Text-Bild-Ansicht Band 322

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durch eine auf den Hauptpolen befindliche Sekundärwicklung erregt werden, welche außerdem zur Erzeugung einer großen Phasenverschiebung zwischen beiden Feldern einen besonderen induktionsfreien Widerstand enthält.

Fig. 27 zeigt eine ähnliche Ausführung (81, 82) mit der Modifikation, daß die Enden der hintereinander geschalteten vier Ankerspulen zu zwei Schleifringen geführt sind, um einen Kondensator C2 einschalten zu können. Zur Vergrößerung der Phasenverschiebung kann auch in die durch eine Sekundärspule II gespeiste Hilfswicklung III ein Kondensator C1 (95) aufgenommen werden.

Textabbildung Bd. 322, S. 691

J. Sahulka (84) ordnet Fig. 27. zwei räumlich gegeneinander auf mechanischem Wege verstellbare Magnetsysteme an, die von phasenverschobenen Strömen erregt werden. Das eine System ist mit der Primärwicklung eines passenden Transformators in Reihe geschaltet, während das andere an den Sekundärklemmen liegt.

Bemerkenswert ist eine Konstruktion von L. Gutmann (88, 90), bei welcher ein Anlaufmoment und eine kontinuierliche Drehung des Ankers (Fig. 28) durch eine besondere Schaltung der Spulen mit Hilfe der Verbindungen a, b, c erzielt werden soll. Dabei trägt das Joch Sekundärspulen (II), die z.B. nach Art einer offenen Wicklung mit einem feststehenden Kommutator K verbunden sind. Mit der Welle rotieren die Bürsten B und schließen abwechselnd je zwei diametrale Sekundärspulen kurz, so daß durch deren Einwirkung auf das von der Primärwicklung (I) erzeugte Hauptfeld ein fortschreitendes Feld entsteht. Außer dieser Schaltung sind noch eine große Anzahl von Modifikationen (94) angegeben, die jedoch praktisch von geringer Bedeutung sind.

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Zur Hervorbringung eines rotierenden Feldes mit Hilfe einer Kunstphase schaltet E. Thomson (98) die Wicklung sämtlicher Pole hintereinander und zu den um eine doppelte Polteilung auseinander liegenden Polen Kondensatoren parallel. Damit sind aber die früher (S. 675) angegebenen Nachteile dieser Typen nicht beseitigt.

W. Stanley jr. und J. F. Kelly (100, 106, 108) vergrößern bei Motoren mit Kunstphase die Phasenverschiebung der beiden Feldsysteme durch Einschaltung eines Kondensators C (Fig. 29) in die eine Magnetwicklung, welche an den Sekundärkreis eines Transformators T angeschlossen ist.

Abweichend von den bisher geschilderten Konstruktionen ist von H. A. Wagner & F. Schwedtmann (101) ein auf dem Prinzip der magnetischen Hysteresiswirkung beruhender Motor gebaut. Er besteht aus einer mit Plankommutator und achsial angeordneten Bürsten versehenen Trommelarmatur, welche in einem ringförmigen Magnetfeld ohne Polansätze drehbar gelagert ist. Durchfließt ein Wechselstrom den Anker, so erzeugt er in der Richtung der Bürstenlinie ein Feld im äußeren Eisenring, welches in dem Moment, wo der Strom seine Richtung ändert, gleiche Polarität mit dem Ankerfeld besitzt, so daß auf diesen eine abstoßende Kraft ausgeübt wird. Zur Verstärkung der Wirkung enthält der Ring in zwei achsialen Nuten eine kurzgeschlossene Spule, deren Windungsebene senkrecht zur Bürstenrichtung steht. Der Motor besitzt jedoch trotzdem nur eine geringe Leistungsfähigkeit.

Textabbildung Bd. 322, S. 691
Textabbildung Bd. 322, S. 691

In ähnlicher Weise wie Thomson (s. vorstehend) schaltet O. T Blathy (109) bei einem Motor25), der mit Ferrarisschem Drehfeld arbeitet, in den einen Zweig einen Kondensator, in den anderen einen induktiven Widerstand, wodurch die zeitliche Phasenverschiebung der beiden räumlich um 90° gegeneinander verschobenen Wechselfelder so eingestellt werden kann, daß sie nahezu 90° beträgt.

Von der Maschinenfabrik Oerlikon, Schweiz (112, 114) wurde der mit Kunstphase anlaufende Asynchronmotor erst dadurch praktisch brauchbar gemacht, daß die zwei Systeme der Feldwicklung nicht wie bei Tesla auf körperliche Pole, sondern gleichmäßig verteilt in Nuten des ringförmig ausgebildeten Feldeisens als Spiralen gewickelt wurden, wie Fig. 30 zeigt. Wicklung I besteht aus vielen, II aus wenigen Windungen. Da nun die Wicklung II ein stärkeres Feld als I erzeugen würde, ist noch ein induktionsfreier Widerstand R (oder ein Kondensator) eingeschaltet, durch den außerdem die Phasenverschiebung des Stromes im Zweig II gegen die Klemmenspannung verkleinert oder sogar negativ und damit die gegenseitige Verschiebung der beiden Felder vergrößert wird. Auf diese Weise kann sich ein gleichförmiges Drehfeld ausbilden, welches auf den mit Kurzschlußwindungen versehenen Rotor A ein ziemlich starkes Drehmoment beim Anlauf ausübt. Beim Lauf wird die Wicklung II nach Abschalten von R entweder in Reihe mit der Wicklung I geschaltet oder in sich kurzgeschlossen oder abgeschaltet. In ähnlicher Weise wie die Maschinenfabrik Oerlikon hat auch C. E. L. Brown (119, 120) einzelne Konstruktionen26) angegeben, die der Fig. 30 entsprechen. Zum Anlauf mit Kunstphase wird dabei eine Hilfswicklung verwendet, deren Feld um 90° räumlich gegen das Hauptfeld und zeitlich ebenfalls um einen gewissen Winkel in der Phase verschoben ist. Sie besitzt nämlich als Trommelwicklung eine kleinere Induktanz wie die gleichmäßig verteilte Ring-Hauptwicklung. Zur Verstärkung der Wirkung konnte noch ein Kondensator irr die Hilfswicklung eingeschaltet werden.

Um einen Motor ohne besondere Hilfsmittel zum Anlauf zu bringen, werden von R. Lundell & Johnson (127) die einzelnen Pole des Feldes zweiteilig angeordnet und mit zwei gegeneinander versetzten Wicklungen a und b versehen. Durch einen zwischengeschalteten Transformator wird das Feld der Wicklung b gegen das von Wicklung a erzeugte Hauptfeld verschoben, so daß ein Drehfeld auftritt. Ist der Motor angelaufen, so wird durch Umlegen eines Schalters die Wicklung b ausgeschaltet. Diese Anordnung

25)

Z. f. E. 1892, S. 365.

26)

The Electrician, 27. Januar 1893, Bd. 30, S. 358.

E. T. Z., 17. Februar 1893, S. 81.

El. Rev., Bd. 34, S. 52.