Text-Bild-Ansicht Band 322

Bild:
<< vorherige Seite

keine praktische Bedeutung erlangt. Erst im Jahre 1892 hat die Maschinenfabrik Oerlikon den ersten brauchbaren Einphasenmotor mit Kunstphase gebaut, indem sie den primären Teil ohne körperliche Pole als Eisenring mit einer bei Generatoren üblichen Spulenwicklung ausführte (s. später Fig. 30).

Bei einer anderen Konstruktion von Tesla (33) werden die beiden Komponenten der Drehfelder von einer Doppelspule D (Fig. 17) erzeugt, welche eine schräge Stellung zu einem aus Blechen bestehenden senkrecht angeordneten System A einnimmt. Innerhalb der Spule liegt der drehbare als Flachring ausgeführte Kurzschlußanker B. Wird die Spule D mit Wechselstrom gespeist, so entsteht im Anker B senkrecht zur Spule D ein Feld, welches mit dem durch die senkrechten Eisenplatten verlaufenden Kraftfluß infolge der verschiedenen Phase ein rotierendes Feld ergibt und dadurch auf den Anker B ein Drehmoment ausübt. Auch dieser Motor hat sich nicht eingebürgert, da er ähnliche Nachteile besaß, wie der vorher angegebene.

Textabbildung Bd. 322, S. 675
Textabbildung Bd. 322, S. 675

Zur Erzeugung eines Anlaufsmoments ordnet J. van Depoele (35, 73) in der Polachse eine feste mit der Hauptwicklung I hintereinander geschaltete Hilfsspule H (Fig. 18) an, welche ein zum Hauptfeld N-S senkrechtes hervorruft. Der Anker A besteht aus einer gewöhnlichen Ringwicklung20) mit zwei diametralen Verbindungen a b und c d, wodurch er als Kurzschlußanker wirkt. Da die Felder beider Spulen wegen des parallel zur Wicklung I geschalteten Widerstandes W in der Phase verschoben sind, entsteht ein wenn auch nur geringes Drehmoment, so daß der Motor wenigstens unbelastet anläuft. Zur Regulierung der Phasenverschiebung sind veränderliche induktive Widerstände W in eine oder beide Phasen aufgenommen.

In einer späteren Patentschrift (74) sind noch verschiedene Schaltungen angegeben, bei welchen die Spule H durch eine über den Hauptmagnetspulen liegende Sekundärwicklung erregt wird.

Textabbildung Bd. 322, S. 675

Da diese Konstruktionen jedenfalls infolge der geringen zeitlichen Verschiebung der Felder ein zu geringes Anlaufsmoment ergaben, wurde der Anker A (Fig. 19) nach Art eines Grammeringes mit einem Kommutator versehen. Dadurch war es möglich, in die über beide senkrecht zur Achse des von der Wicklung F erzeugten Hauptfeldes befindlichen Bürsten gelegte Kurzschlußverbindung einen regulierbaren induktionsfreien Widerstand aufzunehmen und auf diese Weise ein stärkeres Drehmoment beim Anlauf zu erhalten. Diese Einrichtung wird jedoch mit starker Funkenbildung verbunden gewesen sein, denn Depoele änderte sie in der nach Fig. 19 angegebenen Weise ab, indem er nur die Hälfte der Spulen mit den Kommutatorlamellen verband und die anderen dazwischen liegenden (k) in sich kurzschloß. In dieser Form ist allerdings der Motor nicht mehr als asynchroner aufzufassen, da hierbei die Armatur A und das Feldsystem hintereinander geschaltet sind, und die Spule H parallel zum Anker liegt. Die kurzgeschlossenen Spulen k sollten dämpfend auf die Entstehung starker Kurzschlußströme einwirken und dadurch beim Anlauf das Feuern vermindern. Bei höherer Umdrehungszahl erzeugen sie jedoch wie in einem Kurzschlußanker ein Drehmoment und übernehmen damit einen Teil der motorischen Wirkung. Dieser Motor bildet daher gewissermaßen schon eine Uebergangsstufe zu den im Abschnitt V behandelten Formen.

Um ein rotierendes Feld ohne Benutzung einer durch Widerstände hervorgerufenen Kunstphase zu erhalten, ordnet J. van Depoele (41), wie Fig. 20 für einen vierpoligen Motor zeigt, innerhalb des Hauptfeldsystems I eine zweite um ½ Polteilung dagegen verschobene Magnetwicklung II an und speist sie durch Induktionsströme, die einer über der Primärwicklung a liegenden Sekundärwicklung b entnommen werden. Innerhalb der beiden Magnetsysteme befindet sich die aus einzelnen Kurzschlußwindungen bestehende Armatur A. Da die Felder I und II gegeneinander zeitlich in der Phase und außerdem räumlich verschoben sind, so erzeugen sie zusammen ein Drehfeld, durch welches die Armatur A in Rotation versetzt wird.

Textabbildung Bd. 322, S. 675
Textabbildung Bd. 322, S. 675
Textabbildung Bd. 322, S. 675

N. Tesla (45, 46, 49) erreicht auf andere Weise21) die zum Entstehen eines Drehfeldes notwendige Phasenverschiebung der beiden Einzelfelder des primären Teils, indem er nach Fig. 21 den um eine halbe Polteilung gegeneinander versetzten Feldwicklungen I und II verschiedene Induktanz gibt. Zu dem Zwecke wickelt er die Spulen I für höhere Selbstinduktion mit vielen Windungen dicken Kupferdrahtes, wodurch der Ohmsche Widerstand klein gehalten wird. Außerdem sind die Spulen möglichst nahe von Eisen umschlossen, damit die magnetische Leitfähigkeit bezw. die Streuung groß wird. Die anderen Spulen (II) bestehen aus wenig Windungen eines Drahtes von großem spezifischem Widerstände (Eisen oder Neusilber) und sind außerdem auf ganz kurze Polansätze gewickelt, damit sie bei der geringen Windungszahl einen nahezu gleich großen magnetischen Kraftfluß wie die Pole I

20)

C. f. E., 20. September 1889, Bd. 12, S. 154. E. T. Z., 28. März 1890, S. 192.

21)

E. T. Z., 7. Februar 1890, S. 85 und 27. November 1891, S. 653.