Text-Bild-Ansicht Band 322

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mit großer Längenausdehnung sollten während des 5 bis 15 Minuten dauernden Vorwärmens in Auspuffschaltung mit geringer Tourenzahl laufen; dann erst soll zur vollen Tourenzahl und auf Kondensationsbetrieb übergegangen werden. Vielfach werden die Wärmedehnungen schon bei der Herstellung berücksichtigt, dadurch daß. die genauen Ausbohrungen im warmen Zustand vorgenommen und die Räder warm eingesetzt werden. Der Spalt zwischen Leit- und Laufradschaufeln ist meist nicht viel kleiner als 3 mm; der radial gemessene Spalt zwischen Gehäuse und Laufrad ist mindestens 1 mm bei Parsons-Turbinen; im Niederdruckteil steigt er bis 3 mm. Gleichdruckturbinen haben radiale Spaltweiten, die zwischen 2 ½ und 5 mm schwanken.

Die Stufenzahl ist bei Ueberdruckturbinen am größten; für 1500 Umdreh. verwendet Zölly etwa 14, Rateau 25 und Parsons 78 Stufen. Die A. E. G. baut die Turbinen bis 20 KW mit einem Rad und drei Schaufelkränzen, dann mit zwei Rädern und je zwei Kränzen. Günstig für die Ueberdruckturbine ist die volle Beaufschlagung wegen des Fortfalles des Ventilationsverlustes. Das Turbinengehäuse wird zweckmäßig wagerecht geteilt, weil dabei das Turbineninnere am leichtesten zugänglich ist.

Als Dichtungen für die Welle kommen reibungslose Labyrinth - Dichtungen vor, deren Kammern durch Dampf angefüllt werden; auch wird die Fliehkraftwirkung von eingeführtem Wasser zur Abdichtung benutzt. Zölly verwendet eine der Schwabe-Packung ähnliche Dichtung, die aber eine Schmierung verlangt. Curtis benutzt als Material für die Dichtungsringe Kohle und spritzt zwischen die Ringe Wasser ein.

Der Achsialschub der Welle wird bei allen Turbinen unter möglichster Entlastung durch ein Spurlager aufgenommen, das gleichzeitig die genaue Einstellung der rotierenden gegen die festen Teile gestattet.

Die Lager mit Preßölschmierung und gekühltem Oel haben sich gut bewährt; die Weißmetallschalen größerer Turbinenlager sollten in Kugelflächen gelagert, die Lager selbst getrennt vom Turbinengehäuse montiert sein. Die Kupplung von Turbinen- und Dynamowelle muß eine gewisse achsiale und radiale Beweglichkeit haben.

Die Regulierung aller Turbinen erfolgt heute durch Drosselung des Frischdampfes. Als Regulierorgan dient fast ausschließlich ein entlastetes Doppelsitzventil; vorteilhaft ist die Zwischenschaltung eines Preßölservomotors; nur vereinzelt finden sich für kleinere Typen direkt auf der Turbinenwelle sitzende Achsregulatoren. Ein Pendeln des Regulators, Steckenbleiben und Undichtwerden des Steuerventils kann für den Betrieb parallel geschalteter Turbogeneratoren gefährlich werden. Die meisten Turbinen besitzen noch einen Sicherheitsregler gegen eine zufällige Tourenüberschreitung um 10 bis 20 v. H.

Von den Einrichtungen zur Erzeugung der Luftleere gewährt der Einspritzkondensator mit Naßluftpumpe wegen des geringen Platz- und Kühlwasserbedarfs Vorteile; es liegt jedoch die Gefahr vor, daß Wasser in die Turbine kommt, was nur durch umständliche Vorkehrungen ausgeschlossen werden kann; auch läßt sich kein sehr hohes Vakuum erzielen. Ist reichliches und kaltes Kühlwasser vorhanden, so empfiehlt sich Oberflächenkondensation, deren Kondensat direkt in den Kessel gepumpt werden kann. Bei Wasserknappheit ist Gegenstrommischkondensation am Platze. Strahlkondensatoren brauchen viel Wasser und geben kein sehr hohes Vakuum. Die Einführung von rotierenden, direkt mit der Turbine gekuppelter Kondensatoren macht immer mehr Fortschritte. Der Kraftbedarf der Kondensation ist bei Großturbinen 3–1,5 v. H., unter 500 PS 3–8 v. H. der Volleistung. Abdampfturbinen steigern namentlich im Hüttenbetrieb die Oekonomie einer Dampfkraftanlage beträchtlich.

2. Turbodynamos. Für Drehstrom haben sich fast allgemein Innenpolmaschinen eingebürgert und bewährt. Die Befestigung der Stirnverbindungen der Erregerwicklung erfolgt entweder durch geschlossene Stahl- oder Bronzebüchsen oder durch Drahtbandagen. Explosionen solcher Ring- und Drahtbandagen sind wiederholt vorgekommen. Unter der Wirkung der hohen Fliehkräfte verschiebt sich die Wicklung; das führt zu Körperschlüssen und starken Vibrationen. Der Ventilation der stromführenden Teile muß besondere Sorgfalt zugewendet werden. Sie geschieht entweder durch besonders angetriebene oder direkt auf den Rotor aufgesetzte Ventilatoren. Die erforderliche Luftpressung sollte 150 mm Wassersäule nicht überschreiten, sonst wird das Lageröl in die Dynamos gesogen.

Mit der Spannung geht man bei größeren Leistungen bis zu 10000 Volt; die Tourenzahl ist an die Periodenzahl geknüpft und beträgt bei zweipoligen Maschinen mit 50 Wechsel 3000 i. d. Minute bis zu 600 KW, 1500 bis zu 4000 KW, 1000 bis 6000 KW und darüber 750 Umdreh. (Brown, Boveri & Co.) Der Wirkungsgrad von Drehstromgeneratoren liegt zwischen 91 und 95 v. H. bei cos φ = 0,8. Legiertes Blech verringert die Eisenverluste. Bei dem hohen Gleichförmigkeitsgrad der Turbinen geht das Parallelschalten anstandslos vor sich.

Gleichstromgeneratoren sind bis zu 1500 KW Einzelleistung gebaut worden; die elektrische und mechanische Ausführung verlangt die größte Sorgfalt; Wendepole oder Kompensationswicklung sind unerläßlich. Der Kollektor ist reichlich zu bemessen und zu ventilieren, die Umfangsgeschwindigkeit sollte 30 m/sek. nicht überschreiten. Kohlebürsten sind mit Erfolg verwendet worden, doch verlangen sie eine solche Konstruktion der Bürstenhalter, daß sie bei der hohen Kollektorgeschwindigkeit nicht abhüpfen. Die Ventilation ist ähnlich wie bei Drehstromgeneratoren einzurichten; es ist darauf zu achten, daß kein Kupfer- und Kohlestaub in die Maschine kommt. Empfehlenswert ist die Anordnung einer besonderen Erregermaschine.

Heute werden etwa 6 Mill. PSe durch Turbinen erzeugt, davon etwa 3 ½ Mill. KW mit Turbodynamos. Die Anlagekosten eines Turbogenerators von 500 KW aufwärts sind nicht viel verschieden von den Kosten einer Anlage mit Kolbenmaschinen; Unterhaltungs- und Bedienungskosten werden aber erheblich geringer. Mit großen Einheiten kann ein Dampfverbrauch von 6 kg f. d. KW/Std. erzielt werden; der Oel verbrauch ist sehr gering.

Die Lieferzeit kann bei Dampfturbinen kürzer sein als bei Kolbenmaschinen, doch werden die Lieferzeiten infolge der auftretenden Schwierigkeiten beim Bau heute noch vielfach überschritten. Die Montage erfolgt in kürzester Zeit; z.B. wurde ein 300 PS Parsons-Turbogenerator vier Tage nach der Ankunft am Bahnhof in Betrieb genommen. (Zeitschr. f. Elektrotechnik u. Maschinenbau, 1907, Heft 29 u. 30.)

M.

Eisenbeton.

Eisenbetonstraßenbrücken. (Wäg) Ueber die Kleinbahn von Berlin - Südringbahnhof Hermannstraße nach Mittenwalde sind zur Vermeidung von Planübergängen drei Eisenbeton-Straßenbrücken von 11,92 m, 10,02 m und 9,19 m Lichtweite angelegt, die als typische Beispiele solcher kleiner Brücken gelten können.

Die größte derselben hat zwischen den Geländern eine Breite von 14 m, eine Fahrbahnbreite von 9 m und eine Konstruktionshöhe von 1,35 m. Die Fahrbahn ist 24 cm hoch. Die tragende Plattenbalkenkonstruktion ist daher in der Mitte 1,10 m hoch. Infolge des Gefälles 1 : 100 ermässigt sich diese Höhe am Auflager auf 1,03 m.

Die Tragkonstruktion der Fahrbahn besteht aus acht Plattenbalken. Die Balken sind 1,0 m von einander entfernt und 40 cm breit. Die über die Balken weglaufende Platte ist 20 cm stark. Der Uebergang der Platte in die Balken ist durch 15 cm hohe Konsolen verstärkt.

In den Balken liegen auf der Zugseite 11 Rundeisen von 33 mm Durchm., von denen am Auflager zur Entlastung der Betonschubspannungen drei Stück aufgebogen sind. Die Platte hat auf 1 m Breite 12 Rundeisen von 7 mm Durchm. erhalten.

Der Fußweg ist durch zwei entsprechend schwächere Balken und eine Platte von 12 cm Stärke unterstützt.