Text-Bild-Ansicht Band 322

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stehen wieder in jeder Abteilung mit der Abzugsöffnung in Verbindung. Zwischen den Heizschächen und auf den Sohlkanälen werden dann die Abteilungen vollgesetzt, und zwar die Ziegel so geschränkt, daß sie stets die schmälste Seite der Feuerrichtung entgegenstellen. Auf diese Weise werden zur Inbetriebsetzung zunächst drei Abteilungen gefüllt und dann wird hinter dem Rauchabzug der dritten Abteilung ein Schieber angebracht, der vollständig den Querschnitt gegen die nächste Abteilung abschließt. Diese Schieber bestanden ursprünglich aus Eisenblech, das bei Inbetriebsetzung der nächsten Kammer nach oben durch einen Schlitz im Gewölbe herausgezogen wurde. Heute werden die Schieber meist durch einfaches Verhängen des Querschnitts mit Papier hergestellt, welches mit fettem Lehm oder Dextrin an die Wandungen des Kanals geklebt wird. Soll die neue Abteilung in Betrieb genommen werden, so wird das Papier durch Zerreißen oder Verbrennen zerstört. Es werden ferner die folgenden Abteilungen in gleicher Weise besetzt, nur daß jede Abteilung von der folgenden jedesmal durch erwähnten Papierschieber geschieden wird. Ist in dieser Weise der größte Teil des Brennkanals mit trockenen Formungen besetzt, so werden die Einkarrtüren an den Außenwänden mit einer doppelten sorgfältig abgeputzten Ziegelwand geschlossen und das Ventil zwischen der ersten Abteilung und dem Rauchsammler geöffnet. Dann wird auf den Rosten der Schildwand zunächst bei offenen Feuertüren ein leichtes Feuer entfacht und so lange unterhalten, bis der Einsatz dieser Abteilung ausgeschmaucht ist, worauf eine stärkere Wärmeentwicklung auf den Rosten eintritt, während das Ventil der Abteilung I geschlossen und das von Abteilung II geöffnet wird. Ist auch diese ausgeschmaucht, so wird ihr Abzug geschlossen und das Ventil von Abteilung III geöffnet. Inzwischen ist in Abteilung I die Hitze bei geschlossenen nur während des Schürens zu öffnenden Türen so gesteigert, daß die Formlinge in glühenden Zustand versetzt sind. Ist die Abteilung I in Glut gebracht, so beginnt man von oben durch die Heizlöcher Brennmaterial einzuführen und geht durch Abteilung II und III allmählich damit vor, während das Feuern in der Schildwand geringer wird und zuletzt ganz aufhört. Die Schildwand wird nun zunächst fest zugemauert, und man öffnet die nächsten Heizdeckel zur Einführung der erforderlichen Feuerluft. Gleichzeitig hat man mit dem Fortschreiten der Glut nach und nach die Papierschieber von 3 bis 4 Abteilungen vor dem Vollfeuer zerstört, damit die neuen Abteilungen durch die Rauchgase ausgeschmaucht und durch die entsprechend geöffneten Ventile abgesaugt werden können. Auf diese Weise wird nun weiter gearbeitet, so daß stets etwa zwei Abteilungen in direkter Befeuerung von oben stehen. Ist bei der geschilderten Inbetriebsetzung diese Befeuerung bis zur sechsten oder siebenten Abteilung vorgeschritten, so wird die Schildwand allmählich abgetragen und mit der Herausnahme der hinter ihr stehenden inzwischen abgekühlten Ziegel begonnen. Damit beginnt der regelmäßige Betrieb des Ringofens, der im allgemeinen so gehandhabt wird, daß sich ebensoviel Abteilungen mit gebrannter Ware hinter dem Feuer, wie mit ungebrannter Ware vor dem Feuer befinden, und daß das Abziehen der Rauchgase drei bis vier Abteile vordern Feuer erfolgt.

Seit Einführung des Ringofens in die Tonindustrie ist nun eine große Anzahl Aenderungen und Verbesserungen an ihm vorgenommen, die teils zu seiner besseren Anpassung an einzelne Warengattungen, teils zu noch gründlicherer Ausnutzung der in ihm erzeugten Wärme dienen. Diese Aenderungen lassen sich im wesentlichen in vier Gruppen zusammenfassen, und zwar in solche, die sich auf das Schmauchen, auf die Befeuerung, auf den Abzug der Rauchgase und auf die Gestalt des Ringofens erstrecken. Bei den der ersten Gruppe angehörenden Verbesserungen des Schmauchens, d.h. des Vorwärmens der frisch eingesetzten Ware, wird die sonst verlorene Wärme der kühlenden Abteilungen durch besondere Kanäle in die neu besetzten Abteile geführt, ein Vorgang, wie ihn Fig. 43 verdeutlicht. Hier befindet sich die linke Abteilung in Kühlung, die Wärme steigt durch Oeffnungen, die in den Heizlöchern seitlich angebracht sind, in einen Querkanal über dem Brennkanal, der sie in den eigentlichen Schmauchkanal (links oben) führt. Dieser Schmauchkanal geht parallel dem Brennkanal um den ganzen Ofen. Die erwähnte warme Luft durchzieht ihn bis zu dem geöffneten Ventil der auszuschmauchenden Kammer, wo die Wärme wieder von oben eintritt, durch den Einsatz nach unten zieht, wo sie die Abteilung durch im Boden angebrachte Oeffnungen verläßt, um durch Abzugskanal nach dem Rauchsammler abgeleitet zu werden. Statt der Zuführungskanäle über dem Brennkanal, die unter dem Einfluß der Hitze und der ihr folgenden Ausdehnung und Zusammenziehung leicht undicht werden, verwendet man sehr häufig auch Blechhauben, welche die Heizlöcher und die Eintrittsöffnungen des Schmauchkanals so überdecken, daß die Wärme aus dem Brennkanal in letzteren Kanal übertreten bezw. in die auszuschmauchende Kammer eintreten kann.

Textabbildung Bd. 322, S. 539
Textabbildung Bd. 322, S. 539

Statt der unter den Heizlöchern bei jedem Brande neu aufgeführten Heizschächte führt man an einzelnen Stellen feste Heizschächte aus feuerbeständigem Material aus, oder es werden feste Heizwände quer durch den Brennkanal gezogen. Unter diesen sind besonders diejenigen von Hädrich zu erwähnen, die dort viel eingeführt sind, wo man einen gleichmäßigen Feuerstrom durch den ganzen Querschnitt des Brennkanals erzielen und ferner die bessere Ware vor den schädigenden Einflüssen direkter Flammenwirkung schützen will. Die Hädrich sehen Heizwände (Fig. 44) bestehen aus zwei ½ Stein starken Wänden, zwischen denen treppenartig ein Rost aus feuerfesten Steinen eingebaut ist, zur Aufnahme des durch die darüber liegenden Heizlöcher eingeworfenen Brennmaterials. Die dem Feuer zunächst liegende Wand erhält eine türenartige Oeffnung,