Text-Bild-Ansicht Band 322

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vorgenommen wurden, um von der eventl. vorhandenen, infolge verschiedener Walzhitzen ungleichmäßigen Oberflächenhärtung unabhängig zu sein.

Die Abweichungen von dieser Reihenfolge waren bei den geglühten Proben zahlreicher als bei den ungeglühten. Der Mangangehalt war bei dem Material mit geringem Kohlenstoffgehalt im allgemeinen geringer als bei dem höher gekohlten, ebenso beim Herdeisen geringer als beim Birneneisen. Die Ergebnisse der Schlagversuche werden nicht mitgeteilt, angeblich weil sie bei den verschiedenen Verfahren zu weit voneinander abweichen; Verfasser fürchtet, daß sie bei ihrer Bekanntgabe zu falschen Schlüssen bezügl. der Güte einzelner Stahlsorten zugunsten anderer führen könnten.

Um bei mehr als 39 kg/qmm zu den gleichen Festigkeiten zu gelangen, erfordert das Herdeisen etwa 0,1 v. H. höheren Kohlenstoffgehalt als das Birneneisen. (Engineering 1907, Bd. I, S. 791–793.)

ε.

Verbrennungsmotoren.

Großgasmaschinen, (v. Handorff.) Die Frage, ob im Großgasmaschinenbau dem Zweitakt oder dem Viertakt der Vorzug gebührt, ist noch immer unentschieden. In erster Linie kommt die Betriebssicherheit in Betracht, die, abgesehen von einer tadellosen Ausführung, vorwiegend durch das Ladeverfahren und die bauliche Gestaltung bedingt wird. Bei der Körtingschen doppeltwirkenden Zweitaktmaschine üben Aenderungen in der Umlaufzahl und Druckschwankungen in den Ansaugeleitungen infolge des nahezu zwangläufigen Ladevorganges wenig Einfluß auf den Gang der Maschine. Bei der Viertaktmaschine müssen dagegen die Drosselvorrichtungen in den Zuleitkanälen für Gas und Luft bei veränderter Umlaufzahl -und schwankendem Druck immer neu eingestellt werden, was unter Umständen große Geschicklichkeit des Maschinisten erfordert. Der genannte Unterschied kommt besonders bei Gebläsen, Pumpen und dergl. zur Geltung, nicht beim Antrieb von Dynamomaschinen.

Vergleicht man die bauliche Gestaltung, so stehen den beiden Ladepumpen der Zweitaktmaschine bei der Tandem-Viertaktmaschine gleicher Leistung ein zweiter Arbeitszylinder mit Kolben, vier Auslaßventile, zwei Einlaßventile und meistens noch vier besonders gesteuerte Gaseinström- bezw. Regelventile gegenüber. Die Ladepumpen sind betriebssicherer und fordern weniger Wartung wie die Auslaßventile. Auch der Zylinder der Zweitaktmaschine ist in konstruktiver Hinsicht demjenigen der doppeltwirkenden Viertaktmaschine überlegen. Gegenüber den genannten Vorteilen der Zweitaktmaschine steht als Nachteil u.a. die Ladearbeit, die etwa 10–12 v. H. der indizierten Bruttoleistung beträgt, wogegen die Saugarbeit bei Viertaktmaschinen nur etwa 4 v. H. ausmacht. Ein Nachteil, der sich nur bei elektrischen Betrieben geltend macht, besteht in der geringeren Umlaufzahl (80–85 bei 1000 PS) der Zweitaktmaschine gegen 107 – 110 einer Viertaktmaschine gleicher Leistung. Dieser Unterschied wird dadurch bedingt, daß bei letzterer für das Einsaugen eines Ladegemisches die Zeit einer Kurbeldrehung um 180°, bei der Zweitaktmaschine dagegen nur um höchstens 90° zur Verfügung steht, wobei auch noch Spülluft eintreten muß. Die mittlere Einströmgeschwindigkeit beträgt beim Viertakt denn auch etwa 30 m/Sek., beim Zweitakt 90 bis 95 m/Sek.

Die genannten Nachteile der Zweitaktmaschine sucht die Firma Pokorny & Wittekind einerseits durch Verlängerung der Ladezeit, anderseits dadurch zu beseitigen, daß Gas durch die Luft mittels Injektorwirkung angesaugt wird. Durch Verlängerung der Ladezeit wird die Ladearbeit vermindert. Man läßt nun einfach den Auspuff früher beginnen durch Verlängerung der Auslaßöffnungen, was zwar einen geringen Arbeitsverlust mit sich führt, der aber immerhin kleiner bleibt wie die durch den Ausschubhub bedingten Verluste der Viertaktmaschine.

Die zweite Abänderung besteht darin, daß man bei einer 200 PS Versuchsmaschine die Gaspumpe wegließ und vor dem Einlaßventil Düsen anordnete, welche das Gas ansaugen. Der mit dem Einlaßventil verbundene, die Gaszuströmung steuernde Schieber, hat Ueberdeckung, so daß zunächst nur reine Luft (Spülluft) in den Arbeitszylinder einströmt und erst nach gewisser Zeit das Gas angesaugt wird. Die Mischung ist vorzüglich. Das Generatorgas von rd. 1100 WE/cbm wurde der Maschine mit einem Drucke von 200 mm Wassersäule zugeführt. Die Ladearbeit betrug bei Vollbelastung und 124 Uml/Min. 7 v. H. der ind. Bruttoleistung. Die Maschine wurde später mit Hochofengas von 800 WE/cbm Heizwert betrieben, leistete dann aber nur 160 PS, weil eine ungenügende Gasmenge angesaugt wurde und die in der Gaszuleitung auftretenden starken Schwingungen auf den Ladevorgang einen störenden Einfluß ausübten. Man war dadurch genötigt, nachträglich doch eine Gaspumpe anzubauen, die das Gas nur auf etwa 0,1 at verdichtet und mehr dazu dient, regelmäßige Zufuhr zu bewirken. Sie besitzt weder Saug- noch Druckorgane, nur Schlitze in der Mitte des Zylinders. Da nun der Druck der Luft durch Vergrößerung der Düsen entsprechend ermäßigt werden konnte, ist die gesamte Ladearbeit trotz Hinzufügung der Gaspumpe nicht über 7 v. H. gestiegen. Die Regelung findet durch Aenderung der Gaspumpenfüllung mittels einer vom Regler betätigten Drosselklappe in der Saugleitung statt. Pokorny & Wittekind haben außer der beschriebenen Maschine für die Concordiahütte noch zwei Gas-Gebläsemaschinen für je 400 cbm i. d. Min. Saugleistung gleicher Bauart geliefert. Die Zylinderköpfe wurden dabei durch Zylinderdeckel, wie sie bei Viertaktmaschinen üblich sind, ersetzt. (Z. d. V. d. I. 1907, S. 1305 bis 1314.)

Ky.

Wasserkraftanlagen.

Vorrichtung zum selbsttätigen Abstellen von Wasserturbinen. Die von der Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg A.-G. in Augsburg an einer 100 pferdigen Anlage ausgeführte Einrichtung ist dazu bestimmt, bei solchen Turbinen, die ohne selbsttätige Regulierung arbeiten, beträchtliche Steigerungen der Umlaufzahl bei plötzlicher unbeabsichtigter Entlastung, z.B. beim Reißen eines Riemens oder beim Abschmelzen einer Sicherung zu verhindern. Eine Vorgelegewelle der Turbine treibt einen gewöhnlichen Fliehkraftregulator, dessen Muffe in ihrer höchsten Stellung ein mit Gewicht belastetes Sperrwerk auslöst, so daß der Schützen der Turbine geschlossen wird. Die Vorrichtung hat sich beim Herabfallen eines Riemens bereits bewährt. (Zeitschrift des Bayr. Revisions-Vereins 1907, S. 159–160.)

H.

Bei der Redaktion eingegangene Bücher.

Ermittelung der billigsten Betriebskraft für Fabriken. Unter Berücksichtigung der Heizungskosten sowie der Abdampfverwertung. Von Karl Urbahn, Ingenieur. Mit 23 Abb. und 26 Tabellen. Berlin, 1907. Julius Springer. Preis geh. M. 2,40. Chemisch-technische Bibliothek. Band 307. Das Messingwerk. Von Dr. phil. Georg Gurnick, Ingenieur. Mit 14 Abb. Wien und Leipzig. A. Hartleben. Preis geh. M. 2,–.