Text-Bild-Ansicht Band 322

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Kondensatorstrom kompensiert denken, so daß der Leistungsfaktor dadurch verbessert und sogar gleich der Einheit gemacht werden kann. Die Wicklung R ermöglicht es außerdem, durch Anwendung einer großen Windungszahl infolge der hohen Spannung einen kleinen Kondensator benutzen zu können. Dieser Motor besitzt speziell für stationäre Betriebe große Vorzüge, da man ihn für normale Belastung mit einem Leistungsfaktor nahe der Einheit arbeiten lassen kann. Um bei der hierfür verwendeten Größe des Kondensators das geringe Anlaufsmoment zu vergrößern sind beim Anlassen mitrotierende Widerstände in den dreiphasig gewickelten Rotorkreis geschaltet, die ungefähr bei halber Synchrongeschwindigkeit durch einen Zentrifugalapparat kurzgeschlossen werden. Das Drehmoment ist beim Anlauf nur 30 v. H. des normalen, der Anlaufstrom ist gleich dem doppelten Betriebsstrom. Die Motoren sind deswegen mit einer Leerscheibe versehen, welche bei nahezu synchroner Umdrehungszahl durch eine Zentrifugalkupplung mit der Welle verbunden wird.

Textabbildung Bd. 322, S. 694

Fig. 39 zeigt die Betriebskurven36) eines von der General Electric Co. Schenectady, N. Y. gebauten vierpoligen (Form L) Motors für eine Leistung von 10 PS bei 220 Volt Spannung und 60 Perioden, aus denen besonders die gute Phasenkompensierung ersichtlich ist, weswegen daß der Motor vielfach Verwendung findet.

Zur Erreichung eines starken Drehmoments aus der Ruhelage heraus werden nach Fig. 40 von F. A. Haselwander (181) auf dem Schlußanker eines Asynchronmotors37) die induzierten (i) und motorisch (m) wirksamen Leiter nicht direkt untereinander parallel, sondern unter Zwischenschaltung von mitrotierenden Drosselspulen D miteinander verbunden. Durch die Wirkung eines festen Eisenkerns I zur Vergrößerung der Impedanz der davorliegenden Spulen D1 gegenüber den anderen Spulen D2 wird der Strom der Spule i1 so beeinflußt, daß er hauptsächlich durch m1 fließt, während i2 einen Strom durch m2 schickt. Die in m1 und m2 vorhandenen Ströme ergeben nun mit dem Hauptfeld F zusammen ein Drehmoment, wodurch der Motor aus der Ruhelage anläuft. In ähnlicher Weise kann auch mit verschiedenen Modifikationen die Schaltung bei einem Trommelanker ausgeführt werden.

Textabbildung Bd. 322, S. 694
Textabbildung Bd. 322, S. 694

Zur Verbesserung des Leistungsfaktors eines mit Kunstphase anlaufenden Motors schaltet C. S. Bradley (182) in den als Ringwicklung ausgebildeten und mit drei Schleifringen versehenen Rotor Kondensatoren ein, deren Kapazität entsprechend der Geschwindigkeit regulierbar ist. Die Anordnung besitzt jedoch mit Rücksicht auf den Preis und die Bauart der Kondensatoren keine praktische Bedeutung.

(Fortsetzung folgt.)

Theorie eines hydraulischen Maschinenreglers.

Von Diplom-Ingenieur Otto Schäfer, Hannover.

(Schluß von S. 679 d. Bd.)

VIII. Berechnung eines Reglers für eine Maschine bestimmter Leistung.

Die zu regelnde Dampfmaschine, möge 100 PSi leisten und 120 Doppelspiele i. d. Min. machen. Die Arbeit des Reglers möge 20 mkg/Sek. = rd. 0,27 v. H. der indizierten Maschinenleistung sein. Der Widerstand in der Leitung vom Regler zum Akkumulator soll so eingestellt werden, daß er bei der mittleren Maschinengeschwindigkeit einen Druckhöhenverlust von 5 m verursacht. Bei einem Wirkungsgrad der Pumpe η = 0,5 ist dann die i. d. Sekunde zu fördernde Wassermenge

Da 120 Doppelhübe i. d. Min. erfolgen, hat die Pumpe 1 l bei jedem Hub zu fördern. Von dem Regler werde verlangt, daß er bei einer Veränderung der mittleren Umlaufzahl um 1 v. H. eine Kraft von 1 kg auf das Stellzeug ausübe. Da der Druckverlust in der Leitung bezw. in dem zur Einstellung des Widerstandes dienenden Hahn proportional dem Quadrate der Geschwindigkeit wächst, so steigert sich bei einem Anwachsen der Umlaufzahl von n auf 1,01 n der Druck p auf 1,012 p = rd. 1,02 p. Mithin entsteht statt des normalen Ueberdruckes von 0,5 at ein höherer Druck von 1,02 ∙ 0,5 = 0,51 at. Soll diese Drucksteigerung einen Ueberdruck von 1 kg ergeben, so muß die Fläche des Reglers 100 qcm und dessen Kolbendurchmesser 11,3 cm betragen. Wird letzterer mit rd. 120 mm ausgeführt, so wächst durch diese Aufrundung der Querschnitt auf 113 qcm und die Verstellungskraft auf 1,13 kg. Ein Nachteil, den jede Querschnittsvergrößerung im Gefolge hat, wird weiter unten noch erörtert werden. Bei einem Querschnitt von 113 qcm und einem Druck von 0,5 kg/qcm ist die ganze auf den Kolben ausgeübte Kraft 0,5 ∙ 113 = 56,5 kg, wovon jede der beiden Federn die Hälfte = 28,3 kg zu tragen hat. Um bei der ständig wechselnden Belastung ein Setzen der Federn zu vermeiden, ist die Beanspruchung des Federstahles gering zu wählen. Nimmt man letztere für Verdrehung τ =

36)

E. T. Z., 20. Oktober 1094, S. 900. General E. Co., Schenectady, N. Y., Bulletin No. 4353, Mai 1905.

37)

Z. f. E. 1901, S. 169.