Text-Bild-Ansicht Band 322

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immer bis zu 40 v. H. der insgesamt gelieferten Leistung. (Mémoires et Comple rendu des Travaux de la Société des Ingenieurs Civils de France 1907, S. 43–79.)

H.

Materialienkunde.

Homöotropie. (Lehmann.) Theorie und Experiment zeigen in der mechanischen Technologie nicht die wünschenswerte Uebereinstimmung. Durch Beobachtung des Verhaltens der flüssigen Kristalle fand der Verfasser als einen Hauptgrund der Abweichung die „Homöotropie“.- Die meisten einer Verarbeitung unterzogenen Materialien sind nur quasi-isotrop; sie sind mikrokristallinisch, doch kommen die polaren Wirkungen nach außen für gewöhnlich nicht zur Erscheinung, da die einzelnen Kristallindividuen nach den verschiedensten Richtungen gelagert sind. So lange die Formänderungen vollkommen elastische sind, weichen diese Materialien in ihrem Verhalten von Isotropen nicht ab. Infolge der Homöotropie tritt aber eine Aenderung ein, sobald das Fließen beginnt, da sich hierbei die Kristallachsen gesetzmäßig einstellen. Die so geänderten Teile des Körpers weisen in der Richtung des Fließens eine meist viel niedrigere Elastizitätsgrenze und innere Reibung auf.

Zum Studium der Erscheinungen eignen sich mikroskopische Beobachtungen beanspruchter Körper im polarisierten Licht. Es erklärt sich die 1879 von Marangoni entdeckte Tatsache, daß beim Durchschneiden von aus weichen Kristallen bestehenden Stoffen (Talg, Wachs, Stearin, Paraffin) mittels eines Drahtes ein Teil des verdrängten Materials zu beiden Seiten des Werkzeugs in Form dünner Blättchen hervorquillt. – Die Richtungen des Fließens ergeben sich aus dem Verlaufe der Hauptspannungen vor Erreichung der Elastizitätsgrenze; sie sind zu letzteren unter 45° geneigt. Ihre theoretische Bestimmung durch Konstruktion oder durch Rechnung ist nur in sehr wenigen Fällen gelungen; bei weichen Substanzen (Kautschuk, Gallerte) findet man sie aus den Verzerrungen eines aufgezeichneten quadratischen Netzes oder aus einer Reihe von Kreisen, bei durchsichtigen Körpern aus den Auslöschungsrichtungen zwischen gekreuzten Nicols.

Der Verfasser beschreibt, wie sich die Homöotropie an Torsionsversuchen mit Scheiben aus Marineleim und Schmierseife, beim Eindrücken eines zylindrischen Stempels in Blei, Zinn und Zink geltend macht; erklärt, daß, da für anisotrope Medien die Richtungen des Fließens nicht mehr unter 45° zu den Hauptspannungen geneigt sind, die Gleitlinien der Hartmannschen Figuren an kristallinischen Stoffen unter anderen Winkeln verlaufen als an amorphen; bespricht das Verhalten von Körpern, deren molekulare Eigenschaften sich durch die Wirkung äußerer Kräfte ändern. –

Ueberschreitet an einer Stelle die Zugspannung die Kohäsion, so tritt ein Sprung auf. Die Sprungfläche verläuft senkrecht zur Richtung der Zugspannungen. Hat man also die Hauptspannungsrichtungen und die Orte der größten Zugspannungen, so kann man bei isotropen Körpern die Richtungen und Lagen der zu erwartenden Sprünge angeben. Bei Kristallen bedingtdie Anisotropie jedoch wesentliche Abweichungen (Spaltbarkeit!). In kristallinischen Körpern erfolgt die Bildung der Sprünge ähnlich wie bei isotropen. Tritt aber vor dem Bruch ein Fließen ein, so ändert sich das Bild infolge der Homöotropie. Rinne hat an Marmor beobachtet, daß die Sprünge den Gleitlinien folgen. – Auch amorphe Körper können durch Dehnung anisotrop werden, weil sie nicht aus gleichartigen, sondern aus verschieden beschaffenen Molekülen bestehen. (Physikalische Zeitschrift 1907. Nr. II, S. 386–391.)

A. L.

Schiffbau.

Schiffschrauben. (Helling) Fritz Egnell in Stockholm hat mit einem Motorboot eine Reihe von Schraubenversuchen ausgeführt, bei denen vier Schrauben untersucht wurden: 1. mit normaler Form, senkrechter, geradliniger Erzeugenden und unveränderlicher Steigung; 2. mit gekrümmter, nach hinten geneigter Erzeugenden und ebenfalls unveränderlicher Steigung; 3. ein Lorenz-Propeller; 4. ein Zeise-Propeller. Das Boot ist mit einem Körting-Motor von normal 20 PS bei 800 Uml./Min. ausgerüstet und hat bei schlanker Tetraederform 11,5 m Länge, 2,15 m Breite und 3,75 t Wasserverdrängung. Die Hauptdaten und die Ergebnisse der einzelnen Schrauben sind unten zusammengestellt.

Pro-
peller
No. 1
Pro-
peller
No. 2
Propeller
nach
Lorenz
Propeller
nach
Zeise
Durchmesser mm 500 480 i. Mittel 600 i. Mittel 534
Steigung mm 544 490 428 445
Abgewickelte Fläche qdcm 12,6 6,84 24 9,15
Uml. i. d. Min 780 880 850 800
Leistung PS 19,5 22 21,2 20
Geschwindigkeit Seemeil. 8,45 8,8 7,89 10,14
Slip v. H. 38,5 37 33 15
Vorherige
Annahme
des Kon-
strukteurs
Ge-
schwin-
digkeit
Uml./Min.

See-
meilen

11

800




10

800

9,75

800

Auffallend ist besonders das ungünstige Ergebnis der Lorenz-Schraube und die bedeutende Leistung des Zeise-Propellers. Letzteres wird auf die glückliche Wahl von Durchmesser, Steigung und Fläche, und auf die Anordnung der Steigung zurückgeführt, welche dem wirklichen Strömungsverlauf mehr entspricht als die der anderen untersuchten Schrauben. (Z. d. V. deutscher Ingen. 1907, S. 1348–1350.)

Ky.

Straßen- und Kleinbahnen.

Fahrleitung für elektrische Bahnen. (Simmons.) Für die Kettenlinienaufhängung der Fahrleitung in der Umgegend von Milwaukee werden 10,7 m lange Holzmaste verwendet, die 2,13 m tief in den Erdboden in einem Betonsockel von 200 mm Querschnittkante eingesetzt werden. Hierbei wird in Höhe der Sockeloberkante um den Mast ein Holzring von 40 mm Dicke und 75 mm Höhe gelegt. Nach dem Abbinden des Betons wird dieser Holzring wieder entfernt und die ringförmige Nut mit einer Mischung von Steinkohlenteer und Asphalt ausgegossen, die sich innnig an den Holzmast anlegt und das Hineinsickern von Wasser in den Betonsockel verhindert.

An den Masten werden etwa 2 m lange, aus Gasrohr von 50 mm Durchm. bestehende Ausleger mittels eines Fußes und zweier Schrauben, sowie eines 1500 mm höher angeschraubten Spanndrahtes von 8 mm Durchm. befestigt. Auf dem Gasrohr ist der Porzellanisolator an der Lagerung des Tragseiles befestigt.

In der Geraden ist an jedem sechsten Mast eine 760 mm lange Strebe aus präpariertem Hickoryholz mit Endbeschlägen aus Metall am Ausleger einerseits und an der Fahrleitung andererseits befestigt, um letztere am Schwingen zu verhindern. In den Kurven sind zur Aufnahme des Seitenzuges an jedem Mast eine solche Strebe und außerdem noch Spanndrähte angebracht. (Street Railway Journal 1907, Bd. II, S. 159–161.)

Pr.

Fahrdrahtaufhängung. (Cole.) Um bei elektrischen Bahnen das Herabfallen von in der Nähe der Aufhängung abbrechenden Fahrdrähten zu verhindern, sind in einigem Abstande zu beiden Seiten jeder Aufhängung Hilfsdrähte angelötet. Diese Hilfsdrähte sind durch Oesen, die zu beiden Seiten des Tragisolators isoliert auf der Aufhängung sitzen, hindurchgeführt und dahinter mit einem Bund versehen. Bei einem Bruch wird somit das Ende des gerissenen Fahrdrahtes durch den Hilfsdraht am Herabfallen gehindert. (Electrical Review 1907, Bd. II, S. 149.)

Pr.

Technische Chemie.

Mischungen von flüssigem Sauerstoff und Stickstoff. A. Stock und C. Nielsen stellten sich sehr reinen Sauerstoff von