Text-Bild-Ansicht Band 322

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zurückbleiben und sich dort im weiteren Prozeß des Brennens so verkieseln, daß sie unentfernbar an der Ware haften bleiben.

Die Kontrolle, ob der Ofeneinsatz gründlich und in allen Teilen ausgeschmaucht ist, erfolgt durch Hineinlassen eines sogen. Schmauchthermometers, eines durch eine Messinghülse mit daran befestigter Kette geschützten bis 300° zeigenden Thermometers, der an verschiedenen Stellen durch die im Ofengewölbe befindlichen Oeffnungen bis etwa 1 m über der Sohle des Ofens hineingesenkt wird.

Ist der Ofen vollkommen ausgeschmaucht, so beginnt unter erhöhter Hitzeentwicklung das eigentliche Brennen. Durch die richtige Verteilung der Brennherde und des Abzuges, sowie dem entsprechenden Einsetzen der Ware muß dafür gesorgt werden, daß diese Hitzeentwicklung möglichst gleichmäßig in allen Teilen des Einsatzes wirkt da nur dadurch das Brennen richtig verlaufen kann. Die Hitzeentwicklung wird so lange fortgesetzt, bis der gesamte Einsatz jene Temperatur besitzt, die er haben muß, um, wie bereits erwähnt, die für seine künftige Bestimmung erforderliche mechanische und chemische Festigkeit zu erhalten. Die Kontrolle, ob diese Glut erreicht ist, geschieht auf verschiedene Weise. Der geübte Brenner vermag sie nach der Farbe der Glut zu erkennen, die allmählig je nach der Erhöhung der Temperatur von dunkel über hellroter nach weißer Glut übergeht. Diese Kontrolle ist indessen ungeübten Augen nicht anzuraten, da die Glut bei hellem oder trübem Wetter, bei Tag oder Nacht wesentlich anders erscheint. Genauere Kontrolle ergibt das Messen der Schwindung, welche der einzelne Formung und entsprechend der ganze Einsatz im Vollfeuer, d.h. bei der für ihn erforderlichen höchsten Temperatur, erfährt. Es geschieht dieses Messen durch das Einführen einer eisernen Stange durch eine im Gewölbe des Ofens angebrachte Oeffnung bis zu dem darunter befindlichen Höchstpunkte des Einsatzes. Die Entfernung zwischen diesem Aufsatzpunkt bis zur Oberkante des Ofens wird vorgemerkt und die bei wiederholten Messungen allmählig größer werdende Entfernung läßt die Schwindung des Einsatzes erkennen. Es ist auch verschiedentlich versucht worden, Pyrometer zur Feststellung der Temperaturen in den Brennöfen der Tonindustrie anzuwenden, doch haben sie sich hierbei nicht bewährt. Sie waren meist darauf hergestellt, daß das allmählige Wachsen eines starke Hitze vertragenden Körpers, wie z.B. Graphit, auf einer Skala übertragen wurde, von der man die Wärmezunahme resp. Verringerung ablesen konnte; doch litten diese Pyrometer meist an dem Uebelstande, daß der betr. Körper nach dem Abkühlen nicht in seine erste Abmessung zurückkehrte, so daß ein häufiges Richtigstellen des Apparates erforderlich war, welches nur von geübter Hand ausgeführt werden konnte.

Sehr gut bewährt haben sich dagegen die sogen. Seger-Kegel. Sie sind auch heute wohl bei allen Oefen der Tonindustrie eingeführt, wo eine genaue Kontrolle der zu gewinnenden Temperatur erforderlich ist. Diese etwa 6 cm hohen pyramidenförmige Körper sind von Professor H. Seger zuerst hergestellt, und zwar aus einer Reihe an Schwerschmelzbarkeit zunehmenden Silikaten (Fig. 41). Heute werden davon 64 verschiedene Nummern verwendet zum Messen der Wärme in Stufen von je 20° C zwischen 590° (beginnende Rotglut) und 2030° C (über Platinschmelzhitze). Erkannt wird die Temperatur an der Nummer des Kegels, der sich schmelzend neigt. Die Beobachtung dieses Vorgangs, zu welchem die Kegel möglichst in der Mitte des Einsatzes aufgestellt werden und Vorsorge getroffen wird, daß die Kegel von einem in der Ofenwandung angebrachten Schauloch gesehen werden können, kann von jedem Arbeiter erfolgen, so daß sie auch in dieser Hinsicht ein praktisches Hilfsmittel für die Industrie geworden sind.

Als einfachste Ofenanlage zum Brennen von gewöhnlichen Mauerziegeln ist der sogen. Feldofen noch recht verbreitet, meist auf den bereits früher besprochenen Handstrichziegeleien, die nur so lange bestehen, bis das in Abbau befindliche Feld ausgeziegelt ist. Im Gegensatz zu den anderen Oefen hat der Feldofen kein festes Mauerwerk, das den Einsatz umschließt, sondern der ganze Ofen wird aus ungebrannten Formungen ausgeführt, höchstens daß die Sohle, die Decke und einzelne der Witterung besonders ausgesetzte Wandflächen mit schwachgebrannten Ziegeln gedeckt sind. Die Wärmeentwicklung geschieht zunächst in Feuerkanälen, die zwischen zwei gegenüberliegenden Wandungen wenige Schichten über der Sohle den Ofen durchziehen. Die Feuerkanäle bestehen von unten aus zunächst aus dem Aschenfall, der durch einen aus rohen Ziegeln gebildeten Rost abgedeckt ist, auf dem das Feuer angefacht wird. Die Feuerkanäle werden beim Setzen des Ofens mit Steinkohlen, unten große, oben kleinere Stücke, gefüllt, ebenso wird zwischen jede Ziegelschicht beim Aufbau des Ofens eine 10 bis 15 mm hohe Kohlengruslage gebreitet, die sich mit dem Aufsteigen der Glut von den Feuerkanälen aus entzündet und das Garbrennen der Formlinge befördert. Eine weitere Befeuerung als durch diese schon beim Setzen des Ofens eingebrachte Kohle findet nicht statt. Ein derartiger Ofen erhält gewöhnlich eine Höhe von 28 Ziegeln, hochkant aufgesetzt, eine Breite von 80 – 120 Ziegelköpfen, die Länge richtet sich nach den vorhandenen Ziegeln. Wenn nun auch ein derartiger Ofen den Vorzug hat, daß er ohne feststehendes Mauerwerk und deshalb ohne besondere Anlagekosten aufgebaut wird, so ist seine Brennwirkung doch so sehr von der Witterung abhängig, daß es selbst dem geschicktesten Brenner unmöglich ist, in ihm einen gleichmäßigen Brand zu erzielen und daß bei jedem Brande auf einen Ausschuß von mindestens 25 v. H. der Ware gerechnet werden muß.

Textabbildung Bd. 322, S. 537

Einen wesentlichen Fortschritt bedeutet schon der sog. „Deutsche Ofen“, dessen Umfassungsmauern, zuweilen auch die gewölbte Decke, massiv aufgemauert sind und so Schutz gegen die Witterungseinflüsse bieten. Hier wird auch die Kohle nicht zwischen die einzelnen Schichten gestreut, sondern man versucht von den Feuerherden aus durch entsprechenden Einsatz einen gleichmäßigen Brand zu erzielen. Aber auch in diesem, wie dem vorherbeschriebenen Ofen, ist der Luft, die von den Schüröffnungen aus den Einsatz durchzieht, kein Zwang auferlegt, so daß sie ihren naturgemäßen Weg, nach oben, nehmen kann. Bei den folgenden Oefen wird der erwärmten Luft durch den künstlichen Zug des Schornsteins ihr Weg so vorgeschrieben, daß die von ihr getragene Wärme besser ausgenutzt wird, im Interesse eines gleichmäßigeren Durchbrennens des Einsatzes. Der Entwicklung entsprechend käme hier der sog. „Casseler Flammofen“ in Betracht, der aus dem alten Töpferofen entstanden, heute noch viel zum Brennen dünnwandiger Ware, wie Dachziegel usw., verwendet