritt geringer und der Zutritt der Primärluft durch den Rost wieder größer.

Hieraus geht hervor, daß eine Rauchverminderungseinrichtung jedesmal mit dem Augenblick der Beschickung des Rostes mit frischem Brennstoff in Tätigkeit traten, und dem Feuerungsraum Sekundärluft, also eine nicht durch den Rost, sondern von anderer Stelle eintretende Menge Luft, zuführen muß. Die zu dieser Zeit der. Rostbeschickung eintretende Menge Sekundärluft muß aber durch die Rauchverbrennungseinrichtung auch regelbar und zwar entsprechend dem Abbrand der Kohlenschicht regelbar sein, damit die Zuführung des Sauerstoffes in demselben Verhältnis

7)

Papierzeitung 1904, S. 1387.

8)

Vergl. Papierzeitung 1902, S. 1399.

9)

Vergl. D. p. J. Bd. 317, S. 750.