Text-Bild-Ansicht Band 322

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bleiben. Auf diese Weise entsteht eine ungleichmäßige Feldverteilung im Anker, welche in F Pole entgegengesetzter Polarität erzeugt, so daß eine Drehung in der Pfeilrichtung auftritt.

Auf andere Weise erhält F. A. Haselwander (161) ein Anlaufmoment, indem er die Impedanz eines aus einzelnen Windungen bestehenden Kurzschlußankers an diametralen Punkten (bezogen auf zwei Pole) schräg zur Achse des Hauptfeldes durch in die Nähe gebrachte Eisensegmente vergrößert. Die Folge davon ist, daß der Kraftfluß im Anker unsymmetrisch zum Hauptfeld verläuft und hierdurch ein Drehmoment im Sinne der Verschiebung der Eisensegmente gegen die Polachse auftritt.

A. Heyland (162) modifiziert die Konstruktionen von Tesla bezw. der Maschinenfabrik Oerlikon in der Weise, daß er nach Fig. 35 das Feld mit größerer Phasenverschiebung der Spule I stärker macht, als das mit geringerer der Wicklung II. Zu dem Zweck ordnet er30) die aus wenigen Windungen bestehende Spule I in einer großen geschlossenen Nut an, während die Wicklung II gleichmäßig über den inneren Umfang des Feldes F verteilt und möglichst nahe der Oberfläche des Ankers A gerückt wird.

Zum Anlassen eines Asynchronmotors vereinigt die Société Anonyme pour la Transmission de la Force par L' Electricité (163) die Wicklung desselben mit dem Anker eines nach Fig. 33 konstruierten und im Feld mit Gleichstrom gespeisten Synchronmotors. Die Anordnung ist jedoch zu kompliziert, um eine praktische Bedeutung erlangen zu können.

C. P. Steinmetz (164) benutzte einen normalen Zwei- oder Dreiphasenmotor31) und speiste die Wicklungen mit phasenverschobenen Strömen, die er einem Einphasen-Wechselstromnetz unter Zwischenschaltung von Induktionsspulen und Kondensatoren entnahm. (Monocyclisches System.) Auf diese Weise konnte dieselbe Type für verschiedene Stromarten Verwendung finden.

Textabbildung Bd. 322, S. 693

Hauptsächlich wurden jedoch Dreiphasenmotoren mit einem Käfiganker von hohem Widerstände benutzt. Das Anlassen geschieht dabei nach einer in den Fig. 41 u. 42 dargestellten Methoden. Das Anlaufmoment beträgt dann ungefähr 150 v. H. des Drehmoments beim Lauf, der Anlaufsstrom ist doppelt so groß, wie bei Vollast. Die normalen Typen werden für 110 und 220 Volt Klemmenspannung und 40 – 60 Perioden bis zu 15 PS Leistung gebaut. Fig. 36 zeigt die Betriebskurven32) eines vierpoligen Motors neuerer Bauart (Type I S, Form K G) von 3 PS Leistung, 220 Volt, 60 Perioden, der General Electric Co., Schenectady, N. Y.

Um einen leichteren Anlauf zu ermöglichen, ordnet A. Soames (156) zwei Wicklungen auf dem primären Teil des Motors an33). Beide bestehen aus je einer dick- und dünndrähtigen Wicklung, sind jedoch so ausgeführt, daß die eine doppelt so viel Pole als die andere erzeugt. Der Motor, dessen Anker eine oder zwei geschlossene Wicklungen enthält und zur Regulierung der Umdrehungszahl mit Anlaßwiderständen verbunden werden kann, wird durch die Wicklung mit höherer Polzahl zum Anlauf gebracht, welche dann bei normalem Lauf durch die Wicklung mit niedriger Polzahl ersetzt wird.

In ähnlicher Weise wie Steinmetz hat die Firma The Langdon-Davies Motor Company Ltd., Clerkenwell (London) (169) eine Konstruktion34) angegeben, bei welcher eine Hauptwicklung und eine gegen sie um eine halbe Polteilung verschobene, dünndrähtige Hilfswicklung im Stator angeordnet waren. Fig. 37 zeigt die Form eines Statorbleches nebst den beiden Wicklungen I für die Hauptphase und II für die Hilfsphase.

Textabbildung Bd. 322, S. 693
Textabbildung Bd. 322, S. 693

Während Heyland (s. Fig. 35) eine Hilfswicklung im Nebenschluß zur Hauptwicklung des Feldes anordnet, schaltet L. B. Atkinson (175) beide hintereinander. Damit nun der Kurzschlußanker von selbst zum Anlauf kommt, ist das Statoreisen in der Richtung des Hilfsfeldes stark ausgeschnitten, wodurch die Selbstinduktionswirkung in dieser Richtung anders ist als in der dazu senkrechten. Oder die Hilfswicklung ist in bedeutend größeren Nuten verlegt als diejenigen, welche die Hauptwicklung enthalten. Praktische Vorteile hat diese Konstruktion nicht gezeigt, so daß sie keine Bedeutung erlangt hat.

Im allgemeinen besaß der nach den beschriebenen Grundsätzen konstruierte Asynchronmotor im primären Teil zwischen Strom und Spannung eine gewisse Phasenverschiebung wegen des für das Feld erforderlichen Magnetisierungsstromes. Besonders bei Motoren mit Kunstphase und körperlichen Polen war dann der Leistungsfaktor verhältnismäßig niedrig.

Diesen Uebelstand beseitigt C. P. Steinmetz (179, 180) bei seinem Kondensatormotor35) durch folgende Verbesserungen.

Die Hauptwicklung I (Fig. 38) ist eine in Dreieck geschaltete Dreiphasenwicklung, deren Punkte A und B an das Netz angeschlossen sind. Ueber einer der beiden hintereinander geschalteten Phasen 1 oder 2 ist eine Sekundärwicklung II angebracht. Da sie aber durch einen Kondensator C geschlossen ist, entstehen in ihr Ströme, welche gegenüber der induzierten Spannung um einen gewissen Winkel voreilen. Dadurch entsteht einerseits ein gegen das Hauptfeld phasenverschobenes Hilfsfeld, so daß die Resultierende beider ein Drehfeld ergibt, andererseits kann man sich den nacheilenden primären Magnetisierungsstrom durch einen entsprechend dem Uebersetzungsverhältnis von der Hauptwicklung aufgenommenen voreilenden

30)

E. T. Z., 26. August 1897, S. 523.

31)

Transactions of the American Institute of Electrical Engineers, New York, 23. Februar 1898, Bd: 15, S. 63.

32)

General El. Co. Schenectady, Bulletin No. 4455, August 1906.

33)

Engineering, Bd. 66, S. 63.

34)

The Electrician, 19. Juni 1896, Bd. 37, S. 247.

35)

Transactions of the American Institute of Electrical Engineers, New York, 24, Januar 1900, Bd, 17, S. 25.