Text-Bild-Ansicht Band 322

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wird. Das Zusammenziehen des Grundrisses wie das Einziehen des Gewölbes nach dem Schornsteine zu gestattet gleichmäßiges Brennen, das noch befördert wird durch eine im Querschnitt des Ofens zwischen den Rosten und dem Einsatzraume angebrachte durchbrochene Wand, welche die dahinter gesetzten Formlinge auch vor der direkten Flammenwirkung schützen soll.

Bei letztbesprochener Ofenart wird also die erwärmte Luft gezwungen, den Einsatz wagerecht zu durchstreichen, im Gegensatz zu der folgenden Art, in welcher das Feuer gezwungen wird, von oben in den Einsatz einzutreten und an der Sohle abgeführt wird. Es sind dies die Oefen mit überschlagender Flamme. Sie sind aus der Erfahrung entstanden, daß diejenige Ware, welche zumeist und zunächst von der Hitze getroffen wird, auch am ehesten in den Zustand übergeht, den wir mit Sinterung bezeichnen, d.h. in dem die einzelnen Teilchen des Formlings erweichen und sich so innig vereinigen. In diesem Zustande kann die Ware aber keine große Belastung vertragen, ohne ihre Form zu ändern, sich zu verziehen, deshalb zieht man vor, jene Ware, die im Gegensatz zu dem andern Einsatz möglichst scharf gebrannt werden soll, wie z.B. die Pflasterklinker, in Oefen mit überschlagender Flamme zu brennen. In diesen Oefen, die meist einen quadratischen, auch wohl runden Grundriß haben, wird das Feuer durch eine Mauer, die zwischen Feuer- und Einsatzraum eingesetzt ist, aber nicht bis an die Ofendecke reicht (Fig. 42), gezwungen, bis an das Gewölbe des Ofens zu schlagen und erst von dort in den Einsatz einzutreten, von wo er durch die Sohle abgezogen wird. Diese Oefen findet man einzeln, wohl auch zu zweien bis zu acht Oefen zusammengekuppelt, wodurch es möglich gemacht wird, die heiße Luft des kühlenden Ofens zum Vorwärmen des frisch eingesetzten Ofens zu verwenden und hierdurch eine erhebliche Ersparnis an Brennmaterial zu erzielen.

Textabbildung Bd. 322, S. 538

Wertvollere Ware, bei der es auf vollkommene Farbenreinheit ankommt, und die später zu behandelnden Glasuren werden, um sie von den Einflüssen der fast stets in den Flammen enthaltenen schädlichen Gase zu schützen, entweder eingekastelt, d.h. mit einer Schutzwand umgeben, oder in Muffelöfen gebrannt. Diese unterscheiden sich dadurch von den gewöhnlichen bis jetzt besprochenen Oefen, daß der ganze Einsatzraum von einer dünnen Wandung umgeben ist, um welche das Feuer sich bewegt, ohne direkt in den Einsatzraum eintreten zu können. Das Feuer erhitzt demnach direkt die Wandung und diese gibt ihre Hitze wieder an die eingesetzte Ware ab. Dadurch gebrauchen diese Oefen mehr Brennmaterial, der Einsatz brennt sich jedoch so farbenrein, ist auch stets so erheblich wertvoller, daß hierdurch die Mehrkosten leicht gedeckt werden.

Die bisher behandelten Oefen faßt man wohl auch unter dem Namen „periodische Oefen“ zusammen, da jeder Brand eine in sich abgeschlossene Arbeitsperiode umfaßt, die, wie wir früher besprochen, aus Schmauchen, Brennen und Kühlen besteht Bei ihnen wird das Brennen wesentlich dadurch verteuert, daß man zum Feuern kalte Speiseluft verwenden muß, während andererseits die erzeugte Hitze beim Kühlen der Ware nutzlos verloren geht. Diesen Erwägungen verdankt die Tonindustrie den Ringofen, der eine derartige Ausnutzung der Wärme, des Brennmaterials bedeutet, wie sie in solcher Vollkommenheit wohl in keiner anderen Industrie vorkommt. Wenn auch der im Jahre 1900 verstorbene Baurat Friedr. Hoffmann zu Berlin diesen Ofen nicht allein erdacht hat, so ist es doch sein unsterbliches Verdienst, ihn nach Ueberwindung unsäglicher Schwierigkeiten in der deutschen Tonindustrie, wie in jener der Welt eingebürgert zu haben, so daß wir ihn heute als wertvollstes Instrument der Ziegelerzeugung über die ganze Erde verbreitet finden. In seiner ursprünglichen Form besteht der Ringofen aus einem überwölbten, in sich zurückgehenden Brennkanal von kreisrunder Grundrißform, an dessen Außenseiten in bestimmten Abständen Türöffnungen zum Ein- und Aussetzen der Ware vorgesehen sind. An der inneren Wandung des Brennkanals befinden sich die Rauchabzüge, in gleicher Zahl, wie die Türen. Diese Abzüge führen in den sogenannten Rauchsammler. Sie können durch eiserne Glocken geschlossen werden, die mit ihren Rändern in die mit Sand gefüllten Einfassungsringe der nach dem Rauchsammler führenden Oeffnungen eingreifen. Der im Mittelpunkt des Ofens stehende Schornstein ist durch vier Oeffnungen mit dem Rauchsammler verbunden. In der Decke des ringförmigen Brennkanals befindet sich eine große Anzahl über die ganze Ringfläche gleichmäßig verteilter, mit eisernen Deckeln verschließbare kleine Oeffnungen, die Heizlöcher.

Um den Betrieb eines derartigen Ringofens verständlich zu machen, beginnen wir mit der Schilderung der ersten Inbetriebsetzung, wobei vorausgeschickt werden muß, daß jeder Ringofen aus mehreren Abteilungen von solcher Größe besteht, daß jede Abteilung die Erzeugung einer einheitlichen Betriebsperiode, meist eines Tages, an trockener Ware aufzunehmen vermag, während die Zahl der Abteilungen der Dauer der Betriebsperioden jeder Abteilung in Tagen entspricht. Nehmen wir an, daß eine bestimmte Warenmenge in einem Tage eingesetzt, in drei Tagen ausgeschmaucht und drei Tage vorgewärmt wird, dann zwei Tage in Vollfeuer, sechs im Abkühlen stehen müßte und nehmen wir dazu noch einen Tag für das Ausfahren, so würde das eine sechszehntägige Betriebsperiode bedeuten und dementsprechend einen Ringofen mit 16 Abteilungen erfordern. Jede Abteilung besitzt eine Tür als Beginn und einen Rauchabzug als ihren Schluß. Zwischen dem Rauchabzug und der ihm schräg gegenüberliegenden Tür der nächsten Abteilung wölbt sich über den Kanal der meist 25 cm breite Gurtbogen als Abschluß der Abteilung, bestimmt zur Anlehnung für den später zu beschreibenden Schieber, auch um die Hitze tragende Luft, die in dem durch die Schwindung des Einsatzes entstandenen freien Raum zwischen Einsatz und Decke ungenutzt dahinstreicht, zu zwingen, wieder in den Einsatz zurückzukehren.

Der Betrieb des Ringofens wird nun damit begonnen, daß in einer Abteilung quer durch den Brennkanal eine massive Wand, die sogen. Schildwand, aufgeführt wird, die soviel Schüröffnungen mit Aschenfall erhält, als der darüber liegende Deckenteil des Brennkanals die vorher geschilderten Heizlöcher enthält. Hinter den Schüröffnungen wird die Rostanlage gemacht und dicht dahinter mit dem Einsatz begonnen, hierbei wird unter jedem Heizloch ein sogen. Heizschacht aufgebaut, durch den die Kohle fällt, sich dabei auf Ziegeln, die in den Heizschächten einkragen, möglichst gleichmäßig verteilend. Die Heizschächte werden meist aus ungebrannten Formungen bei jedem Brande neugesetzt und sind unter sich in der Längswie Querrichtung durch die sogen. Sohlkanäle, die ebenfalls stets neugesetzt werden, verbunden. Die Sohlkanäle