Text-Bild-Ansicht Band 322

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hat jedoch dieselben Nachteile wie die Konstruktionen von Tesla.

Auf andere Weise gelangt die Maschinenfabrik Oerlikon, Schweiz (122) nach einer von E. Arnold (116, 151) angegebenen Konstruktion (Fig. 31) zu einem selbstanlaufenden Motor27). Erteilt man nämlich dem Anker A eines Asynchronmotors eine kleine Anfangsgeschwindigkeit, so kann er dadurch unbelastet allmählich seine normale Umdrehungszahl erreichen. Die Möglichkeit des selbsttätigen Anlaufs hängt also lediglich nur von einer relativen Anfangsgeschwindigkeit zwischen Feld und Anker ab. Anstatt nun den beweglichen Teil durch eine mechanische Antriebsvorrichtung in Umdrehung zu versetzen, ist es bequemer, dem magnetischen Feld eine fortschreitende Bewegung zu erteilen. Zu dem Zweck sind in gleichen Abständen von der nach Art eines Grammeringes ausgeführten Feldwicklung F Abzweigungen (1 – 8) nach den gleichartig nummerierten Lamellen eines Stromverteilers V geführt, über den je nach der Polzahl des Motors zwei Bürsten B oder ein Vielfaches davon mit Hilfe eines Armes H bewegt werden können. Dadurch ruft der den Bürsten zugeleitete Wechselstrom in dem Ring ein Feld hervor, welches fortschreitende Pole besitzt, so daß unter ihrem Einfluß der Anker A in Rotation gerät. Da nun die Grenze der relativen Bewegung zwischen Anker und Feld durch den synchronen Gang gegeben ist, so wird der Motor eine solche Umdrehungszahl anzunehmen suchen, welche zusammen mit der regulierbaren Bürstenumdrehungszahl den synchronen Lauf darstellt. Der Motor kann demnach bei verschiedenen Umdrehungszahlen entsprechend der Bürstengeschwindigkeit eine gleich günstige Wirkungsweise zeigen, wie in der Nähe des Synchronismus.

Textabbildung Bd. 322, S. 692
Textabbildung Bd. 322, S. 692

Ausgehend von der Erscheinung, daß die Sekundärwicklung eines Transformators ein dem Primärfeld entgegenwirkendes erzeugt und dadurch auf dasselbe dämpfend zurückwirkt, hat A. Kolbe (136) einen Motor konstruiert, bei welchem entsprechend Fig. 32 der Wechselstrom dem Ringanker A durch Bürsten und Kommutator zugeführt wird (vergl. auch Fig. 28). Dieser erzeugt in dem Eisenring E ein Feld, dessen Pole in der Bürstenachse liegen. Infolge der auf dem äußeren Ring angebrachten kurzgeschlossenen Spulen S wird ein Sekundärfeld erzeugt, welches mit dem primären ein resultierendes ergibt, dessen Pole von b nach a wandern, wodurch analog der Wirkung eines Drehfeldes der kurzgeschlossene Anker A in Rotation versetzt wird. Das Feld wirkt hier also im Gegensatz zu den Konstruktionen von Tesla und Ferraris auf den primären Teil ein.

Später ist noch diese Schaltung dahin abgeändert (157), daß 2p Verzögerungsspulen zwischen den Polen gleichmäßig verteilt angeordnet werden, die einen in sich geschlossenen Stromkreis bildeten. Durch Bürstenverstellung konnte Rechts- oder Linksdrehung, oder bei Mittelstellung Stillstand herbeigeführt werden.

Um den Kommutator und die Bürsten bei der in Fig. 32 angegebenen Konstruktion zu vermeiden und einen höheren Wirkungsgrad zu erzielen, ändert A. Kolbe (149, 149) die Anordnung etwas ab, ohne jedoch die Wirkungsweise des Motors wesentlich zu verbessern.

Unter Benutzung des von Ferraris ausgesprochenen Satzes, daß man ein Wechselfeld in zwei nach entgegengesetzten Richtungen umlaufende Drehfelder28) zerlegen kann, ist von der Société Anonyme Pour la Transmission de la Force par L' Electricité, Paris (142) ein Wechselstrommotor konstruiert, wie ihn Fig. 33 zeigt. In dem von der Wechselstromquelle gespeisten Feldmagnetsystem F ist frei drehbar ein aus Eisenblechen hergestellter Hohlzylinder D angeordnet, dessen achsial hindurchgehende Verbindungsbolzen B aus Bronze bestehen und in seitlichen, gut leitenden Ringen R endigen. Bewegt man durch irgend einen Mechanismus oder von Hand den Zylinder D in einer Richtung, so wird das inverse Drehfeld gegenüber D eine große Relativgeschwindigkeit besitzen und in den Bolzen B und Ringen R Ströme induzieren, die auf das Drehfeld dämpfend zurückwirken und es nahezu aufheben. Es bleibt dann nur das in der Richtung des Dämpfers D umlaufende synchrone Drehfeld übrig, welches auf den mit Zweiphasenwicklung und Schleifringen S versehenen Anker A induzierend einwirkt. Durch Einschalten der Widerstände R1 und R2 in den Rotorstromkreis entstehen Ströme und dadurch ein Drehmoment, durch welches der Anker in Rotation versetzt wird. Unter dem Einfluß der in den Dämpferbolzen B induzierten Ströme läuft der Ring D ohne äußeren Antrieb mit geringem Energieverbrauch von selbst weiter.

Textabbildung Bd. 322, S. 692

Auf demselben Prinzip, wie es von Kolbe in Fig. 32 angegeben ist, beruht ein von der E. A. vorm. Schuckert & Co., Nürnberg, (148) angegebener Motor.

Erwähnt sei noch ein ebenfalls auf dem Prinzip der magnetischen Schirmwirkung beruhender Motor29) von G. Benischke (150).

In ähnlicher Weise wie Tesla benutzt C. S. Bradley (153) mit einigen Abänderungen einen induktiven Widerstand und einen Kondensator zur Zerlegung des Stromes in zwei phasenverschobene Komponenten.

Textabbildung Bd. 322, S. 692
Textabbildung Bd. 322, S. 692

Durch Verbreiterung der Bürsten an einem Motor mit Kommutator und Weglassen der Erregerwicklung erzielt R. Lundell (156) nach Fig. 34 ein Drehmoment, indem immer diejenigen Pole des Ankers A, welche vor den feststehenden unbewickelten Polansätzen F vorbeigehen, unerregt

27)

E T. Z. 1894, S. 435 und S. 528. El. Anz. 1894, S. 1017 und S, 1164. The Electrical World, 18. Mai 1895, Bd. 25, S. 593.

28)

E. T. Z., 14. Juni 1900, S. 484.

29)

E. T. Z., 13. Juni 1895, S. 368.