Text-Bild-Ansicht Band 322

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erzeugen. Der Anker A ist mit Kurzschlußwicklung versehen.

Außerdem sind von Tesla noch andere (47, 50) ähnlich ausgeführte Konstruktionen angegeben worden.

Im Prinzip übereinstimmend mit Fig. 14 ist ferner von N. Tesla (54) ein Motor22) konstruiert, bei welchem nach Fig. 22 durch die in den Polansätzen P induzierten Wirbelströme ein gegen das Hauptfeld in der Phase verschobenes erzeugt wird, so daß unter Einwirkung des dadurch entstehenden Flächenfeldes eine Rotation des Ankers eintritt. Die Wirkung ist jedoch nicht sehr stark, so daß diese Konstruktion, außer bei der Verwendung für Meßinstrumente, keine praktische Bedeutung erlangt hat. Durch die in Fig. 23 dargestellte Anordnung der Ankerspulen, glaubte P. Nipkow (56), ein starkes Anlaufsmoment und synchronen Gang zu erzielen. Da der Anker jedoch nur einachsig gewickelt ist, so arbeitet der Motor wie ein asynchroner Motor mit Kurzschlußanker.

Textabbildung Bd. 322, S. 676
Textabbildung Bd. 322, S. 676

Im weiteren Ausbau seiner Ideen hat Tesla auch unter Zuhilfenahme der Schutzwirkung eines in sich geschlossenen magnetischen Kreises Motoren mit Kunstphase23) gebaut (62, 63).

Infolge der Verwendung von körperlichen Polen ist jedoch diesen Motoren keine praktische Bedeutung beizumessen aus dem nämlichen Grunde, wie er schon bei den früheren Motoren Teslas (s. S. 675) erörtert worden ist.

Erwähnt sei noch eine Konstruktion von N. Tesla (64, 65), bei welcher die Magnetpole P mit Ansätzen a, b versehen sind, wie Fig. 24 zeigt. Diese rufen durch ihre Schirmwirkung eine magnetische Verzögerung des Kraftflusses hervor und, da infolge des größeren Querschnitts von a eine Unsymmetrie des Feldes auftritt, entsteht ein rotierendes Feld analog wie in Fig. 22, wodurch der Kurzschlußanker A in Rotation versetzt wird.

Auf einem anderen Prinzip beruht die Wirkungsweise des von C. S. Bradley (67) angegebenen Motors (Fig. 25). Sein Feld besteht aus einer Anzahl von Polen, denen ungleichnamige gegenüberstehen, so daß zwischen ihnen ein schmaler Raum frei bleibt. In diesem Zwischenraum befindet sich frei drehbar die auf der Achse befestigte Kupferscheibe A mit ringsektorförmigen Ausschnitten. Leitet man durch die Schleifringe S und den zweiteiligen Stromwender K den Spulen mit Hilfe der feststehenden Bürsten B Wechselstrom zu, so wird sich in einem bestimmten Augenblick die eingezeichnete Polarität vorfinden. Durch den Kraftfluß werden nun EMK' e in der Scheibe A induziert, welche die radial verlaufenden Ströme J in den Stücken a, b hervorrufen. Durch die Wechselwirkung zwischen dem Feld und den Strömen tritt eine Drehung der Scheibe ein, bis die Streifen a, b sich vor einem Polkern befinden. Dabei werden die unter a, b liegenden Pole stromlos und wechseln dann bei weiterer Drehung der Scheibe ihre Polarität. Durch die Rotation der Scheibe A verschiebt sich demnach das wechselnde Feld sprungweise, so daß eine kontinuierliche Bewegung in der angegebenen Richtung entsteht. Die Leistung des Motors kann jedoch keine große sein, ebenso werden Wirkungsgrad und Leistungsfaktor klein ausfallen.

Textabbildung Bd. 322, S. 676

Zur Erzielung eines guten Anlaufsmoments ordnet W. Stanley jr. (68) ein zum Hauptfeld senkrechtes an, welches zwar vom Hauptstrom erregt wird, jedoch nicht in derselben Ebene wie das Hauptfeld liegt. Jedes Feld wirkt daher unabhängig voneinander induzierend auf den aus einzelnen achsialen Stäben mit seitlichen Kurzschlußringen bestehenden Käfiganker. Durch das Zusammenwirken der von dem einen System hervorgerufenen Ströme mit dem anderen Feld sollte ein Drehmoment entstehen, was jedoch nicht der Fall ist.

Aehnlich gebaut ist der Motor von R. Kennedy (69). Er besitzt trotzdem kein Anlaufmoment, und stellt nur eine Verdoppelung eines einachsig gewickelten Motors dar.

Textabbildung Bd. 322, S. 676

C. Billberg und P. Winand (72, 76) erregen nach Fig. 26 die beiden U-förmig ausgebildeten Magnetsysteme F, welche den als Scheibe ausgeführten Anker umschließen, durch die primär gespeisten Spulen I. Dadurch werden in den Sekundärspulen (II) E M K' e induziert, die über die Bürsten B durch die Scheibe Ströme in der Richtung vom Umfang zur Mitte treiben. Nach dem Prinzip der Faraday sehen Scheibe wird dann der Anker in Rotation geraten. Infolge der vielen Nachteile dieser Anordnung besitzt sie jedoch keine praktische Bedeutung.

(Fortsetzung folgt.)

22)

E. T. Z., 21. November 1890, S. 619.

23)

E. T. Z., 21. November 1890, S. 619.